Federspiel

Wille und Weg

1945 1960 1980 2000 2020

Über Beherztheit im (Post-)Corona-Kulturbetrieb.

1945 1960 1980 2000 2020

Über Beherztheit im (Post-)Corona-Kulturbetrieb.

Man muss der Präsidentin der Salzburger Festspiele Respekt zollen für ihr geradezu störrisches Festhalten an der Durchführung eines internationalen Festivals im ­(Post-)Corona-­Sommer. Dazu gehört Mut ebenso wie Langmut (die Politik hat sich bekanntlich Zeit gelassen mit der Bekanntgabe der Spielregeln) und die Bereitschaft, die Mühen der Neuorganisation auf sich zu nehmen.

Weder die Macher der Bregenzer noch die der Bayreuther Festspiele hatten diese Courage. Wie es im Hochsommer weitergeht, kann niemand wissen, bei aktuell 469 Corona-Kranken von nahezu neun Millionen Einwohnern ist Normalisierung jedoch dringend angezeigt. Auf ihrer Homepage werben die Salzburger Festspiele mit einem Hofmannsthal-Zitat: „Wo der Wille nur erwacht, dort ist schon fast etwas erreicht.“ In einigen wenigen gesellschaftlichen Bereichen befindet sich der Wille noch im Tiefschlaf: an den Universitäten vor allem, wo nach wie vor keine Präsenzlehre angeboten wird und Studentinnen und Studenten als offenbar besonders gefährliche Spezies Hausverbot haben, nicht einmal mündliche Prüfungen sind erlaubt.

Anderswo ist es der Einspareffekt, der den Aufenthalt im virtuellen Raum verlockend macht, obwohl eine Veranstaltung touristisch umwegrentabel wäre. Der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb wird heuer – nach dem Versuchsballon einer Totalabsage – als eine Art digitaler Klon über die Bühne gehen: Im Klagenfurter Studio tritt nur der Moderator auf, die Mitglieder der Jury sitzen zu Hause mit einer ORF-Kamera und diskutieren online live, die Lesungen werden im Vorfeld aufgezeichnet, das Publikum ist nur via Fernsehen und Internet zugelassen. Dass der Bewerb, wie die Landesdirektorin verlautbaren lässt, diesmal virtuell stattfindet, „um überhaupt stattfinden zu können“, stimmt nicht – wäre sie beherzt gewesen, wäre er jetzt sogar in der alten Form möglich.

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin.

Man muss der Präsidentin der Salzburger Festspiele Respekt zollen für ihr geradezu störrisches Festhalten an der Durchführung eines internationalen Festivals im ­(Post-)Corona-­Sommer. Dazu gehört Mut ebenso wie Langmut (die Politik hat sich bekanntlich Zeit gelassen mit der Bekanntgabe der Spielregeln) und die Bereitschaft, die Mühen der Neuorganisation auf sich zu nehmen.

Weder die Macher der Bregenzer noch die der Bayreuther Festspiele hatten diese Courage. Wie es im Hochsommer weitergeht, kann niemand wissen, bei aktuell 469 Corona-Kranken von nahezu neun Millionen Einwohnern ist Normalisierung jedoch dringend angezeigt. Auf ihrer Homepage werben die Salzburger Festspiele mit einem Hofmannsthal-Zitat: „Wo der Wille nur erwacht, dort ist schon fast etwas erreicht.“ In einigen wenigen gesellschaftlichen Bereichen befindet sich der Wille noch im Tiefschlaf: an den Universitäten vor allem, wo nach wie vor keine Präsenzlehre angeboten wird und Studentinnen und Studenten als offenbar besonders gefährliche Spezies Hausverbot haben, nicht einmal mündliche Prüfungen sind erlaubt.

Anderswo ist es der Einspareffekt, der den Aufenthalt im virtuellen Raum verlockend macht, obwohl eine Veranstaltung touristisch umwegrentabel wäre. Der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb wird heuer – nach dem Versuchsballon einer Totalabsage – als eine Art digitaler Klon über die Bühne gehen: Im Klagenfurter Studio tritt nur der Moderator auf, die Mitglieder der Jury sitzen zu Hause mit einer ORF-Kamera und diskutieren online live, die Lesungen werden im Vorfeld aufgezeichnet, das Publikum ist nur via Fernsehen und Internet zugelassen. Dass der Bewerb, wie die Landesdirektorin verlautbaren lässt, diesmal virtuell stattfindet, „um überhaupt stattfinden zu können“, stimmt nicht – wäre sie beherzt gewesen, wäre er jetzt sogar in der alten Form möglich.

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin.