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Erneuerung beginnt in den eigenen Reihen

Von allen drei im Nationalrat vertretenen Fraktionen wird die FPÖ nach den Wahlen vom 6. Mai zweifellos die ausgiebigste Blutauffrischung erfahren. Von den 1975 bereits gewählten zehn Mandataren werden sicher fünf, wahrscheinlich sogar ein sechster (Georg Hanreich), nicht mehr dem Nationalrat angehören. Die Freiheitlichen scheinen also die von Alexander Götz ausgegebene Parole von der „Erneuerung“ vorerst zumindest in den eigenen Reihen in die Tat umzusetzen.

Der Kärntner Arzt Otto Scrinzi, der steirische Bauernvertreter Othmar Meissl sowie Albert Schmidt (Wien) und Werner Melter (Vorarlberg) nehmen, formal gesehen, mit dem Datum der Konstituierung des nächsten Nationalrates ihren Hut. Schon während der Legislaturperiode wurde' bekanntlich der frühere FPÖ-Wehrsprecher Gustav Zeillin-ger, der Mitte 1977 zum staatlichen Ombudsman aufgerückt ist, durch seinen Salzburger Landsmann Friedhelm Frischenschlager ersetzt.

Ob darüberhinaus auch der niederösterreichische FPÖ-Abgeordnete Georg Hanreich Abschied vom Parlament nehmen wird, ist noch nicht ganz klar. Schon vor gut zwei Jahren, als er mit seinem Unternehmen in Schwierigkeiten geraten war, schien seine Ablöse besiegelt zu sein. Inzwischen macht sich Hanreich wieder konkrete Hoffnungen, auf einen sicheren Listenplatz zu kpmmen. Vermutlich dürfte aber Niederösterreichs Landesparteiobmann Harald Ofner doch stärker sein, der selbst ein Mandat in Anspruch nimmt und in seinem Bestreben den stärkeren Teil der Partei hinter sich zu haben scheint. Als möglicher Ausweichkandidat ist auch der Bauer Sepp Hintermayer im Gespräch.

Daß in der Steiermark der Grazer Bürgermeister Alexander Götz den Spitzenplatz übernommen hat, war mehr oder minder klar. Mit ihm an der Spitze haben die Steirer nun die Chance, ein zweites FPÖ-Grund-mandat zu machen, das an FPÖ-Ge-neralsekretär Helmut Krünes fallen würde. Er kandidiert direkt hinter Götz auf Platz 2 der steirischen Liste.

In Kärnten fiel der Spitzenplatz der FP-Liste an . Landesparteisekretär Jörg Haider, der gemeinsam mit dem Wiener Parteiobmann Norbert Steger und dem Neuling aus Vorarlberg, Walter Grabher-Mayer, stark zur Verjüngung des FPÖ-Klubs im Nationalrat beitragen wird. Die meisten der neu hinzukommenden FPÖ-Natio-nalräte sind persönlich gut befreundet, auch der nicht mehr ganz neue Salzburger Friedhelm Frischenschlager gehört zu dieser Gruppe.

An der FPÖ-Liste für die nächsten Jahre fällt auf, daß vorerst keine Bauern an wählbaren Stellen sind. Lediglich in Niederösterreich, wo die entsprechenden Beschlüsse noch gefaßt werden müssen, hat Sepp Hintermayer eine geringe Chance. Wahrscheinlicher ist, daß die FPÖ im Wahlkreisverband West ein zusätzliches Restmandat macht, das an den steirischen Bauern Gerulf Murer fallen dürfte, der bereits 1975 mit einem Fuß im Parlament stand.

DerFPÖ-Klub wird auch weiterhin frauenlos bleiben. Noch am besten (aber dennoch aussichtslos) plaziert scheint die Kärntnerin Kriemhild Trattnig, die hinter Haider auf Platz 2 gereiht ist

Entgegen den Beurteilungen von SPÖ- und'ÖVP-Seite schätzt FPÖ-Generalsekretär Helmut Krünes die derzeitige Position der FPÖ eher hoch ein. Die SPÖ halte bei etwa 48 Prozent, die ÖVP bei 42 bis 43, für die FPÖ würden sich zur Zeit 7,5 Prozent der Wähler entscheiden. Diese Krü-nes-Rechnung würde im Klartext bedeuten, daß die der SPÖ fehlenden Stimmen praktisch zur Gänze der FPÖ zugute kämen. Für viele von der SPÖ enttäuschte Wechselwähler gewinne die FPÖ im Vergleich zur ÖVP stärker an Attraktivität, gibt sich Krünes zuversichtlich.

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