oktopus - © Foto: iStock/aurigadesign
Animal Spirits

Weltgefühl mit dem Oktopus

1945 1960 1980 2000 2020

Können Entscheidungen aufgrund optimaler Informationen so getroffen werden, dass sie nützlich für das Ganze sind? Was nach einer Illusion in der menschlichen Welt klingt, ist im Leben des Oktopus Standard.

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Können Entscheidungen aufgrund optimaler Informationen so getroffen werden, dass sie nützlich für das Ganze sind? Was nach einer Illusion in der menschlichen Welt klingt, ist im Leben des Oktopus Standard.

Von tierischer Nahrung, die der Mensch verzehrt, ist die Einverleibung des Oktopus wohl die am wenigsten notwendige. Denn die Speise, die daraus entsteht, ist vollständig geschmacklos. Und wie so oft im Leben ist es auch hier der Fall, dass die nähere Beschäftigung mit einem Geschöpf achtlose Verfressenheit in Bewunderung verwandelt. Statt eines „Salats“ aus zerhackten Tentakeln auf dem Teller sieht man plötzlich ein Wesen, das intelligent und neugierig ist, Freundschaften schließt und dessen Art zu denken ebenso leistungsfähig ist wie die von Hunden.

Der Oktopus verwendet Werkzeuge, er kann Aufgaben lösen, also taktisch vorgehen, und er verfügt über ein Langzeitgedächtnis. Aber das wäre nicht das einzig Erstaunliche. Viel erstaunlicher ist seine Art des Denkens.

Netzwerkdenken

Der Oktopus denkt nicht wie wir, über ein zentrales Gehirn. Sein Fühl- und Denkapparat ist als neuronales Netzwerk über den Körper verteilt. Das heißt: Selbst ein Tentakel eines Oktopus kann denken. Nun ist das menschliche Gehirn intelligenter und leistungsfähiger, aber bei komplexen Problemen schnell überfordert. Der Oktopus hat in seinen 300 Millionen Neuronen gewissermaßen die Schwarmintelligenz inkorporiert. Er muss sich nicht mehr auf eine Zentrale verlassen, die alles steuert, vielmehr kopiert er Information über sein Nervennetz in alle Körperteile. Und dann kann grob gesprochen ein Tentakel im positivsten Sinn selbst entscheiden und sich dabei auch noch gedankenlos auf alle anderen Körperteile verlassen.

Von tierischer Nahrung, die der Mensch verzehrt, ist die Einverleibung des Oktopus wohl die am wenigsten notwendige. Denn die Speise, die daraus entsteht, ist vollständig geschmacklos. Und wie so oft im Leben ist es auch hier der Fall, dass die nähere Beschäftigung mit einem Geschöpf achtlose Verfressenheit in Bewunderung verwandelt. Statt eines „Salats“ aus zerhackten Tentakeln auf dem Teller sieht man plötzlich ein Wesen, das intelligent und neugierig ist, Freundschaften schließt und dessen Art zu denken ebenso leistungsfähig ist wie die von Hunden.

Der Oktopus verwendet Werkzeuge, er kann Aufgaben lösen, also taktisch vorgehen, und er verfügt über ein Langzeitgedächtnis. Aber das wäre nicht das einzig Erstaunliche. Viel erstaunlicher ist seine Art des Denkens.

Netzwerkdenken

Der Oktopus denkt nicht wie wir, über ein zentrales Gehirn. Sein Fühl- und Denkapparat ist als neuronales Netzwerk über den Körper verteilt. Das heißt: Selbst ein Tentakel eines Oktopus kann denken. Nun ist das menschliche Gehirn intelligenter und leistungsfähiger, aber bei komplexen Problemen schnell überfordert. Der Oktopus hat in seinen 300 Millionen Neuronen gewissermaßen die Schwarmintelligenz inkorporiert. Er muss sich nicht mehr auf eine Zentrale verlassen, die alles steuert, vielmehr kopiert er Information über sein Nervennetz in alle Körperteile. Und dann kann grob gesprochen ein Tentakel im positivsten Sinn selbst entscheiden und sich dabei auch noch gedankenlos auf alle anderen Körperteile verlassen.

Hätte die Menschheit ein wenig mehr Vertrauen zu den Menschen, sie könnte dezentral denken lernen – wie der Oktopus.

Was das für uns heißen mag? Nicht auszudenken. Es deutet an, dass ein alter Traum der Ökonomie und der Freiheitsphilosophie möglich ist. Dass nämlich eine Gesellschaft oder ein Unternehmen nicht viel mehr brauchen, um autonom richtig handeln zu können, als einige Basisregeln und möglichst umfassende Information für ihre Individuen. Es würden, so die Hypothese, alle Teilnehmer in der Masse Entscheidungen treffen, die aufgrund der optimalen Information nützlich für das Ganze sind.

Eine Illusion? Immerhin funktioniert sie beim Oktopus seit der Kreidezeit. Uns hingegen hat die Vertikalsteuerung unserer Strukturen in die Bestätigung und Verbreitung systemischer Fehler geführt und in eine umfassende Verwüstung unserer Welt-Beziehungen. Nicht, dass das ein unumkehrbarer Prozess wäre. Aber leider muss man zugeben, dass wir uns von einer Eindämmung der Zerstörung eher entfernen.

Damit sich das ändert, müsste es uns auf höherer Ebene ergehen wie einem Forscher, der sich mit einem Oktopus anfreundete: Der Kontakt mit diesem Wesen ließ ihn selbst freundlicher werden – nicht nur mit anderen Oktopoden, sondern mit Menschen. Sein Wort dafür war: Sanftmut. Was für ein Mut!

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