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Bessere Dämmung

Nach den Jahren des Wie- deraufbaus, in denen die ra- sche, kostengünstige Schaffung von Wohnraum zur obersten Maxime gemacht wurde, ist seit den siebzi- ger Jahren eir. r.yws* Qualitätsbe- wußtsein entstanden. Dies führte im Bereich der Energieversorgung dazu, daß sowohl der Gesetzgeber als auch die Bauherren höhere Ansprüche an die thermische Qualität von Bau- materialien stellen.

Industrie und Gewerbe erkann- ten einen neuen Markt mit energie- sparenden Produkten, auf dem heute alle größeren Baustoff irmen präsent sind und beachtliche Umsätze er- zielen. Als Folge davon sank der durchschnittliche Energieverbrauch bei Neubauobjekten.

In sehr vielen Fällen aber wurde der geringere Wärmebedarf der Ge- bäude durch Fehler im Zusammen- spiel zwischen Haustechnik und der Bausubstanz sowie bauphysikalische Fehler wieder ausgeglichen. Bau- physikalisch ist die Entstehung von Kondensation und Schimmelbildung das häufigste Problem, das gleich- zeitig auch zu unnötig hohem Ener- gieverbrauch führt.

Wärmebrücken in der Fassade und gleichzeitiges Abdichten der Fen- ster führen zu einem Anstieg der Raumluftfeuchtigkeit und Konden- satbildung im Bereich der Wärme- brücken.

Bei der Heizungsanlage wurden die Anforderungen neuer architek- tonischer Lösungen, wie zum Bei- spiel durch offene Räume bis unter das Dach, oft nicht erkannt - die Folge sind oft extrem hohe Werte beim Energieverbrauch trotz rela- tiv guter Dämmung der Gebäude.

Weiters wurde der Einfluß des Re- gelungsverhaltens auf den Energie- verbrauch stark unterschätzt und daher die Speichermasse der Ge- bäude bei der Auswahl des Heizsy- stems oft zu wenig berücksichtigt.

Aus den genannten Problemen ergab sich, daß, obwohl Baustoffe eingesetzt wurden, die weniger als die Hälfte der noch in den siebziger Jahren verwendeten Konstruktio- nen an Energie an die Umgebung abgeben, der Energieverbrauch in manchen Sektoren nur um etwa zehn bis 20 Prozent reduziert wurde. Wie stark sich die Verbrauchsreduktion auswirken kann, wenn, so wie bei Fernwärmeobjekten, viele Fehler- quellen ausfallen, zeigt die Graphik des durchschnittlichen spezifischen Wärmeverbrauchs für Heizzwecke nach Alter des Gebäudes der Heiz- betriebe Wien GesmbH.

In Gebäuden, die bis 1972 ange- schlossen wurden, werden 134 Ki- lowattstunden je Quadratmeter (kWh/m2) und Jahr verbraucht. Gebäude, die ab 1983 angeschlos- sen wurden, verbrauchen nur mehr 84 kWh/m2 und Jahr. Das bedeutet eine Reduktion um 37 Prozent.

Bei einer Untersuchung vor allem von Einfamilienhäusern im Land Salzburg hat sich gezeigt, daß in den Einfamilienhäusern, obwohl oft höhere Wärmedämm-Maßnahmen gesetzt wurden (strengere Vorschrif- ten), geringere Einsparungen erge- ben haben. Die durchschnittliche Energieeinsparung von Gebäuden ab 1980 gegenüber den älteren Ob- jekten beträgt nur etwa 20 Prozent. Aus der nebenstehenden Graphik der installierten Kesselleistungen läßt sich diese Einsparung erken- nen.

Die Erfahrungen der letzten zehn Jahre haben gezeigt, daß eine Ver- brauchsreduktion im Heizungsbe- reich - ohne besondere technische Entwicklungen - von bis zu 40 Pro- zent gegenüber Objekten aus der Bauperiode von 1975 möglich ist.

Hohe ungenützte Potentiale lie- gen heute noch im Bereich der Alt- haussanierung und besserer System- abstimmung im Neubau. Um zu- mindest Verbrauchszuwächse und damit höhere volkswirtschaftliche und umwelttechnische Belastung zu verhindern, oder Österreich sogar unabhängiger von Energieimporten zu machen, als es heute ist, sollten die Anstrengungen, Energiever- schwendung zu vermeiden, weiter verstärkt werden.

Der Autor ist Geschäftsführer des Österrei- chischen Instituts für Energiewirtschaft in Wien.

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