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Erfolge ohne Geheimnisse

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„Reaganomics” und „Thatcherismus” - zwei Wirtschaftsstrategien mit Steuer- und Ausgabensenkung auf den Fahnen. Warum scheint nur in den USA das Experiment zu funktionieren?

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„Reaganomics” und „Thatcherismus” - zwei Wirtschaftsstrategien mit Steuer- und Ausgabensenkung auf den Fahnen. Warum scheint nur in den USA das Experiment zu funktionieren?

Die konjunkturpolitischen Ziele, die „Thatcherismus” und „Reaganomics” festlegten, waren ähnlich: Reduktion der Inflationsrate, der Arbeitslosigkeit und des Budgetdefizits sowie ein befriedigendes Wirtschaftswachstum. Explizite Wechselkurs- oder Leistungsbilanzziele wurden nicht verfolgt. Mißt man die wirtschaftspolitischen Strategien der USA und Großbritanniens daran, ob und in welchem Ausmaß diese Hauptziele erreicht wurden, ergeben sich allerdings erhebliche Unterschiede.

Gemeinsam ist vorerst bei beiden Ländern der Erfolg bei Preisstabilisierung und Wirtschaftswachstum. Gravierende Unterschiede gibt es hingegen bei den anderen Entwicklungen.

Die Arbeitslosigkeit sank in den USA, während das Budgetdefizit Rekordwerte erreichte. Großbritanniens Arbeitslose wurden mehr, während das Budgetdefizit leicht zurückging.

Ebenso ist das Leistungsbilanzdefizit der USA deutlich angestiegen. In Großbritannien trat nur eine geringfügige Verschlechterung ein, die außerdem 1984 durch den Bergarbeiterstreik eindeutig verzerrt ist.

Die Zinsen gehen in den USA leicht zurück. In Großbritannien erreichten sie im Februar die höchsten Werte seit 150 Jahren.

Der Wechselkurs des Dollar ist in den letzten Jahren sehr stark gestiegen, der des Pfund Sterling dagegen stark gefallen. (Das Pfund nähert sich dem Dollar an, sodaß man schon von einer Pfund-Dollar-Parität spricht.)

Zwei Gründe, die eng miteinander in Verbindung stehen, bewirkten diese unterschiedlichen Entwicklungen: die verschiedene Gewichtung der einzelnen fiskal-und geldpolitischen Maßnahmen und eine unterschiedliche Wirtschaftsstruktur.

Aus konjunkturpolitischer Sicht sind „Reaganomics” und „Thatcherismus” gemischte Strategien. Angebotsorientierte Wirt-schaftstheorien und Monetaris-mus sind zwar theoretische Leitlinien, werden aber immer wieder durch traditionelle Nachfragepolitik und/oder traditionelle, nicht monetaristische Geldpolitik ergänzt oder durchbrochen. Eine Zuordnung der wirtschaftspolitischen Erfolge und Mißerfolge in den USA und in Großbritannien zu angebotsorientierten und monetaristischen Strategien ist aus diesem Grund fast nicht möglich. Beide haben versucht, Steuern zu senken und Ausgaben zu kürzen. Die Unterschiede sind deshalb aufgetreten, weü in den Vereinigten Staaten das Schwergewicht auf der Steuerentlastung ruht. Eine kräftige Steigerung des staatlichen Haushaltsdefizits wird dabei in Kauf genommen.

In Großbritannien ist dagegen die Haushaltskonsolidierung ein ebenso wichtiges Ziel, das aber mit den Steuerentlastungen in Konflikt gerät.

Auch was die Geldpolitik betrifft, gibt es markante Unterschiede zwischen den beiden Ländern. In Großbritannien war die Geldpolitik etwas restriktiver als in den USA, ohne eine strenge Regelbindung an einen bestimmten Geldmengenbegriff.

Die Bedeutung von „Reaganomics” und „Thaterchismus” erschöpft sich nicht nur in der Konjunkturpolitik. Sie haben beide auch die Funktion einer Ordnungspolitik. Die Betonung freier unternehmerischer Entscheidungen als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung war für beide Konzepte eine wirtschaftspolitische Notwendigkeit.

In beiden Ländern kam es in den siebziger Jahren zu einem merklichen Nachlassen der wirtschaftlichen Dynamik. Während dieses Phänomen in den USA zyklische Ursachen haben dürfte, erlebt Großbritannien seit Jahren eine schwere Krise, die sich in überalteten Strukturen, Ineffi-zienz und sozialen Konflikten äußert.

Die ordnungspolitischen Aspekte von ,3eaganomics” und „Thatcherismus” sind aber für

Großbritannien wichtiger als für die USA. Deregulierung und Re-privatisierung sind eine unabdingbare Voraussetzung für die Modernisierung der britischen Wirtschaft. Solange sich aber die Verhaltensweisen der britischen Arbeitnehmer und des Managements nicht den Bedingungen einer Wettbewerbswirtschaft anpassen, sind alle Experimente für Großbritannien sehr gef ährlich.

Gefährliche Politik

Die harte Haltung Margaret Thatchers gegenüber den Bergarbeitern ist ein solches Experiment, weü es auch mit großem sozialen Leid verbunden ist. Trotzdem dürfte sich Großbritannien auf dem richtigen Weg befinden. Die Prognosen der OECD für dieses Land sind gut. Das einzige Problem besteht darin, daß Margaret Thatcher weiterhin in der Gunst der Briten sinkt und ihr Experiment unter Umständen steckenbleibt.

Die USA dagegen sind wirtschaftlich gesund. Das Land kann sich Experimente leisten, die Gefahren in sich bergen wie das enorm hohe Defizit und der hohe Dollarkurs. Die Erfahrung wird zeigen, ob es in Zukunft gelingen wird, die Defizite, die ohne Zweifel die US-Wirtschaft vorübergehend stimulierten, wieder abzubauen. Denn auch für eine gesunde Wirtschaft wie die amerikanische, dürfte die hohe Verschuldung langfristig negative Auswirkungen haben.

Der Autor ist Referent der Wissenschaftlichen Abteilung der Bundeswirtschaftskammer. Der Beitrag ist die gekürzte Fassung eines Vortrages bei der Studientagung „Internationale Strategien für den Wirtschartsaufschwung'' in der Politischen Akademie.

Südeuropahandel wieder im Aufwind

Österreichs Exporte nach Südeuropa wuchsen 1984 um 14,9 Prozent und erreichten mit 47,2 Milliarden Schilling einen AnteU von 15 Prozent an den österreichischen Gesamtexporten.

Besonders erfolgreich waren unsere Exporteure in Italien und in der Türkei. In das südliche Nachbarland wurden die Ausfuhren um fast 20 Prozent auf 29,5 Milliarden Schilling erhöht. Die Steigerungsrate in die Türkei betrug 35 Prozent. Damit wurde 1984 die 2,3-Müliarden-Grenze überschritten.

Ein leichter Rückgang um 4,6 Prozent auf 1,84 Milliarden Schü-ling mußte lediglich bei den Ausfuhren nach Griechenland hingenommen werden.

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