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Die Zeit arbeitet fur Assad

Nicht zuletzt die Kriegsmüdigkeit der Israelis, der daraus entstehende Druck von der Basis brachten vergangene Woche Ministerpräsident Menachem Begin und sein Kabinett dazu, einem Friedensvertragsentwurf zuzustimmen, den der amerikanische Außenminister George Shultz nach zweiwöchigem Pendelverkehr zwischen Beirut und Jerusalem zustande gebracht hat.

Laut diesem Vertrag wird eine 45 Kilometer breite PufferZone oberhalb der israelischen Nord-

grenze als Sicherheitszone definiert, in die das Eindringen von PLO-Kämpfern mit allen Mitteln unterbunden werden soll. )

Diese Zone ist nochmals in zwei Zonen unterteilt, in einen 30 Kilometer und einen 15 Kilometer breiten Landgürtel längs der israelischen Grenze — der ehemaligen christlichen Enklave des Majors Haddad, der hier sieben Jahre lang an Israels Seite mit seinen christlich-schiitischen Milizen gegen die PLO-Guerillas gekämpft hat. Jetzt soll Haddad nur stellvertretender Kommandant im Südlibanon werden, während in den übrigen 30 Kilometern das libanesische Militär für Sicherheit sorgen soll.

Um kein Vakuum heraufzubeschwören, das zu einer, völligen Annexion des Libanons durch Syrien führen könnte, will Israel allerdings seine Einheiten erst parallel mit dem Rückzug der syrischen und PLO-Truppen abzie- hen.

Als jedoch der amerikanische Außenminister Shultz am vergangenen Samstag mit dem von Israel und dem Libanon ausgearbeiteten Vertrag nach Damaskus kam, lehnte Syriens Staatschef Assad ihn fürs erste ab. Warum sollte er auch zustimmen, ohne irgendwelche politischen Vorteile dafür zu bekommen? Assad möchte sowohl die Golanhöhen von Israel zurückhaben als auch saudische Petro-Dollars und sogar amerikanische Wirtschaftshilfe. Dabei weiß er genau, daß sein sofortiges Jawort ihm nur wenig einbringt. Je länger er seinen Truppenabzug hinhält, einen um so höheren Preis kann er möglicherweise dafür verlangen.

Assad spricht dauernd von Kriegsgefahr, er mobilisiert seine Kräfte, baut Luftunterstände in Damaskus und vieles andere mehr. Doch verläßt er sich auf die Kriegsmüdigkeit der Israelis. Und er kann darauf bauen, daß sich die Amerikaner zur Zeit nicht in einen Nahostkrieg verwickeln lassen wollen, der zu einer sowjetisch-amerikanischen Konfrontation führen könnte.

Gerade dieses Spiel mit dem Feuer unterstützt die Sowjetunion nicht nur mit Militärberatern und Waffenhilfe, sondern auch mit politischen Ratschlägen und entsprechender Propaganda in ihren Massenmedien.

Obwohl der amerikanische Außenminister immer noch optimistisch gestimmt ist — wobei er auf die pro-amerikanischen Saudis hofft, die behaupten, daß Syrien aus innenpolitischen Gründen doch einem Rückzug zustimmen wird —, bereitet sich Israel schon jetzt auf eine neue Alternative vor: einen einseitigen Rückzug mit amerikanischer Kooperation. Demnach sollen die multinationalen Streitkräfte im Libanon vergrößert werden, die Schuf- Berge und einen Teil südlich von Beirut schützen, während Israel seine Armee bis 45 Kilometer oberhalb seiner Nordgrenze zurückziehen würde.

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