Edda Burgtheater - © Matthias Horn
Theater

Die nordische Götterwelt in einer postdramatischen Show

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

„Wisst Ihr, was das bedeutet?“ Die Antwort auf die in „Die Edda“ vielfach gestellte Frage lautet definitiv: Nein. Wir wissen nicht, was es bedeutet, wenn wir uns die Erde untertan machen. Wir wissen nicht, wohin skrupelloses Wirtschaftswachstum führt. Und auch wissen wir wenig vom ca. 800 Jahre alten Sagenkomplex „Die Edda“. Neo-Burgtheater-Direktor ­Martin Kušej hat die in Hannover mit viel Erfolg aufgeführte Inszenierung des Regisseurs Thorleifur Örn Arnarsson nun nach Wien eingeladen. Neu besetzt präsentiert der isländische Künstler eine imposante Arbeit mit gewaltigen Bilderfolgen und starken Szenen.

Im buchstäblich nebulösen ­Chaos weissagt die Schauspielerin Elma Stefanía Ágústsdóttir (in isländischer Sprache) die Zukunft, Dorothee Hartinger übersetzt ihre rätselhaften Worte, Musik schwillt an, sodass Stimmen und Klänge einander übertönen. Besonders wichtig scheint der Text nicht zu sein, „es gibt keine linea­re Erzählung“, wird immer wieder betont.

Arnarsson geht es vielmehr um das Atmosphärische. Im dichten Nebel startet dieser Abend, der vom Anfang und vom Ende der Welt handelt. Als sich die Schwaden langsam lichten, stapfen drei Frauen in Plastik­anzügen über die Bühne. Mavie Hörbiger, Andrea Wenzl und Marie-Luise Stockinger sind als nordische Schicksalsgöttinnen zu sehen, die wie Mondmenschen über den schneebedeckten Boden wandeln. Es schneit weiße Daunenflocken, denn am Beginn der Welt herrschte klirrende Kälte. Am Ende der elliptischen Inszenierung wird „äußerste Not“ und noch wilderes Chaos herrschen, doch bis dahin vergehen 3½ Stunden, in denen Götter und Menschen miteinander ringen, Zwerge um „political correctness“ kämpfen und Riesen im Fatsuit-­Kostüm ihre Macht ausspielen.

Bis zum Ende undurchsichtig

Florian Teichtmeister hält als Gott Loki so manche Handlungsstränge beisammen. Im silbernen Anzug moderiert er die postdramatische Show. Er bricht die Illusion, stellt sich an die Rampe und kommentiert die verspielte Collage rund um Trolle, Elfen und allerlei Fabelwesen. Gemeinsam mit „Erklärbär“ Dietmar König zeigt er dem Publikum die Zusammenhänge auf. „Sie werden heute nur die Highlights der Götter erfahren“, kommentiert er das Geschehen. Und weil sich dieses schmackhaft verkaufen muss, spielt im Hintergrund dazu der Pianist Gabriel Cazes Auszüge aus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“, Dalidas „Je suis malade“ oder Udo Jürgens’ „Vielen Dank für die Blumen“.

Hier wird von allem etwas geboten: teure Bühnentechnik und gleichzeitige Entlarvung der Mechanismen, Unterhaltung und Botschaft, Bildung und Nonsense. Die Regie thematisiert den fehlenden roten Faden durch einen Gag mit einem roten Seil, die Lücke aber bleibt bestehen. Und auch der Baum der Erkenntnis, die „Welt-Esche Yggdrasil“, steht zwar imposant auf der Bühne, verfolgt aber weiter keinen dramaturgischen Zweck. Zwar lichtet sich bald der Bühnennebel, „Die ­Edda“ bleibt aber dennoch bis zum Ende undurchsichtig. Als im zweiten Teil Markus Hering autobiographische Momente aus dem Leben des Co-Autors Mikael Torfason erzählt, stürzt die Inszenierung aber auf eine realistische Ebene, die sich mit der mystischen Performance schlecht verträgt.

Die Highlights sind die Lichtinstallationen. Sie schaffen in Windeseile strahlende Himmel, Regenbögen und dunkle Wolkenstimmungen. Die Choreographie der Leuchtstoffröhren erinnert an die Arbeiten der US-amerikanischen Künstler Dan Flavin und James Turrell. In den sinnlichen Licht-Räumen (Friedrich Rom) werden Welten etabliert, die beein­drucken.

