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Ende des Atomzeitalters

„Zurück zum Atom?" hieß vor wenigen Tagen ein Filmbericht im Deutschen Fernsehen. Kann es (nach Tschernobyl) noch ei- nen Glauben an die Nuklear- Energie geben? Wer bis jetzt noch irgendwie daran festhielt, wur- de nach dieser Sendung endgül- tig bekehrt.

Atomkraft ist out. Nicht im heruntergewirtschafteten Osten, sondern im hochindustrialisier- ten Westen droht das Ende des Nuklearen Zeitalters. Atom- strom, so wurde nachgewiesen, ist längst zur kostspieligen Ener- giequellegeworden. Immer neue - und notwendige - Sicherheits- auflagen machen AKW's ökono- misch allmählich unrentabel.

In den USA setzt man daher bereits auf energiesparende In- vestitionen, um sich den Bau wei- terer AKW's zu ersparen. Selbst den „atom-bewußten" Franzo- sen steckt Tschernobyl tief in den Knochen. Der weitere Aus- bau wird neu überdacht.

Und die Tschechoslowakei? Sie befindet sich in einer prekä- ren wirtschaftlichen und um- weltpolitischen Situation. Kein vernünftiger Mensch wird daher verlangen, die beiden Atommei- ler Dukovany und Bohunice von heute auf morgen auszuschalten.

Wenn aber die neue Prager Regierung - mit der nicht nur im Osten viele Hoffnungen ver- knüpft werden -trotz allem auf den weiteren Ausbau der Kern- energie setzt, erinnert dies an kommunistischen Zweckopti- mismus vergangener Tage. In einem Land, wo Energie bisher zu zwei Drittel vergeudet wurde, kann die Alternative nicht hei- ßen: entweder umweltvergiften- de Braunkohle oder Energie aus dem Reaktor. Langfristig kann sie wohl nur heißen: umweltscho- nender und sparsamer Energie- verbrauch. Hilfe und Technolo- gie aus dem Westen stehen ja bereit. Österreich Außenminister Alois Mock hat dazu acht Mil- liarden als Hilfe für den Ausstieg angeboten.

Seit Tschernobyl ist die Atom- angst grenzenlos. Auch wenn der tschechische Außenminister per- sönlich für die Sicherheit der CSFR-Reaktoren garantiert.

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