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Allerweltsmozart

Wieder einmal haben die Salzburger Festspiele ein Erbe der Osterfestspiele angetreten: „Le nozze die Figaro" ist wohl der Schwachpunkt im heurigen Reigen der Mozartopern. Hat doch Regisseur Michael Hampe Da Pontes Spiel um Liebe und Verführung weder mehr komödiantischen Witz noch sozialkritischen Biß gegeben.

In John Gunters Pseudo-Rokoko-Bühnenbild mit aufgerissenen Wandteilen (Kostüme: Carlo Diappi) arrangiert er humor- und bedeutungslos die Protagonisten. Beaumarchais' kunstvolle Figuren, der frauenhaschende Graf Almaviva und seine schmachtende, unglückliche Rosina, das Dienerpaar mit dem tolldreisten Figaro und der pfiffigen Susanna, verkommen zu traurigen Gestalten einer spanischen Kleinstadt. Das Lachen bleibt auf der verkleinerten Bühne des großen Festspielhauses wie im Zuschauerraum ausgesperrt.

Die musikalische Betreuung haben die Wiener Philharmoniker von den „Berlinern" übernommen. Sie spielen Mozart, wie es jeder Vorstellung im Staatsopemrepertoire zur Ehre gereicht hätte. Aber Mozarts heitere Musik, der raffinierte Wechsel von „Himmelhoch-jauchzend" und „Zu-Tode-betrübt", findet dank Bernhard Haitink nicht wirklich statt. Er dirigiert Allerweltstheater und zeigt wenig Gespür für das Wesentliche.

Bewährt, aber - von Ausnahmen abgesehen - kaum Festspielniveau im Sängerensemble. Ferruccio Furlanet-tö (Figaro) und die schlecht in Szene gesetzte Susanna von Dawn Upshaw überzeugen am ehesten.

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