Die Gewehre der Frau Carrar

1945 1960 1980 2000 2020

Sag mal, was ist denn mit deinem Pazifismus los?, fragt Lydia Mischkulnig.

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Sag mal, was ist denn mit deinem Pazifismus los?, fragt Lydia Mischkulnig.

Als mir am Muttertag folgende Fragen durch den Kopf schossen, wurde ich temporär wieder zur Pazifistin: Wie viele ukrainische Mütter seien gegen den Krieg? Wie viel weniger Applaus hätte der ukrainische Präsident, wäre er Schauspieler geblieben? Soll ich Narzissmus unterstützen? Die rüstungsindustriell ergiebigen Waffenlieferungen befürworten? Für die an Bodenschätzen furchtbar reiche und fruchtbare Ukraine?

Nach einem Vortrag über die Kärntner Partisanen neigte ich zu einem Ja. Die Zukunft des österreichischen Nationalstaates wurde auf der Halbinsel Krim 1943 ausverhandelt, Bedingung: Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Der Räuber der Krim des Jahres 2014 ist in die Knie zu zwingen, mitsamt russischem Faschismus, weshalb bewaffneter Widerstand der Ukraine unterstützt werden muss.

Sehe ich im TV die Banner der Asow-Truppe, die in Mariupol aufgerieben wird, mit ihren SS-Runen, frage ich: Was bringen Rechtsextremisten zukünftig Europa? Zustimmung für Waffenlieferungen und dann Umerziehung! Die Nachrichten sind mit eingängigen Bildern der Braut ohne Beine, dem Soldaten ohne Gesicht illustriert.

Beherzt schreibe ich: Krieg vernichten! Briefe werden abgeschickt. Kriegsbegeisterung wird als Vorwurf erhoben, die Belehrung nachgereicht: Die Ukraine könne nicht gewinnen, also Waffen nieder, gleichzeitig sei zu hoffen, dass man sich irre.

Sag mal, was ist denn mit deinem Pazifismus los?, frage ich Freund Markus Kupferblum beim Frühstück. Ich bin frappiert, aber die Vernunft verlangt Waffen gegen die Diktatur von Erpressern. So bin ich auch nicht kriegslüstern, von außen betrachtet nur den Feuerwalzen sozioökologischer Prioritäten dieses Planeten unterworfen.

Man hätte Putin schon früher die Stirn bieten müssen. Kriegsgenötigte müssen sich wehren dürfen.

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