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Digital In Arbeit

Bereit zum Zahlen?

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Der folgende Beitrag behandelt die Thematik aus der Sicht von Zeitungsverlegern. Bemerkenswert ist die weitgehende Übereinstimmung aller Fachleute.

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Der folgende Beitrag behandelt die Thematik aus der Sicht von Zeitungsverlegern. Bemerkenswert ist die weitgehende Übereinstimmung aller Fachleute.

Es lassen sich noch eine Vielzahl von Entwicklungstendenzen anführen (was auf der gegenüberliegenden Seite auch geschieht), die eine skeptische Haltung gegenüber den neuen Medien rechtfertigen — obgleich es auch erfolgreiche Beispiele gibt. Die Euphorie, die durch die technischen Möglichkeiten noch vor ein, zwei Jahren gegeben war, ist fast total erloschen. Allmählich tritt die

Faszination der Technik in den Hintergrund und man besinnt sich wieder mehr des Konsumenten, der all diese neuen Angebote erst einmal verkraften wird müssen und dies — so scheint es — gar nicht so freudig, wie erwartet, tun wird.

Interessanterweise kommt nun neben dem Zwang zur technischen Innovation auch ein gewisser Druck von Seiten der Politik, die erkannt hat, daß bisherige Prämissen der Technik, die für die Mediengesetzgebung partiell maßgeblich waren, zu verschwinden beginnen. Dieser Zwang und Druck bewirkt, daß der derzeitige Einstieg der Unternehmen in neue Medien eher mit dem Abstecken von Markt-Claims begründet wird — in der Hoffnung, mittelfristig doch ohne allzugroße Verluste auszusteigen, wenn die ursprünglichen Hoffnungen sich nicht erfüllen sollten.

Diesem Zwang wird sich auch die österreichische Medienlandschaft nicht entziehen können. Offen ist nur die Frage, inwieweit der Gesetzgeber in Österreich Barrieren aufbauen oder aber den Liberalisierungsbeispielen der Nachbarländer im Westen oder Süden Österreichs Folge leisten , wird.

Die Entscheidung, einen angekündigten öffentlichen Bildschirmtextdienst weiterhin als Pilot- oder Feldversuch fortzuführen, bis eine gesetzliche Regelung Normen für den Betrieb von Bildschirmtext bringt, weist eher darauf hin, daß Österreich nicht dem Beispiel der liberaleren Nachbarländer folgen wird — es sei denn, politische Teilgruppierungen erhalten die Oberhand, die den österreichischen Bürger doch für so mündig halten, daß er selbst entscheiden könne, welches Medienangebot er akzeptieren will und welches nicht.

Selbst kurzfristige Prognosen über die Medienentwicklung in Österreich zu stellen, ist auf Grund der differenten Haltungen der diversen politischen Gruppierungen daher äußerst schwierig.

Bei „Bildschirmtext" ist kaum zu erwarten, daß dieser Postdienst unter den gegebenen Bedingungen sich tatsächlich zu einem Massenmedium entwickelt. Bestenfalls wird es zu einem Informationssystem für spezielle Anwendergruppen. Das Home Banking und Home Shopping, in welches manche Banken und Versandhäuser noch große Hoffnung setzen, wird in den 80er Jahren kaum reüssieren. Fachleute aus Holland oder auch aus den USA bezweifeln überhaupt die Effektivität des Einsatzes dieses Mediums für die genannten Zwecke.

Wesentlich interessanter erscheint da der Zweiweg-Kabeltext-Dienst, wo ähnliche Dinge wie über Bildschirmtext gespielt werden körinen. Unwahrscheinlich ist jedoch eine Realisierung innerhalb der nächsten fünf bis acht Jahre. Mit ziemlicher Sicherheit ist aber Kabeltext als Einweg-Information in kürzester Zeit zu erwarten. Diese Systeme können relativ leicht installiert und auch kostengünstig betrieben werden.

Die Textdienste eignen sich ganz besonders für die Lokalinformation. Voraussetzung für deren Installation ist eine Neuinterpretation des Rundfunkbegriffes oder eine gesetzliche Regelung, die zumindest Probebetriebe für Kabeltextsysteme gestattet, um auch hier bei uns die Publikumsreaktion und das Verhalten der Werbewirtschaft zu testen.

Ähnliches gilt für Lokalradio. Sollte sich der Gesetzgeber zu einer Lockerung der Bestimmungen oder gar einer Änderung des seit langem überholten Rundfunkbegriffes herablassen und hier gesetzliche Rahmenbedingungen für Experimente schaffen, so werden Bewerber für lokale Radiostationen wie Pilze aus dem Boden schießen. Ob alle diese Bewerber allerdings reüssieren werden, ist eher zweifelhaft.

In der Schweiz wird uns die Entwicklung vorexerziert: Von 250 Bewerbern haben 36 eine Lizenz erhalten, die am 1. November 1983 zu senden beginnen sollten.

Bis heute haben nur 19 von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, und schon hört man aus verschiedenen Radiostationen den Hilferuf: Ändert die derzeitigen Rahmenbedingungen, sonst können wir nicht überleben!

Besonders aktuell ist derzeit das Thema Satellitenfernsehen. (Man vergleiche dazu auch die beiden gegenüberliegenden Beiträge: die Redaktion.)

Laut Expertenmeinung werden in den nächsten fünf Jahren für den europäischen Raum 17 Fernsehkanäle über Satelliten zur Verfügung stehen. Fraglich ist nur, wer diese zusätzlichen Fernsehkanäle mit Programmen wird füllen können und wollen. Die ersten Angebote, die uns über Satelliten erreichen, werden nur über Kabelanlagen zu empfangen sein.

Ob das Publikum diese zusätzlichen Angebote so reizvoll findet, daß damit ein schnellerer Anstieg der Kabelanschlüsse als bisher erfolgt, ist sehr fraglich. Anreiz dafür könnten eventuell sogenannte lokale Fensterprogramme sein. Das heißt, daß in ein angebotenes Satellitenprogramm aus lokalen Stationen Nachrichten und Werbung aus dem Lokalbereich eingeblendet werden.

Einer endgültigen gesetzlichen Öffnung für derartige Möglichkeiten wird sicher eine Phase der Versuche vorausgehen müssen. Diese sind jedoch nur in Urbanen Zentren vorstellbar, in welchen bereits eine hohe Anzahl von Kabelanschlüssen realisiert ist. Die Akzeptanz dieser Programme wird auch von der Art der Finanzierung abhängen: Wird der Konsument bereit sein, zu zahlen (Pay-TV), oder wird die Werbewirtschaft bereit sein, in diese zersplitterten Märkte zu investieren?

Von dieser Frage wird auch abhängen, inwieweit das bisherige wirtschaftliche Gleichgewicht zwischen den elektronischen und den Printmedien noch aufrecht gehalten werden kann. Es wird sicher Turbulenzen geben. Die Vehemenz der Einflüsse wird jedoch ausschließlich von den Entscheidungen des Gesetzgebers abhängen.

Der Autor ist Verlagsleiter der „Oberösterreichischen Nachrichten".

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