„Wisst Ihr, was das bedeutet?“ Die Antwort auf die in „Die Edda“ vielfach gestellte Frage lautet definitiv: Nein. Wir wissen nicht, was es bedeutet, wenn wir uns die Erde untertan machen. Wir wissen nicht, wohin skrupelloses Wirtschaftswachstum führt. Und auch wissen wir wenig vom ca. 800 Jahre alten Sagenkomplex „Die Edda“. Neo-Burgtheater-Direktor ­Martin Kušej hat die in Hannover mit viel Erfolg aufgeführte Inszenierung des Regisseurs Thorleifur Örn Arnarsson nun nach Wien eingeladen. Neu besetzt präsentiert der isländische Künstler eine imposante Arbeit mit gewaltigen Bilderfolgen und starken Szenen.

Im buchstäblich nebulösen ­Chaos weissagt die Schauspielerin Elma Stefanía Ágústsdóttir (in isländischer Sprache) die Zukunft, Dorothee Hartinger übersetzt ihre rätselhaften Worte, Musik schwillt an, sodass Stimmen und Klänge einander übertönen. Besonders wichtig scheint der Text nicht zu sein, „es gibt keine linea­re Erzählung“, wird immer wieder betont.

Arnarsson geht es vielmehr um das Atmosphärische. Im dichten Nebel startet dieser Abend, der vom Anfang und vom Ende der Welt handelt. Als sich die Schwaden langsam lichten, stapfen drei Frauen in Plastik­anzügen über die Bühne. Mavie Hörbiger, Andrea Wenzl und Marie-Luise Stockinger sind als nordische Schicksalsgöttinnen zu sehen, die wie Mondmenschen über den schneebedeckten Boden wandeln. Es schneit weiße Daunenflocken, denn am Beginn der Welt herrschte klirrende Kälte. Am Ende der elliptischen Inszenierung wird „äußerste Not“ und noch wilderes Chaos herrschen, doch bis dahin vergehen 3½ Stunden, in denen Götter und Menschen miteinander ringen, Zwerge um „political correctness“ kämpfen und Riesen im Fatsuit-­Kostüm ihre Macht ausspielen.

Bis zum Ende undurchsichtig

Florian Teichtmeister hält als Gott Loki so manche Handlungsstränge beisammen. Im silbernen Anzug moderiert er die postdramatische Show. Er bricht die Illusion, stellt sich an die Rampe und kommentiert die verspielte Collage rund um Trolle, Elfen und allerlei Fabelwesen. Gemeinsam mit „Erklärbär“ Dietmar König zeigt er dem Publikum die Zusammenhänge auf. „Sie werden heute nur die Highlights der Götter erfahren“, kommentiert er das Geschehen. Und weil sich dieses schmackhaft verkaufen muss, spielt im Hintergrund dazu der Pianist Gabriel Cazes Auszüge aus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“, Dalidas „Je suis malade“ oder Udo Jürgens’ „Vielen Dank für die Blumen“.

Hier wird von allem etwas geboten: teure Bühnentechnik und gleichzeitige Entlarvung der Mechanismen, Unterhaltung und Botschaft, Bildung und Nonsense. Die Regie thematisiert den fehlenden roten Faden durch einen Gag mit einem roten Seil, die Lücke aber bleibt bestehen. Und auch der Baum der Erkenntnis, die „Welt-Esche Yggdrasil“, steht zwar imposant auf der Bühne, verfolgt aber weiter keinen dramaturgischen Zweck. Zwar lichtet sich bald der Bühnennebel, „Die ­Edda“ bleibt aber dennoch bis zum Ende undurchsichtig. Als im zweiten Teil Markus Hering autobiographische Momente aus dem Leben des Co-Autors Mikael Torfason erzählt, stürzt die Inszenierung aber auf eine realistische Ebene, die sich mit der mystischen Performance schlecht verträgt.

Die Highlights sind die Lichtinstallationen. Sie schaffen in Windeseile strahlende Himmel, Regenbögen und dunkle Wolkenstimmungen. Die Choreographie der Leuchtstoffröhren erinnert an die Arbeiten der US-amerikanischen Künstler Dan Flavin und James Turrell. In den sinnlichen Licht-Räumen (Friedrich Rom) werden Welten etabliert, die beein­drucken.

Theater

Die Edda

Burgtheater, 1. und 8. Nov.