Sie sind im Aufbruch, die nicht immer Reichen und nicht immer Schönen. Sie brechen am Wörthersee ihre sommerlichen Party-Zelte ab. In den Hotels und Pensionen wird ­ihre Wäsche gewaschen, anderswo möglicherweise das Geld für neue, umweltbedrohende Projekte. Der Lärm der Bau­maschinen setzt ein. Der See wird am Südufer mit fantasielosen, meist grauen und gleichförmigen Reihenhäuschen zugebaut. Kein Fleckchen Natur entgeht dem Zugriff nimmersatter Inves­toren und Politiker. Gebaut muss werden, immer weiter gebaut, sonst wird der Geldhahn abgedreht. Zweitwohnungen, auch wenn sie leer stehen sollten. Architektonische Verfehlungen sonder Zahl nach dem Motto „Gier ist geil“. Verträumte Parks mit Teichen hinter dem Schloss Velden und elegante Villen und Hotels in der Bucht wurden durch Zu- und Neubauten entstellt oder vernichtet. Ein paar Erinnerungen an die Welt von gestern gibt es noch. In Auen etwa das Haus von Alban Berg, hinter dem auf einer Tafel im Wald vor allem darauf hingewiesen wird, er wäre an Furunkulose gestorben, oder die berühmte Villa Ast von Josef Hoffmann, die hinter Hecken kaum noch zu sehen ist. Das Sommerdomizil von Johannes Brahms in Pörtschach wurde vor zwei Jahren brutal abgerissen; an Gustav Mahler in Maiernigg erinnert noch sein „Komponierhäuschen“. In Velden tobt in der Hochsaison der Zeitgeist. In der lebensbedrohenden Begegnungszone ­findet sie statt, die Verschmelzung von Mensch und auffrisierten Motoren, von Schweiß und Benzingestank und der, von der Schönheitschirurgie zusammengeflickten, lustvoll begafften Schickeria. Im nahen Rosental, in der Galerie Walker in Schloss Ebenenau, erinnert Deborah Sengl in köstlich ironischen Exponaten daran, wohin das, in der Sage zumindest, führt. Die geldgierige, einzig dem Wohlstand verpflichtete Gesellschaft verspottete in grauer Vorzeit ein Mandl. Aus einem kleinen Fass, das es in seinem Arm trug, ergossen sich die Fluten des Wörthersees. In Sengls Version ertrinkt die High ­Society in Stock-Rum.

Der Autor ist freier Journalist

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