Wirbel in Lagonero - © SLT / Tobias Witzgall

Mozarts „La finta giardiniera": Eine gediegene Inszenierung in Salzburg

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Burg-Schauspielerin Dörte Lyssewski hat in Salzburg ihr Opernregiedebüt gegeben. Mozart ist am Salzburger Landesthater in guten Händen. Eine Kritik.

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Burg-Schauspielerin Dörte Lyssewski hat in Salzburg ihr Opernregiedebüt gegeben. Mozart ist am Salzburger Landesthater in guten Händen. Eine Kritik.

Ganze 18 Jahre war Mozart alt, als in München seine zweite Opera buffa, „La finta giardiniera“, uraufgeführt wurde. Das war am 13. Jänner 1775 in München. Am Textbuch wurde seither, von Mozart selbst angefangen, all die 200 Jahre viel herumredigiert und umgeschrieben; selbst ein ehemaliger Festspielpräsident, Bernhard Paumgartner, legte eine deutsche und eine italienische Fassung vor, bis schließlich 1979 das Werk in der „Neuen Mozart-Ausgabe“ unter R. Angermüller und B. Berke erschien. Bestehen blieb ein Gefälle zwischen Musik und Libretto, in dem sich „Die Gärtnerin aus Liebe“ seither bewegt. So auch in dieser Salzburger Aufführung in einer Singspielfassung.

Die Geschichte ist eine Liebes- und Verwechslungsstory, die sich in Lagonero im Haus des Podestà abspielt. Ein bisschen kriminell geht es auch zu, schließlich hat der eifersüchtige Graf Belfiore seine Frau Violante beinahe getötet, die nun als Gärtnerin Sandrina beim Podestà Anchise Dienst tut. Für die Nichte des Podestà, Arminda, wird gerade die Hochzeit ausgerichtet, der Bräutigam: Belfiore. Das ganze Durcheinander nimmt seinen Lauf. Da gibt es noch den jungen Edelmann Ramiro, die Kammerzofe Serpetta und den Diener Nardo ‒ nur der arme Anchise bleibt schließlich übrig. Sieben ist keine gute Zahl für Parship. Knapp am Wahnsinn vorbei folgt die letzte Szene, und man wird den Eindruck nicht los, dass da eher eine Familienaufstellung nordischer Düsternis stattfindet als eine Lösung für alle Paare, was ohnehin nicht friktionsfrei abgeht.

Burg-Schauspielerin Dörte Lyssewski hat in Salzburg mit „La finta giardiniera“ ihr Opernregiedebüt gegeben und das Gewicht mehr auf die Tragik als auf die Komödie gelegt. Goldoni und die Commedia dell’ arte sind zu suchen. Und ist musikalisch alles in Ordnung? Ja und nein. Mozart hat immer dann, wenn ihm der Librettotext nicht konvenierte, in die nächste Arie ein „Minidrama“ hineingeschrieben. Dann ging’s weiter. Da hat es, zumindest in der Premiere, eher geholpert. Es kam zu wenig. Dennoch: Gabriel Venzago hat mit dem Mozarteumorchester Salzburg und den Sängerinnen und Sängern eine gediegene Ensembleleistung erbracht und gezeigt, dass Mozart in guten Händen ist: Laura Inckos lyrischer Sopran (Sandrina) und Victoria Leshkevichs Dramatik (Arminda) überzeugten ebenso wie der Countertenor Dennis Orellana (Ramiro) als Gast. Gustavo Quaresma (Belfiore), Luke Sinclair (Podestá), Hazel McBain (Serpetta) und George Humphreys (Nardo) blieben ebenfalls in guter Erinnerung.

Dieser Text erschien unter dem Titel "Wirbel in Lagonero" in der FURCHE-Printausgabe Nummer 03 vom 12.1.2023.

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