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Chancen und Risken solidarisch teilen

Europa erhält ein neues Gesicht. Jede große Veränderung, auch diese, erfordert gleichzeitig aber auch große Aufmerksamkeit. Denn es gilt zu prüfen, ob die Entwicklung in die richti-

und Nachteile gerecht und solidarisch verteilt werden. Die Europa-Idee kann sich daher nicht in erster Linie darauf beschränken, zwischenstaatliche wirtschaftliche Grenzen abzubauen, daß große "G" in der EG muß vielmehr auch unverkennbar für verwirklichte Gemeinschaft stehen. Dies beginnt bereits im eigenen Land, Ein EG-Beitritt Österreichs

und nicht nur für einzelne Gruppen. Einen Vorteil werden aber unzweifelhaft alle haben: Mehr Sicherheit! Denn die EG trägt wesentlich zu einer stabilen Friedensordnung auf unserem Kontinent bei. Die solidarische Teilung der Chancen und Risken, die mit der EG verbunden sind, ist eine "Hausaufgabe", die uns die EG nicht abnimmt, diese müssen wir selber zusam-

davon bin ich fest überzeugt. Voraussetzung dafür ist eine umfassende und sachliche Information. Es sind weder eine "Europhorie" noch eine "Europhobie", also weder überschwenglicher Optimismus noch grundlose Angst gefragt. Die EG wird uns nicht den Himmel auf Erden und schon gar nicht die Hölle bringen, sondern viele Verbesserungen und neue Chancen und Herausforderungen. Eine Angst, die immer wieder durch die Köpfe geistert, ist die Angst vor dem Verlust der "Identität". Aber: Wie kann man Identität verlieren, behaupten oder gewinnen? Identität wird nicht schon dadurch bedroht, daß es andere, zum Beispiel Ausländer, gibt. Wenn es nur mich selber gibt und überhaupt keinen

Identität - und habe auch gar keine. Es muß Vielfalt und Andersartigkeit geben, damit es überhaupt eine Identität geben kann. Das eine bedingt das andere! Und eines ist auch klar: Europa wird mit uns oder gegen uns zusammenwachsen. Daher ist es gleich besser, selbst als Mitglied mitzuge-stalten.

Europa ist aber mehr als nur die EG. Unsere aus der geografischen Situation gewachsene Mittlerfunktion zwischen Ost und West müssen wir daher weiter ausbauen. Damit tragen wir zur Sicherung des Friedens bei und davon kann trotz aller Umstellungsschwierigkeiten unsere Wirtschaft in großem Maße profitieren.

Wir brauchen das neue Europa

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