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Energie aus Biomasse

1945 1960 1980 2000 2020

Klagen über Agrarsubven-tionen, Fleisch- und Butterberge einerseits und über enorme Energieimporte andererseits: Könnten geeignete Maßnahmen Abhilfe schaffen?

1945 1960 1980 2000 2020

Klagen über Agrarsubven-tionen, Fleisch- und Butterberge einerseits und über enorme Energieimporte andererseits: Könnten geeignete Maßnahmen Abhilfe schaffen?

Daß beide Problembereiche miteinander zu tun haben, machte das jüngste Symposium der „Österreichischen Gesellschaft für Land- und Forstwirtschaftspolitik“ zum Thema „Energie aus Biomasse“ wieder einmal deutlich. (Gmunden, 13. bis 15. Oktober.) Inwiefern?

Derzeit ist die landwirtschaftliche Produktion fast ausschließlich auf die Herstellung von Nahrungsmitteln ausgerichtet (auch die Futtermittel dienen letztlich diesem Zweck). Das war nicht immer so — und müßte auch nicht so bleiben.

Vor der Einführung fossiler Brenn- und Treibstoffe sorgte die Land- und Forstwirtschaft im großen Stil für die Energieversorgung: Brennholz und Futtermittel für Zugtiere. Derzeit beziehen wir aber nur 8,5 Prozent unseres Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. Die heutige landwirtschaftliche Überproduktion und unsere Abhängigkeit von Energieimporten legen es nahe, die ursprüngliche Aufgabenstellung im ländlichen Raum wiederherzustellen.

Wo anzusetzen wäre, darauf wies Forstdirektor Walter Purrer hin: Die Jungwäldpflege, die Erstdurchforstung und die Anlage von rasch wachsenden Energiewaldflächen zur Brennholzgewinnung bietet sich an.

Die beiden ersten Maßnahmen sind für einen gesunden Wald ohnedies unerläßlich. Weil in den letzten drei Jahrzehnten außerdem viel aufgeforstet worden ist, könnte dabei eine große Menge an Brennmaterial gewonnen werden.

Allerdings hauen die derzeit niedrigen Rohölpreise alle Rentabilitätsberechnungen über den Haufen. So rechnete Ludwig Scharinger, Generaldirektor der Oberösterreichischen Raiffeisen-Zentralkasse, vor, daß sich Hackschnitzelheizungen erst bei einem Preis von 680 Schilling je Mega-wattstunde rentieren. Während auf der Basis von Heizöl leicht die Rentabilität schon bei 600 Schilling erreicht wird.

Dabei brächte eine Umstellung auf inländische Brennstoffe viele regionalpolitische Vorteile, wie Leopold Hofinger (oberösterreichischer Landesrat) vorrechnete: Mit einem Investitionsaufwand von drei bis fünf Milliarden Schilling könnten rund 1000 kleine Fernheizzentralen, die jährlich vier Millionen Kubikmeter Hackschnitzel verbrauchen, installiert werden. Sie könnten 100.000 Wohneinheiten mit Wärme versorgen.

Ihr Vorteil wäre, daß ihre Errichtung regional gestreut Arbeitsplätze nicht nur während der Bauzeit brächte: 2000 Menschen würden bei der Erzeugung von Hackschnitzeln und 500 bei Betrieb und Wartung der Heizwerke auf Dauer eingesetzt werden. Statt Abwanderung aus dem ländlichen Raum gäbe es regionale wirtschaftliche Impulse, statt Subventionierung von Exporten gäbe es inlandswirksame Förderung.

Die niedrigen Rohölpreise stehen auch allen Biosprit-Projekten im Wege. Das Konkurrenz-Argument ist aber nur teilweise stichhaltig. Denn einerseits ist absehbar, daß Erdöl in den nächsten 15 Jahren sogar bei ruhiger Entwicklung das Preisniveau von 1980 wieder erreicht haben wird, worauf Jörn Kaniak von der Energieverwertungsagentur hinwies.

Andererseits bleiben bei all den Konkurrenzüberlegungen die enormen Subventionen für Agrarprodukte unberücksichtigt:

„Kurzfristig würde bereits die Einsparung eines Teils dieser Mittel für eine heimische Äthanolproduktion sprechen...“, meinte der Ökonom Friedrich Schneider von der Universität Linz. Würde man außerdem Blei als Benzinzusatz endgültig verbieten, wäre auch eine entsprechende Nachfrage nach dem Ersatzprodukt Äthanol gegeben.

Wenig genützt wird derzeit ein Rohstoff, der in manchen Gegenden in großen Mengen anfällt: das Stroh. Einem Bericht von August Raggam von der Technischen Universität Graz zufolge gab es bei der Technik der Strohverbrennung in den letzten Jahren große Fortschritte. Sie ermöglichen die Entwicklung eines Projekts, bei dem der in einem Einzugsbereich von 100 Quadratkilometern anfallende Brennstoff Stroh für die Versorgung von 3000 Einfamilienhäusern mit Wärme sorgt. Die bei der Verbrennung von 15.000 Tonnen Stroh entstehende Asche soll als Dünger auf die Felder rückgeführt werden.

Volkswirtschaftlich gesehen sind alle diese Projekte sinnvoll. Sie schaffen Arbeitsplätze im ländlichen Raum, der sich entvölkert und dennoch Uberschüsse produziert. Sie leiten die landwirtschaftliche Produktion weg von subventionsbedürftigen Produkten zu Bereichen, bei denen Österreich allzu auslandsabhängig ist.

Diese vernünftige Umorientie-rung findet wegen zu niedriger Energiepreise derzeit nicht statt. Daher wurde auch bei diesem Symposium der Ruf nach einer geänderten Steuerpolitik laut: Belastung ausländischer fossiler Energieträger durch Steuern, die man etwa beim Einkommen einsparen könnte. Eine Anregung für die bevorstehende Steuerreform!

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