Die Queen: Bis zuletzt sattelfest

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Über die Pferdepassion der verstorbenen Elizabeth II.

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Über die Pferdepassion der verstorbenen Elizabeth II.

Wenn mich etwas für die britische Monarchie einnimmt, dann sind es die Pferde. Die Bedeutung, die ihnen in deren Repräsentation nach wie vor zukommt, verdankt sich dem landestypischen Festhalten am Althergebrachten.

Elizabeth II. als oberste Pferdenärrin der Nation hatte wahrlich ihren Anteil daran: als Züchterin von Vollblütern für Galopprennen – stolze 1800 Siege hat ihr Stall zu verbuchen – sowie von seltenen britischen ­Ponyrassen, als treue Besucherin der großen klassischen Rennen und vor allem als Reiterin. Bis 1986 nahm die Königin die „Trooping the Colour“-Parade zur Feier ihres Geburtstags im Sattel ab, in der roten Uniform der „Coldstream Guards“ und, wie ihre Namensvetterin auf dem österreichischen Thron, natürlich im Damensitz.

Die Queen gestattete sich da aber sogar einen Bruch mit der Tradition, als sie den Schimmel des Souveräns gegen die Rappstute Burmese vertauschte, die sich selbst nach der Schreckschuss-Attacke eines Zuschauers von ihrer Reiterin bändigen ließ. Als Elizabeth mit ­sechzig für ­„Trooping the Colour“ auf eine Kutsche umstieg, sprach man überall von Altersgründen – ich war enttäuscht. In Wahrheit war es aber Burmese, die nach achtzehn Jahren pensioniert wurde. Die Queen änderte damit zwar ihren offiziellen Habitus abrupt von der jugendlich schlanken Amazone zur leicht behäbigen Matrone, doch privat gab sie, die mit drei zum ersten Mal im Sattel saß, das Reiten nicht auf.

Es gibt Fotos von der 95-Jährigen beim Ausritt in Windsor, wie stets mit Kopftuch. Die letzten Bilder einer strahlenden Elizabeth stammen von der „Royal Windsor Horse Show“ im Mai dieses Jahres. Als es im Juni hieß, die Queen würde nicht nach Epsom kommen, war das Ende schon zu ahnen: Nur zweimal, 1956 wegen eines Staatsbesuchs und 1984 wegen des D-Day-Gedenkens, hatte sie das Derby versäumt.

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin.

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