Prinz Homburg - © Salzburger Landestheater
Theater

Doppeltes Spiel um den Prinzen von Homburg

1945 1960 1980 2000 2020

"Prinz Friedrich von Homburg" im Salzburger Landestheater und "Vögel" im Schauspielhaus Salzburg.

1945 1960 1980 2000 2020

"Prinz Friedrich von Homburg" im Salzburger Landestheater und "Vögel" im Schauspielhaus Salzburg.

Diese Inszenierung des Kleist-Dramas „Prinz Friedrich von Homburg“ am Landestheater Salzburg ist höchstens „nach Kleist“: Dieses Stück so klassenkämpferisch zu belasten, wie das Regisseur Johannes Enders tut – das geht nicht. Das auf vier Personen reduzierte Stück – davon Homburg I und II – sieht den Kurfürsten von Brandenburg als Berserker, der die jungen Leute wie Hunde an der Kette hält und der schließlich von Prinzessin Natalie von Oranien­ mit Gift im Tropf getötet wird. Die Idee, Homburg als doppelten Homburg spielen zu lassen, ist reizvoll: hier der zartbesaitete Traumtänzer, dort der Kämpfer, der bei der Lagebesprechung überhört, dass er erst angreifen darf, wenn der Befehl dazu kommt (es geht um die Schlacht von Fehrbellin 1675). Die Bühne 24 erweist sich dabei leider akustisch als ziemlich unbrauchbar. Von der Unverständlichkeit am wenigsten betroffen ist Walter Sachers als Kurfürst von Brandenburg, am meisten Janina Raspe als Prinzesson Natalie von Oranien. Gregor Schulz und Tim Oberließen als die beiden Friedriche wurden eher Opfer der Regie und der Textbearbeitung als der Akustik. Der Zwiespalt zwischen der Unterordnung unter die militärischen Notwendigkeiten und der eigenen Entscheidung lässt sich nicht stringent als Systemkritik an der Gesellschaft verkaufen. Ob Homburg, letztendlich zum Tod bereit, wirklich hingerichtet wird, lässt auch der ­Originaltext ­offen. Eher nicht. „Ist es ein Traum?“, fragt er. „Ein Traum, was sonst?“, antwortet ein Offizier.

Was wie eine Paraphrase zu „Romeo und Julia“ beginnt, endet nach einer Familienaufstellung in Existenz bedrohendem Chaos: „Vögel“ von ­Wajdi Mouawad. Der gebürtige Libanese ist ein Erfolgsautor und das Stück ist in seinem Bezug auf den Nahostkonflikt dramatisch genug: Der Konflikt zwischen Israelis und Arabern, die Unterdrückung des jüdischen Volkes und die Situation von Muslimen bilden den Hintergrund der Geschichte. Es geht um die beiden Studenten Eitan und Wahida, er ist Jude und sie Araberin. Da sind aber noch die Familien. Und da stellt sich manch ungeahnte, durch jahrelanges Schweigen zurückgehaltene Neuigkeit heraus, etwa: Eitans Vater David, ein streng orthodoxer Jude, ist ein arabisches Findelkind. Irmgard Lübke hat das Drama spannend inszeniert, Kristina Kahlert (Wahida), Jakob Kücher (Eitan), Theo Helm (David), Katharina von Harsdorf, Antony ­Connor, Susanne Wende, Sophia Fischbacher, Marcus Marotte und Olaf Salzer sind das herzlich gefeierte Ensemble.