Hyäne - © Foto: Wikipedia/ Appaloosa (cc by 3.0)
Animal Spirits

Frauentag auf hyänisch

1945 1960 1980 2000 2020

Die Tüpfelhyäne betreibt eines der erfolgreichsten Matriarchate der Fauna, indem sie Kooperation vor aggressive Konkurrenz setzt.

1945 1960 1980 2000 2020

Die Tüpfelhyäne betreibt eines der erfolgreichsten Matriarchate der Fauna, indem sie Kooperation vor aggressive Konkurrenz setzt.

Kritiker des Patriarchats werden meinen, unsere Gesellschaft sei immer noch allzu tief verwurzelt im Männlichen – bis hinein ins religiöse Zentrum zum Herr-Gott. Durchgepaust passt das Bild auch zu der abendländischen Sicht des König-Reichs der Tiere. Da gibt es den großen männlichen Regenten, breit und kräftig gebaut, mit Riesenzähnen und Klauen und gewaltiger Mähne. Dem Kerl dienen folglich auch seine „Katzerl“,
zur Unterwerfung, Aufzucht und Reproduktion. Roar!

Dass es bei so vielen anderen Tierarten ganz anders zugeht als beim „König der Löwen“, wird in dieser Kolumne immer wieder erwähnt, wenn etwa wie zuletzt von Wildschwein, Makake oder Oktopus die Rede war. Zum Frauentag gibt es dieses Jahr das erfolgreichste Matriarchat unter den Säuge­tieren: jenes der Tüpfelhyänen. Sie stellen die größte Zahl aller afrikanischen Raubtiere, und das obwohl sie weder besonders groß, stark oder schnell wären. Ich erspare mir die ­lange Reihe der Rufmorde an der Hyäne, sie reicht von Alfred Brehm bis zu Disneys‘ Alptraumfabrik. Vielmehr beginne ich mit einer Legende des Volkes der Tabwa, nach der Hyänen die Sonne auf die Erde gebracht haben. Was zum Licht der Wissenschaft bezüglich der Crocuta Crocuta überleitet, die in den vergangenen Jahren statt angeblicher Feigheit, Hinterlist und Niedertracht folgende Eigenschaften als hyänisch erkannte: ­Risikobewusstsein, Planungssicherheit und erhabene Partner­wahl.

Hyänenmännchen müssen sich – ­wollen sie erfolgreich um ein Weibchen werben – weder stark noch aggressiv zeigen, sondern sich intensiv um das Wohl des Weibchens bemühen durch Anwesenheit und Aufmerksamkeit. Jene, die es nur aufs Posieren und Kopulieren abgesehen haben, werden verbissen und ausgetrieben.
Es gilt auch sonst nicht das Recht des Stärkeren. Hyänen positionieren sich, indem die Weibchen stabile Gefolgschaften um sich sammeln. Wer die Mehrheit hinter sich hat, führt. Da solche gruppeninternen Allianzen lebenslang anhalten, schafft diese Art der Führung eine sehr dauerhafte Ordnung und vermindert gruppeninterne Rivalitäten. Hyänen verschwenden in diesem Sinn so wenig wie möglich Energie gegeneinander.

Man vergleiche das einmal mit dem internen Wettbewerb in unseren Konzernen. Da wird laut Studien ein ganzes Drittel der Zeit dafür verwendet, Kollegen zu belauern und Intrigen abzuwehren. Man stelle sich vor, die ­Leute würden stattdessen zusammenarbeiten. Nicht auszudenken, wie in diesem post-intriganten Zeitalter die Arbeitsfreude ins Unermessliche steigen würde. Und wohl auch die Bewunderung für die Hyäne. Das ­begänne schon damit, dass es in ihrem Reich keinen Frauentag geben muss, weil jeder Tag Frauentag ist.

Kritiker des Patriarchats werden meinen, unsere Gesellschaft sei immer noch allzu tief verwurzelt im Männlichen – bis hinein ins religiöse Zentrum zum Herr-Gott. Durchgepaust passt das Bild auch zu der abendländischen Sicht des König-Reichs der Tiere. Da gibt es den großen männlichen Regenten, breit und kräftig gebaut, mit Riesenzähnen und Klauen und gewaltiger Mähne. Dem Kerl dienen folglich auch seine „Katzerl“,
zur Unterwerfung, Aufzucht und Reproduktion. Roar!

Dass es bei so vielen anderen Tierarten ganz anders zugeht als beim „König der Löwen“, wird in dieser Kolumne immer wieder erwähnt, wenn etwa wie zuletzt von Wildschwein, Makake oder Oktopus die Rede war. Zum Frauentag gibt es dieses Jahr das erfolgreichste Matriarchat unter den Säuge­tieren: jenes der Tüpfelhyänen. Sie stellen die größte Zahl aller afrikanischen Raubtiere, und das obwohl sie weder besonders groß, stark oder schnell wären. Ich erspare mir die ­lange Reihe der Rufmorde an der Hyäne, sie reicht von Alfred Brehm bis zu Disneys‘ Alptraumfabrik. Vielmehr beginne ich mit einer Legende des Volkes der Tabwa, nach der Hyänen die Sonne auf die Erde gebracht haben. Was zum Licht der Wissenschaft bezüglich der Crocuta Crocuta überleitet, die in den vergangenen Jahren statt angeblicher Feigheit, Hinterlist und Niedertracht folgende Eigenschaften als hyänisch erkannte: ­Risikobewusstsein, Planungssicherheit und erhabene Partner­wahl.

Hyänenmännchen müssen sich – ­wollen sie erfolgreich um ein Weibchen werben – weder stark noch aggressiv zeigen, sondern sich intensiv um das Wohl des Weibchens bemühen durch Anwesenheit und Aufmerksamkeit. Jene, die es nur aufs Posieren und Kopulieren abgesehen haben, werden verbissen und ausgetrieben.
Es gilt auch sonst nicht das Recht des Stärkeren. Hyänen positionieren sich, indem die Weibchen stabile Gefolgschaften um sich sammeln. Wer die Mehrheit hinter sich hat, führt. Da solche gruppeninternen Allianzen lebenslang anhalten, schafft diese Art der Führung eine sehr dauerhafte Ordnung und vermindert gruppeninterne Rivalitäten. Hyänen verschwenden in diesem Sinn so wenig wie möglich Energie gegeneinander.

Man vergleiche das einmal mit dem internen Wettbewerb in unseren Konzernen. Da wird laut Studien ein ganzes Drittel der Zeit dafür verwendet, Kollegen zu belauern und Intrigen abzuwehren. Man stelle sich vor, die ­Leute würden stattdessen zusammenarbeiten. Nicht auszudenken, wie in diesem post-intriganten Zeitalter die Arbeitsfreude ins Unermessliche steigen würde. Und wohl auch die Bewunderung für die Hyäne. Das ­begänne schon damit, dass es in ihrem Reich keinen Frauentag geben muss, weil jeder Tag Frauentag ist.