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Die ungeheuren Wirtschaftsriesen

1945 1960 1980 2000 2020

Will man bestimmten Schätzungen Glauben schenken, so entfällt bereits heute etwa ein Viertel der gesamten Weltproduktion auf die multinationalen Unternehmungen. Sie bilden daher unzweifelhaft einen gewichtigen Bestandteil der Weltwirtschaft, sei es aufgrund ihrer Größe, ihrer Investitionen oder ihrer Technologie.

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Will man bestimmten Schätzungen Glauben schenken, so entfällt bereits heute etwa ein Viertel der gesamten Weltproduktion auf die multinationalen Unternehmungen. Sie bilden daher unzweifelhaft einen gewichtigen Bestandteil der Weltwirtschaft, sei es aufgrund ihrer Größe, ihrer Investitionen oder ihrer Technologie.

In der Tat üben sie verschiedene Funktionen aus: Sie sind gleichzeitig Produzenten und Investoren, Händler und Innovatoren. Die nationalen Regierungen müssen mit ihrem Einfluß rechnen in bezug auf Beschäftigung und Güteraustausch, hinsichtlich Zahlungsund Kapitalverkehr. Es ist deshalb auch kein Wunder, wenn sich die Aufmerksamkeit - und die Kritik - in den jüngsten Jahren diesen Gebilden in wachsendem Maße zugewandt hat.

Ihre Entstehungsgeschichte ist verhältnismäßig einfach. In einem ersten Stadium handelt es sich um Firmen, die wachsen und denen der Binnenmarkt zu eng wird. Sie bauen deshalb eine Exportabteilung auf und überschreiten mit ihren Erzeugnissen die Landesgrenzen. Dies geschieht, um beispielsweise jene Degression der Stückkosten auszunützen, die sich als Vorteil des Großbetriebes ergibt.

Der Absatz im Ausland erfolgt wahrscheinlich zunächst über den Großhandel, sehr bald aber in eigener Regie. Es werden zu diesem Zweck Verkaufsstützpunkte in den fremden Absatzmärkten errichtet. Dazu bedarf es der Marktforschung, der Werbung und anderer Vertriebsmaßnahmen.

Diese anfängliche Etappe wird zumeist früher oder später abgelöst durch Produktionsstätten (oder Konfektio-nierungsbetriebe) in einzelnen Abnehmerländern. Dabei handelt es sich häufig um „Zollfabriken" in dem Sinne, daß um einen Absatzmarkt herum hohe Zollmauern aufgebaut werden, die die Frage nahelegen, ob man auf den betreffenden Markt verzichten oder aber sich entschließen will, innerhalb der Mauern einen eigenen Betrieb zu eröffnen. Natürlich können es auch knappe Devisenzuteilungen für den Import sein, die dieselbe Wirkung ausüben.

Gewiß gibt es unter den dargelegten Umständen auch Alternativen. Sie bestehen darin, daß längerfristige Verträge mit lokalen Verarbeitern abgeschlossen oder daß Lizenzen an sie vergeben werden. Tatsächlich drängen sich diese Lösungen sogar an erster Stelle auf; sie benötigen weder den Einsatz von Kapital noch bringen sie viele Risiken mit sich. Vielleicht wird auf dem Wege des „Franchising" (Vertriebsform, bei der ein Unternehmer seine Produkte durch einen vertraglich gebundenen Händler verkaufen läßt) auch das Produktions-know-how zur Verfügung gestellt.

Dies läuft darauf hinaus, daß anstelle von Produkten Technologie exportiert wird. In der Regel macht man freilich mit dieser Variante ziemlich schlechte Erfahrungen. Die Umsatzerwartungen gehen nicht in Erfüllung, und man hat zu wenig Kontrolle über das, was der

Lizenznehmer tut. Wenn sich der Eindruck einer möglichen besseren Vermarktung verdichtet, entschließt man sich zu Direktinvestitionen.

Geschieht dies in größerem Maßstabe und in mehreren Ländern, so ist ein neuer „Multi" geboren. In seinem Rahmen erfolgt die Planung, Organisation und Kontrolle von der Zentrale aus, und zwar weltweit. Hier werden die Fragen aufgeworfen und beantwortet,

wo sich die aussichtsreichsten Märkte befinden, wo neue Produktionsstarid-orte zu wählen seien, wo Forschung und Entwicklung betrieben werden solle, woher die Finanzmittel beschafft werden müssen und an welcher Stelle die Fachkräfte und Kader einzusetzen seien. Es ergibt sich immer ausgeprägter die Notwendigkeit, das ganze Gebilde zu koordinieren und in ein System zu bringen.

Allerdings wird gewöhnlich vorerst gegenüber den fremden Märkten gleichsam eine binationale Strategie angewandt: Jedes Land wird für sich und getrennt von den anderen Ländern behandelt. So werden Investitionen in A vorgenommen, um den Markt A zu beliefern, nicht aber B oder C.

Erst später kommt es zu einer multinationalen Strategie, bei der dann die einzelnen nationalen Märkte nur noch als Bestandteil des gesamten Weltmarktes aufgefaßt werden. Nunmehr sollen die Spezialisierungsvorteile der einzelnen Produktionsstandorte ausgenützt werden, um von ihnen aus auch Drittmärkte wie B und C zu versorgen.

