La-Clemenza-di-Tito.jp - © Foto: Annemie-Augustijns

„La clemenza di Tito“: Wofür Mozart alles herhalten muss

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„La clemenza di Tito“ bei den Salzburger Pfingstfestspielen und den Wiener Festwochen – und ein ungewöhnliches musikalisches Manifest.

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„La clemenza di Tito“ bei den Salzburger Pfingstfestspielen und den Wiener Festwochen – und ein ungewöhnliches musikalisches Manifest.

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Die von Cecilia Bartoli kuratierten Salzburger Pfingstfestspiele und die Wiener Festwochen haben diesmal Mozarts „La clemenza di Tito“ auf ihrem Programm. Ein Stoff, wie er aktueller, hoffnungsvoller nicht sein könnte: die Geschichte der Wandlung eines brutalen Diktators zum verständnisvollen Humanisten.

Man will ihm diese Metamorphose nicht abnehmen und erschießt ihn daher. Damit kann Vitellia endlich den Thron ihres Vaters erklimmen, die Macht ihrer Familie wiederherstellen.

So präsentiert Robert Carsen das Finale dieses späten Mozart in Salzburg. Weil Tito letztlich doch nicht zu trauen ist? Man kann es so deuten, diese Idee noch weiterspinnen und sich fragen: Wie lange wird es dauern, bis Vitellia vom Herrscherstuhl gestürzt werden wird? Wird auch sie ein Opfer des aufgebrachten Mobs werden?

Im Original liest sich der Schluss anders. Er lässt künftig einen weniger von der Macht korrumpierten als endlich auf die Menschen zugehenden Tito erwarten. Gedacht war diese Oper als eine Art „Fürstenspiegel“ aus dem Blickwinkel damaliger höfischer Kultur. Warum dieses Sujet nicht einmal von der Gegenwart her denken? Folgerichtig lässt Carsen das Geschehen in einem von heutigen Büro- und Sitzungsräumen inspirierten Ambiente (Bühnenbild und Kostüme: Gideon Davey) ablaufen. Videos erinnern an den Sturm aufs Washingtoner Kapitol. Die Protagonisten tragen Alltagskleidung.

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