Zigeinerbaron - © Volksoper
Kritik

Volksoper: eine vertane Chance

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Die Frage der Minderheiten ist, wie die politische Gegenwart beweist, immer aktuell. Darum geht es auch im „Zigeunerbaron“. Warum diese den österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 thematisierende Strauß-Operette nicht in einer neuen, frischen Version auf die Bühne bringen, gereinigt von manchen, heute eher peinlich wirkenden Anspielungen? Das hat sich die Wiener Volksoper zur Aufgabe gemacht, allerdings mit wenig Fortune. Das ist weniger der neuen Textfassung und den gegenüber dem Original vorgenommenen Umstellungen von Peter Lund anzulasten, der eine Rahmenhandlung erfunden hat, in welcher Conte Cornero (souverän Boris Eder) als Impresario auftritt und durch die Geschichte führt – in den stimmigen Bühnenbildern von Ulrike Reinhard und unterschiedlich gelungenen Kostümen von Daria Kornysheva.

Auch seiner Idee, die ersten beiden Akte gleich dem Original im Wien Maria Theresias spielen zu lassen, den dritten in die Zeit der Entstehung des Werks, der k. u. k. Monarchie, zu verlegen, kann man einiges abgewinnen. Schon weniger, dass die Szenerie, je länger der Abend dauert, an Klamauk zulegt, dafür die Ironie und den Sarkasmus, der sich in diesem Stoff auch findet, ziemlich ausblendet. Was, gewiss, weniger aufgefallen wäre, hätte man für diese Produktion die entsprechenden Protagonisten engagiert. Denn abgesehen von Kristiane Kaiser als Saffi vermochten sie am wenig Beifall entlockenden Premierenabend den musikalischen Voraussetzungen nur in Maßen zu entsprechen. Lucian Krasznecs Bárinkay fehlte es an Glanz und Charme, Anita Götz’ Arsena vielfach an Höhe, steif Martina Mikelic als Czipra und Regula Rosin als Mirabella. Kurt Rydl als Zsupán versuchte mit outrierter Komödiantik seine stimmlichen und textlichen Schwächen halbwegs zu übertünchen. Auch von Alfred Eschwé am Pult von Orches ter und Chor der Volksoper Wien hätte man sich eine differenzierte Darstellung der Partitur gewünscht. Dieser Strauß hätte Besseres verdient.