Pirker macht Hoffnung

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Der Wiedereinstieg des Medienmanagers hat Vorbildwirkung.

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Der Wiedereinstieg des Medienmanagers hat Vorbildwirkung.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, ich habe es selbst erlebt." So zitierte Reinhold Mitterlehner Hermann Hesses "Stufen" zur Einführung von Christian Kern. Kaum jemand ist berufener für dieses Urteil als "Dead Django Walking" in Erwartung von Sebastian Kurz. Noch aber wirkt der Neustart-Bonus. Minister Thomas Drozda genügte sinngemäß ein "Ich habe verstanden", um Hoffnung auf sinnvollere Medienförderung keimen zu lassen. Doch die Karawane zog längst weiter ans Wadi ORF, zum großen Basar über den neuen Hüter der öffentlich-rechtlichen Oase. Der wird am 9. August wieder Alexander Wrabetz oder erstmals Richard Grasl heißen, aber erst am 15. September wird sein Team fixiert.

Der öffentliche Diskurs um diese politische Besetzung überlagert aktuell wichtigere Entwicklungen auf dem Medienmarkt. Die Sensation, dass ein Manager Österreichs größten Magazinverlag kauft, blieb daneben bloß ein Experten-und Eliten-Thema. Doch die Branchennachricht des Jahres hat nichts mit dem ORF zu tun, sondern ist Horst Pirkers Mehrheitsübernahme an der News-Gruppe. Dabei spielt es keine Hauptrolle, wie viel oder wenig er den Vorbesitzern aus dem deutschen Bertelsmann-Konzern dafür zahlen muss. Wichtiger erscheint das Signal: Hier glaubt einer wirklich an das, was er tut - Medien machen. Diese Steigerung vom Bekenntnis-Mut zum Unternehmer-Risiko ist beispielhaft. Horst Pirker hat Vorbildwirkung, weil er als einer der fähigsten Medienmanager im deutschsprachigen Raum gilt. Die Branche muss ihm für die positive Zeichensetzung in Wien so dankbar sein wie Mathias Döpfner in Berlin. Der Chef des Axel Springer Verlags hat um 13,5 Millionen Euro Aktien gekauft - an jenem Unternehmen, dessen höchstrangiger Angestellter er ist. Die wahren Hoffnungsträger der krisengeschüttelten Medienszene sind nicht Politiker, sondern ihre eigenen Spitzenvertreter.

Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst.

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