Bronzekockuck - © Foto: Wikipedia / Frankzed (cc by 2.0)

Kuckucks Gesöder

1945 1960 1980 2000 2020

Politiker der ideologie­freien Sorte haben viel mit dem australischen Bronzekuckuck gemeinsam. Auch ein paar weniger gute Dinge.

1945 1960 1980 2000 2020

Politiker der ideologie­freien Sorte haben viel mit dem australischen Bronzekuckuck gemeinsam. Auch ein paar weniger gute Dinge.

Unter jenen Tieren, die der Herrgott dem Menschen zu essen verboten hat, befindet sich im Buch Mose auch der Kuckuck. Warum er unrein sei, ist nicht verraten, aber moralisch kann man sich die Antwort gut vorstellen. Selbst wenn dem Gesang des Vogels die Terz mitschwingt und damit die göttliche Dreizahl – für die menschliche Bewertung ist er das Wappentier des Schmarotzers, der Untreue, des Falschen im Richtigen.

Dabei ist dieser Vogel eine sehr erfolgreiche Spezies. Ein Tier, das seine mangelhafte Grundfruchtbarkeit optimiert hat, indem es sich auf das Legen der Eier in fremde Nester konzentriert und auf die Brutpflege verzichten kann. Die Empathie für den Nachwuchs empfindet das Kuckucksweibchen quasi im Vorhinein, wenn es tagelang hingebungsvoll die Opfer­vögel beim Nestbau und der Eiablage beobachtet, ehe es selbst sein eigenes unter die Opfer­eier schlichtet. Und tatsächlich sind die Kuckuckseier ja farblich denen der Opfervögel angepasst, ob blau, weiß oder marmoriert. Nicht auszudenken, um wie viel anders die Welt wäre, wenn der Mensch ebenso genau darauf achten würde, in welche Welt hinein er seinen Nachwuchs setzt.

Unter allen Kuckucksvögeln ist der australische Bronzekuckuck der ausgefuchsteste. Denn während die anderen Kuckucke ihre Eier in einem komplizierten genetischen Verfahren passend „färben“, hat ihr australischer Vetter ein neues Verfahren entwickelt. Chrysococcyx lucidus „legiert“ seine Eier mit einer glanzverhindernden Schicht. Diese Tarnfarbe lässt das Kuckucksei im Nest optisch mit der bräunlichen Nestwand verschmelzen. Das Kuckucksjunge kriecht quasi aus dem Nichts aus seinem Ei. Der Bronzekuckuck hat damit einen Zug neuartiger Politik vorweg vollzogen, den man auch an Beispielen in Wien und München wahrnehmen kann. Dieser Typus Politiker lässt sich nicht mehr einordnen. Er ist in seinen Parteien weder links noch rechts. Er ist in Kuckuckʼschem Sinn nicht gefärbt, sondern „unsichtbar“, ideologisch nicht zuordenbar, dafür umso mehr zur Macht hin orientiert. Kommt er aber dorthin, spielt sich Dramatisches im „Nest“ ab. Wer nicht achtgibt, fliegt raus – egal, ob auf dem Horst „Christliche Union“ draufsteht, „ÖVP“ oder „SPÖ“.

Das Kuckucksrezept ist in der Tat erfolgreich, es bereichert die „Grundfruchtbarkeit“ der Partei mit Fankulturen. Freilich hatte die „Ideologie“ auch Vorteile. Man konnte Eigenschaften und weltanschauliche Überzeugungen voraussetzen. Und Letztere bewirken unter anderem, dass etwa in einer Krise aus solchen Überzeugungen strukturierte Pläne erwachsen. Aber was macht der Überzeugungs- und sehr oft Planlose? Er tut dem Kuckuck gleich, was er eben gut kann: andere aus dem Nest schmeißen. Es ist halt so seine Natur.

Unter jenen Tieren, die der Herrgott dem Menschen zu essen verboten hat, befindet sich im Buch Mose auch der Kuckuck. Warum er unrein sei, ist nicht verraten, aber moralisch kann man sich die Antwort gut vorstellen. Selbst wenn dem Gesang des Vogels die Terz mitschwingt und damit die göttliche Dreizahl – für die menschliche Bewertung ist er das Wappentier des Schmarotzers, der Untreue, des Falschen im Richtigen.

Dabei ist dieser Vogel eine sehr erfolgreiche Spezies. Ein Tier, das seine mangelhafte Grundfruchtbarkeit optimiert hat, indem es sich auf das Legen der Eier in fremde Nester konzentriert und auf die Brutpflege verzichten kann. Die Empathie für den Nachwuchs empfindet das Kuckucksweibchen quasi im Vorhinein, wenn es tagelang hingebungsvoll die Opfer­vögel beim Nestbau und der Eiablage beobachtet, ehe es selbst sein eigenes unter die Opfer­eier schlichtet. Und tatsächlich sind die Kuckuckseier ja farblich denen der Opfervögel angepasst, ob blau, weiß oder marmoriert. Nicht auszudenken, um wie viel anders die Welt wäre, wenn der Mensch ebenso genau darauf achten würde, in welche Welt hinein er seinen Nachwuchs setzt.

Unter allen Kuckucksvögeln ist der australische Bronzekuckuck der ausgefuchsteste. Denn während die anderen Kuckucke ihre Eier in einem komplizierten genetischen Verfahren passend „färben“, hat ihr australischer Vetter ein neues Verfahren entwickelt. Chrysococcyx lucidus „legiert“ seine Eier mit einer glanzverhindernden Schicht. Diese Tarnfarbe lässt das Kuckucksei im Nest optisch mit der bräunlichen Nestwand verschmelzen. Das Kuckucksjunge kriecht quasi aus dem Nichts aus seinem Ei. Der Bronzekuckuck hat damit einen Zug neuartiger Politik vorweg vollzogen, den man auch an Beispielen in Wien und München wahrnehmen kann. Dieser Typus Politiker lässt sich nicht mehr einordnen. Er ist in seinen Parteien weder links noch rechts. Er ist in Kuckuckʼschem Sinn nicht gefärbt, sondern „unsichtbar“, ideologisch nicht zuordenbar, dafür umso mehr zur Macht hin orientiert. Kommt er aber dorthin, spielt sich Dramatisches im „Nest“ ab. Wer nicht achtgibt, fliegt raus – egal, ob auf dem Horst „Christliche Union“ draufsteht, „ÖVP“ oder „SPÖ“.

Das Kuckucksrezept ist in der Tat erfolgreich, es bereichert die „Grundfruchtbarkeit“ der Partei mit Fankulturen. Freilich hatte die „Ideologie“ auch Vorteile. Man konnte Eigenschaften und weltanschauliche Überzeugungen voraussetzen. Und Letztere bewirken unter anderem, dass etwa in einer Krise aus solchen Überzeugungen strukturierte Pläne erwachsen. Aber was macht der Überzeugungs- und sehr oft Planlose? Er tut dem Kuckuck gleich, was er eben gut kann: andere aus dem Nest schmeißen. Es ist halt so seine Natur.

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