Meinung

Dietrich Mateschitz stellt Addendum ein

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Dietrich Mateschitz beendet die Aktivitäten der Quo Vadis Veritas Stiftung. Die Rechercheplattform "Addendum" wird damit eingestellt.

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Dietrich Mateschitz beendet die Aktivitäten der Quo Vadis Veritas Stiftung. Die Rechercheplattform "Addendum" wird damit eingestellt.

Wenn der Gönner den Spaß an der Sache verliert, schauen die Geförderten durch die Finger. Diese Erfahrung mussten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Rechercheplattform Addendum am Dienstagnachmittag machen. Über eine knappe Presseaussendung wurde verkündet, dass die Aktivitäten der Quo Vadis Veritas Privatstiftung, mit welcher Addendum finanziert wird, eingestellt werden. Stiftungsinitiator und Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz dreht den Geldhahn zu, denn „trotz erheblichen Mitteleinsatzes und einer Reihe erfolgreicher und relevanter Rechercheprojekte“ sei es nicht gelungen, „die Zielsetzungen der Stiftung in ausreichendem Maß zu erfüllen“, heißt es vonseiten Red Bulls.

Quo Vadis Veritas („Wohin gehst du, Wahrheit“) wurde erst 2017 unter der Geschäftsführung von Michael Fleischhacker gegründet. Mit Addendum („Das Hinzufügende“) sollte eine investigativ-journalistische Plattform geschaffen werden, die jene Dinge aufgreift, die in den klassischen Medien zu kurz kommen würden. Erst Anfang der Woche wurde eine Recherche zur Heimlichtuerei um staatliche Großaufträge veröffentlicht. Solche Geschichten waren womöglich nicht ganz im Sinne des Milliardärs, denn „Mateschitz beabsichtigt, die von ihm unterstützten journalistischen Aktivitäten stärker auf lösungsorientierte Projekte jenseits der politischen Alltagsauseinandersetzungen zu konzentrieren“, so Red Bull.

57 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kostet die Auflösung nun den Job und das offenbar teilweise ohne Vorwarnung – so gaben einige ihre Verwunderung über das plötzliche Ende von Addendum auf Twitter preis. Dass Mateschitz nicht unbedingt auf nachhaltige Mitarbeiterführung setzt, zeigte sich schon, als er vor wenigen Jahren aufgrund einer potenziellen Betriebsratsgründung bei Servus TV das Aus des Senders in den Raum stellte. Wie Fleischhacker schon 2018 gegenüber dem Standard auf den Punkt brachte: „Ein Stifter hat jederzeit die Möglichkeit, seine Stiftung zu widerrufen, und er braucht das nicht einmal groß zu begründen.“ Die Wahrheit wird ziemlich sicher auch ohne Didis Kraftstoff weiterhin vorankommen – komfortabler war es mit bestimmt.