So stellt sich denn schließlich heraus, daß bereits ungefähr 40 Prozent des gesamten Welthandels innerhalb der „Multis" abgewickelt wird.

Es leuchtet ohne weiteres ein, daß in den Stammhäusern auch eine Finanzstrategie für die gesamte Gruppe betrieben wird, und zwar im globalen Rahmen. Die anfänglichen Direktinvestitionen bedingen eine Kapitalübertragung vom Heimatland zu einer neuen Niederlassung. Die Gelder stammen vielleicht aus der Selbstfinanzierung, möglicherweise aber auch aus Anleihen oder Bankkrediten. Hinzu kommen recht oft auch Darlehen, die in den betreffenden Ländern und in nationaler Währung aufgenommen werden.

Später werden die Erweiterungsinvestitionen vornehmlich aus erzielten Gewinnen finanziert, die nicht repatriiert, sondern „untergepflügt" werden. In

diesem Falle vergrößert sich wohl das Auslandsvermögen des Stammhauses und des Heimatlandes, ohne daß aber der Devisenmarkt berührt wird.

Als Bestimmungsgründe für den Transfer der Geldkapitalien spielt begreiflicherweise die Höhe der Kapitalkosten eine dominierende Rolle, wobei das Bestreben im Prinzip dahin gehen wird, die Mittel in den Ländern mit den niedrigsten Kapitalkosten aufzunehmen und in Märkte mit höheren Kosten zu verbringen. In dieser Hinsicht verfügen die „Multis" über einen ins Gewicht fallenden Vorteil sowohl gegenüber kleineren Unternehmungen als auch gegenüber rein nationalen Firmen.

Hingegen wäre es unrichtig, anzu-

nehmen, das Kapital fließe im Wertmaßstab dorthin, wo die höchste Verzinsung winkt. Das gilt nur für die Portfolioinvestitionen. Die Direktinvestitionen dagegen werden dort getätigt, wo man einen Absatzmarkt erhalten will, wo man einen solchen erobern möchte, wo man das Entwicklungspotential besonders günstig einschätzt oder wo man hofft, mehr zu verdienen als die einheimischen Konkurrenten.

Diese Überlegenheit gegenüber den nationalen Mitbewerbern beruht nicht zuletzt auf der verfügbaren Technologie, auf den Managementfähigkeiten

und der weltweiten Organisation. Die „Multis" sind in dieser Sicht vor allen Dingen Schöpfer, Träger und Verbreiter von Innovationen, gestützt auf ein spezifisches Forschungspotential. Indem sie erarbeitetes Wissen weltweit auswerten, könnte man wiederum zum Schluß gelangen, sie trügen zur ra-schestmöglichen und umfassenden Befruchtung der einzelnen Volkswirtschaften mit diesem Know-how bei.

Schließlich muß aber dieses „Geistkapital" auch sachverständig eingesetzt werden. Dazu bedarf es der entsprechenden Leute. In Ubereinstimmung damit muß von der Zentrale aus auch die „Wanderung" der Techniker und Manager gesteuert werden. Es gilt die Mitarbeiter auszubilden und aufsteigen zu lassen - und zwar auch jene in den Ländern, wo Niederlassungen bestehen.

Halten wir uns dies vor Augen, so ist es nicht übertrieben, zu behaupten, daß fähige Arbeitnehmer vielfach Aufstiegschancen erhalten, die ihnen beim Fehlen von „Multis" verschlossen geblieben wären. Wenigstens in embryonaler Form könnte daher auch von einem weltweiten Arbeitsmarkt für das Fähigkeitskapital gesprochen werden.

Quelle: Publikation der Bank Julius Bär & Co. AG

Sieben österreichische Banken rangieren unter den 500 größten Banken der Welt. In einer kürzlich veröffentlichten „Hitliste", die der in London erscheinende „Banker" nach den Bilanzsummen (ohne durchlaufende Positionen) erstellt hat, liegt die CA-Gruppe auf Platz 88, die Girozentrale auf Platz 130, die Länderbank-Gruppe nimmt Platz 140 ein, die Zentralsparkasse liegt an 173. Stelle; danach folgen auf Platz 206 die Genossenschaftliche Zentralbank, auf Platz 231 die Bank für Arbeit und Wirtschaft und auf Platz 246 die Erste österreichische Spar-Casse.

Um 6,6 Prozent stiegen die Verbraucherpreise im Juli gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres; im Juni betrug der Jahresabstand bekanntlich 7,1 Prozent. Dämpfend auf die Teuerung wirkten die Saisonprodukte (Obst und Gemüse), die sich verbilligten. Für August rechnen Experten des Wirtschaftsforschungsinstitutes freilich wieder mit einem Ansteigen der Inflationsrate auf rund sieben Prozent.

Die Fremdenverkehrseinnahmen (brutto) expandierten im ersten Halbjahr 1980 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12,1 Prozent auf 33 Milliarden Schilling. Die Ausgaben stiegen (einschließlich der Schillingmitnahmen der Gastarbeiter) nur um 2,4 Prozent auf 14,4 Milliarden Schilling.

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