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Schule in Zeiten von Corona

DISKURS

Corona: Matura auf dem Prüfstand

1945 1960 1980 2000 2020

Jene Erleichterungen, die das Bildungsministerium für die diesjährige Reifeprüfung vorsieht, sind angemessen. Was aber wird getan, um generelle „Maturakrankheiten“ zu lösen? Ein Gastkommentar.

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Jene Erleichterungen, die das Bildungsministerium für die diesjährige Reifeprüfung vorsieht, sind angemessen. Was aber wird getan, um generelle „Maturakrankheiten“ zu lösen? Ein Gastkommentar.

Längst haben sich Vorbereitungskurse für Aufnahmetests an Universitäten und ihren Instituten zu einem lukrativen Geschäftsfeld entwickelt. Das ist eine direkte Folge der zahlreichen Zugangsbeschränkungen, die sich großflächig etabliert haben. Intensivkurse etwa für Human- oder Zahnmedizin mit Kosten von über tausend Euro sind keine Seltenheit. Eine Ursache dieser Entwicklung (neben anderen Faktoren): Die Matura ist nicht mehr aussagekräftig genug. Sie ist kein zuverlässiges Kriterium für Studierfähigkeit mehr. Die schöne Idee eines freien Bildungszugangs verkommt währenddessen aufgrund der Kosten für Nach-, Vor- und Zusatzhilfe immer mehr zur Phrase.

Unabhängig von diesen Problemen hat das Bildungsministerium Erleichterungen für die diesjährige Matura, die am 20. Mai startet, festgelegt. Im Schatten von Covid-19 wird die Präsentation der vorwissenschaftlichen Arbeiten bzw. Diplomarbeiten entfallen, die mündliche Matura ist wieder freiwillig, die gefürchtete Mathematik-Matura an der AHS wird erleichtert. Die schriftliche Matura ist nur in drei Fächern verpflichtend, die Arbeitszeit pro Fach um eine Stunde verlängert, in die Beurteilung soll die Jahresnote wieder einbezogen werden.

Minister Heinz Faßmann richtete sich an die heurigen Maturantinnen und Maturanten mit folgender Feststellung: „Ihr seid keine lost generation. Im Gegenteil, ihr beweist, dass ihr Aufgaben auch unter schwierigen Bedingungen leisten könnt.“ Schülervertretungen – mit Ausnahme der Plattform „Matura Futura“ – sind mit dem Maßnahmenpaket zufrieden und sprechen von einem „fairen Kompromiss“ nach über hundert Tagen Distance-Learning. Das sehe ich ähnlich.

Exklusiv erworbene soft skills

Manche machen sich Sorgen um eine Matura, die als minderwertig aufgefasst werden kann. Der Tenor von Bildungsexpert(inn)en wie Christiane Spiel lautet allerdings, dass die Corona-Matura 2021 nicht weniger wert sei. Sie verweisen auf die soft skills oder Kompetenzen, die in den letzten Monaten erworben worden seien: Selbstorganisation, Selbstmotivation, Frustrationstoleranz, Verlagerung von sozialen Kontakten auf soziale Medien, Umgang mit Distance Learning und Informationstechnologien. Es sei nicht zu erwarten, dass Personalchefs die Corona-Matura für minderwertig halten würden. Und in ein paar Jahren würde sowieso niemand mehr nachfragen.

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