Die Gewehre der Frau Kathrin Angerer - © Foto: Luna Zscharnt

Ein typischer Pollesch: „Die Gewehre der Frau Kathrin Angerer“

1945 1960 1980 2000 2020

Das Eröffnungswochenende bei den Wiener Festwochen ist absolviert: Geboten wurde u. a. die Uraufführung „Die Gewehre der Frau Kathrin Angerer“ des deutschen Dramatikers und Regisseurs René Pollesch – mitunter etwas belanglos, dabei aber überaus sympathisch.

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Das Eröffnungswochenende bei den Wiener Festwochen ist absolviert: Geboten wurde u. a. die Uraufführung „Die Gewehre der Frau Kathrin Angerer“ des deutschen Dramatikers und Regisseurs René Pollesch – mitunter etwas belanglos, dabei aber überaus sympathisch.

Den Auftakt des bis Anfang Juli dauernden ersten Teils des von Christophe Slagmuylder verantworteten und pandemiebedingt zweigeteilten Festwochenprogramms bildete unter anderem die als Weltpremiere angekündigte neue Stückcollage des designierten Intendanten der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, René Pollesch.

Tatsächlich ist „Die Gewehre der Frau Kathrin Angerer“ ein typischer Pollesch. Wie gewohnt wird auch im jüngsten Diskurstheater des Berliners viel geredet und viel behauptet. Aber eigentlich ist kaum zu beschreiben, worum es geht. Wie immer klingt es mal wichtig, ist ein bisschen witzig, manchmal klug, auch ein wenig langweilig und ach, auch ein wenig unfertig. Gut, dass der Regisseur Pollesch die Souffleuse auch diesmal auf die Bühne schickt, sie wird gebraucht, was dem Gebotenen aber keinen Abbruch tut, zu gut fügt selbst sie sich in das Beiläufige des Geschehens ein. Alles in allem ist der vergnügliche Abend am Theater an der Wien etwas belanglos, aber überaus sympathisch.

Filmische Effekte

In „Die Gewehre der Frau Kathrin Angerer“, ein Titel, der Brechts Stück „Die Gewehre der Frau Carrar“ entlehnt ist, führt uns Pollesch, dessen Faible für den frühen Film schon seit Längerem in anderen Arbeiten auffällig geworden ist, an ein Filmset im Hollywood des Jahres 1938. Dort wird – was am Gewusel auf der offenen Bühne, an der Betriebsamkeit der Techniker und allerlei Gerätschaften wie Scheinwerfer, Tonarm, Kamerakran usw. unschwer zu antizipieren ist – gerade ein Film gedreht. Mittig steht eine mächtige Maschine, ein sogenannter Spinning-Room, ein Raum, der um die eigene Achse gedreht werden kann und an dem Abend noch für so manchen verblüffenden (filmischen) Effekt und für hübsche Wortspiele mit „drehen“ sorgen wird. Er ist als kleine Bar namens „Shame or Fame“ gestaltet, die über eine mächtige Showtreppe zu betreten ist.

Wie der zum Pollesch’schen Stammpersonal gehörende Martin Wuttke uns als eine Art Conférencier an der Rampe stehenderklärt, soll der Film „Generäle über Bilbao“ heißen. So lautete übrigens die erste Fassung von Brechts Stück, in welchem er sich 1937 mit Ereignissen des Spanischen Bürgerkriegs beschäftigte. Das bleibt aber auch die einzige Parallele zur titelgebenden Vorlage. Denn kaum hat Wuttke seine Einführung beendet, verliert er den Stand. Er rutscht, der Tücke seiner Steppschuhe geschuldet, immer wieder aus.

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