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Buchhandel im Wandel

Die Eröffnung einer Buchhandlung kann Anlaß sein, sich über die Entfaltung der Buchbranche Gedanken zu machen:

Seit Gutenbergs Erfindung hat der Buchandel in fünf Jahrhunderten tiefgreifende Wandlungen durchgemacht. Vom Drucker-Verleger-Händler, der am Beginn stand und alle drei Arbeitsbereiche in sich vereinigte, bis hin zu den mit „High-Tech" ausgestatteten Großbuchhandlungen, wie sie heute in allen Ballungszentren zu finden sind. Da der Großteil der im 16. Jahrhundert gedruckten Bücher in lateinischer Sprache verfaßt war, brauchte man sich beim Vertrieb nicht um die Landessprache kümmern. Ein Händler aus Frankfurt etwa besuchte mit seinen Bibeln, Meßbüchern oder antiken Autoren die Messen in Paris oder Lyon, wo er - meist im Tauschhandel - versuchte, die bedruckten Bögen günstig zu verkaufen.

Was auf diese Weise seinen Besitzer wechselte, war das „ Sortiment", das der jeweilige Geschäftsmann seinen Kunden anbieten konnte. Dieses Sortiment war gegenüber dem-heutigen vergleichsweise bescheiden.

Das riesige Angebot heute macht es immer schwerer, sich laufend zu informieren und das Beste und Aktuellste herauszufinden. In jeder Buchhandlung überrollt jede neue Produktion die alte, und nur wenige Bücher überleben das erste Jahr ihres Erscheinens. Um trotz dieses Überangebots ein „Buchhandlungsprofil " zu entwickeln, spezialisieren die meisten Geschäfte ihren Warenbestand nach Themen. Die neue Buchhandlung Styria bietet vor allem ein großes Reiseführersortiment mit reichhaltiger Auswahl an Landkarten, Stadtplänen, Sprachführern und mehr.

Einige Sorgen bereiten dem traditionellen Buch-

handel die Erschließung neuer Vertriebswege. Immer mehr Kaufhäuser und Supermärkte haben Buchabteilungen, in denen vor allem Unterhaltungsliteratur angeboten wird. Diese Bände sind meist keine Originalausgaben, sondern auf dem Lizenzweg nochmals ausgewertete Bücher. Es ist noch unklar, inwieweit solche Selbstbedienungsläden, bei denen jede Beratung fehlt, tatsächlich eine Konkurrenz darstellen, da Supermarktkäufer selten echte Leser werden. Nachdenklicher stimmt die Tatsache, daß zirka die Hälfte der Bevölkerung nie eine Buchhandlung betritt. Es bleibt zu hoffen, daß es mit tatkräftiger Hilfe der gelernten Buchhändler gelingt, Schwellenangst abzubauen, um so immer mehr Menschen die Freude am Buch zu ermöglichen.

Der Autor ist Buchhändler der STYRIA-Buchhandlung.

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