Mein erster Schulausflug ging 1977 an den Neusiedlersee, wo wir eine Bootsfahrt von Mörbisch nach Illmitz und zurück machten. Damals fror der See im Winter oft zu und wir gingen im Schilfgürtel Schlittschuh laufen. Der See ist für meine immer noch kindliche Sicht auf ihn eine Konstante, etwas Bleibendes, Ewiges. Dass das nicht stimmt, zeigen seine Wasserschwankungen, besonders die völlige Austrockung von 1864 bis 1871. Die Austrockung war damals vom Menschen erwünscht. In der salzigen Zick wurde vor allem Reis angebaut. Und es mag heute schockieren, dass die Pläne für die Ableitung und Austrockung des Neusiedlersees erst 1945 enden. Kaiser Galerius wollte schon um 308 n. Chr. den See in die Donau ableiten. Fürst Nikolaus Esterházy der Vierte hielt ihn im Jahr 1918 als Gewässer für bedeutungslos. Immer wieder wollte man einen kleinen Teil des Sees erhalten, den restlichen Teil und den Schilfgürtel aber trockenlegen; doch alle menschlichen Pläne scheiterten. Zum Glück! Ob die aktuelle Idee, dem See Wasser zuzuführen, richtig ist, ob man überhaupt genug Wasser zuführen kann und ob man mit so viel Süßwasser das biologische Gleichgewicht des Neusiedlersees nicht gefährdet, kann ich nicht sagen. Auch nicht, ob es überhaupt menschliche Bemühungen braucht, ihn zu erhalten. Der See hat sich in den Jahrhunderten als unkontrollierbarer erwiesen, als der Mensch das haben wollte. Er ist aber auch ein wichtiges und einzigartiges Stück Landschaft, das niemand gern verlieren möchte. Und man muss einer bitteren Wahrheit ins Auge sehen: Der CO2-Ausstoß ist in Österreich in den letzten zehn Jahren nicht nur nicht reduziert worden, sondern um mehr als zehn Prozent gestiegen. Trend weiter ansteigend.

Der Autor ist Schriftsteller.

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