Du wirst gefressen

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Über die Bundespräsidentenwahl.

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Über die Bundespräsidentenwahl.

Sieben Männer stellen sich der Wahl zum Österreichischen Bundespräsidenten 2022. Sieben Männer bekunden, dass unser Land auf den Gebieten Gleichberechtigung von Mann und Frau, Demokratisierung und Ökologisierung seit mehr als fünfunddreißig Jahren nur Rückschritte zu verzeichnen hat. Aus allen rechtspopulistischen Krähwinkeln treten bei jeder Bundespräsidentenwahl neue Faktoten der Untergrabung der Demokratie hervor. Diesmal besonders pikant, dass die Kronen Zeitung, die trotz heftiger Werbung Norbert Hofer 2016 nicht zum Bundespräsidenten machen konnte, nun mit eigenem Kandidaten antritt. Endlich demonstriert dieses Unternehmen nun selbst in aller Klarheit, dass es nicht daran interessiert ist, über Politik zu berichten, sondern selbst Politik machen will. Der amtierende Präsident Van der Bellen muss sich und seinem Parteifreund Rudolf Anschober, der sich als überzeugter Anti-Populist nach seinem Ausscheiden aus der Politik sofort entschloss, Kolumnist der Kronen Zeitung zu werden, nun eingestehen, dass auch das populistische Kuschen vor der Boulevardpresse kein Schutz davor ist, von ihr angegriffen zu werden. Wenn du dich kaufen lässt, wirst du gefressen! Österreich hat längst ein Problem, aber wie es zu diesem Land passt, hat es dieses Problem über Jahrzehnte verleugnet, totgeschwiegen. Demokratisch Gesinnte werden – wie bei den Stichwahlen des Jahres 2016 – Van der Bellen wählen. Das wird aber keine Zustimmung für sein Appeasement und seine Verharmlosung von Populismus und Demokratiefeindlichkeit sein. Es gilt die Rolle des Bundespräsidenten in Zukunft neu zu überdenken, wie das der Grüne Abgeordnete Johannes Voggenhuber schon in den Neunzigerjahren ausgesprochen hat. Und es gilt die Demokratie zu verteidigen – mit immer knapperer Mehrheit.

Der Autor ist Schriftsteller.

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