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Digital In Arbeit

Floppy-Disk und Tele-Box

Die Informationsflut von heute kann mit traditionellen Mitteln wie Büchern, Zeitschriften — allgemein Druckwerk — nur mehr sehr schwer bis gar nicht verteüt werden. Auch die traditionellen Selektionsmechanismen sind ihr nicht mehr gewachsen. Dieses Problem spitzt sich auf die Forderung zu: Um Wissen zu erlangen, müssen aus der Informationsfülle Nachrichten zweckorientiert selektiert und muß auf diese möglichst rasch zugegriffen werden. Alle angebotenen technischen Informationssysteme sollen dabei behilf lich sein und haben ihre Stärke entweder in solchen Selektionsmechanismen oder/und in der Ubertragungsgeschwindigkeit.

Im folgenden ein Uberblick: • Selektionshilfen: „Wissen“ wurde traditionell auf Papier gebannt. Uber Inhaltsverzeichnisse beziehungsweise Stichwortverzeichnisse konnte der Benutzer selektiv zugreifen. War dies nicht möglich, mußte er bei der Gesamtdurchsicht selektieren. Zweifellos hat diese Methode den Vorteil, daß bestimmte Zusammenhänge bei dieser Durchsicht auffallen, nachteilig sind die geringe Zweckorientiert-heit und der große Zeitbedarf.

Elektronische Datenbanken verwenden magnetische beziehungsweise optische Speichermedien, wobei der Vorteil unter anderem in der großen Informationsdichte liegt. Auf einer sogenannten Floppy-Disk (austauschbare Magnetscheibe zur Datenspeicherung in einem Computer) zum Beispiel können 100 bis 1.000 A-4-Seiten gespeichert werden, eine Fixplatte eines Personal Computers kann 10.000 bis 100.000 Seiten aufnehmen, und eine als Datenspeicher verwendete Compakt-Disk kann mehr als eine 24bändige Enzyklopädie abspeichern.

Naturgemäß müssen Daten aber auch ausgetauscht werden. Dieser Bedarf kann einerseits daraus entstehen, daß eine Person einer anderen Informationen geben will, oder, daß man mit oder ohne Zwischenschaltung einer Person selektierte Informationen aus einer räumlich entfernten Datenbank bekommen möchte. Dadurch besteht der Bedarf nach Telekommunikation:

In Osterreich steht das Recht, Fernmeldeanlagen zu errichten und zu betreiben, gesetzlich dem Bund zu, der dieses Recht durch eine eigene Behörde, die „Fernmeldebehörde“, ausübt. Neben den traditionellen .Postdiensten“ wie dem Briefverkehr, der einen Großteü des Nachrichtenaustausches ausmacht, werden von der Post auch Trägerdienste und Te-le(matik)dienste angeboten.

Die Trägerdienste sind Uber-tragungskanäle (meist Leitungen mit bestimmten technischen Eigenschaften), die dem Verwender zur Nachrichtenübertragung gegen Gebühren zur Verfügung gestellt werden. Ein Großteü der Trägerdienste ist zu Netzen zusammengeschlossen, so daß Nachrichtenübertragung zu verschiedenen Empfängern möglich ist, wie zum Beispiel beim Telefonnetz.

Die Tele(matik)dienste sind technische Systeme, die über die Kanäle Nachrichten derart verändern, daß sie übertragen werden können. Beim Empfänger werden sie dann wieder in die ursprüngliche Form rückgewandelt. Hier eine Kurzbeschreibung der Trägerdienste:

Das Telefonnetz ist das größte Netz (weltweit über 500 Millionen Sprechstellen), aber sehr veraltet. Für die Datenübertragung kann dieses Netz herangezogen werden, nur ist die Fehlerwahr Scheußlichkeit relativ groß und nimmt bei höheren Geschwindigkeiten zu (Störgeräusch in der Leitung). Ubertragungsgeschwindigkeiten von 30 bis 240 Zeichen (Buchstaben) pro Sekunde sind vertretbar. Der Kommunikationspartner kann automatisch beziehungsweise manuell (aus)gewählt werden. Das Telefonnetz ist ein großes Netz (weltweit gibt es 1,7 Millionen Teilnehmer) und zur langsamen Übertragung (zirka fünf Zeichen in der Sekunde) von formlosen Schriftstücken geeignet.

Datexnetze sind Netze zur ausschließlichen Übermittlung von Daten. Die Geschwindigkeit der Übermittlung liegt zwischen 30 bis 1.000 Zeichen pro Sekunde. Beim sogenannten L-Netz werden Leitungen zwischen den Kommunikationspartnern vermittelt, beim P-Netz müssen die Daten in Paketen gestückelt (je zirka 100 Zeichen) und mit „Adresse, Absender und Nummer“ versehen werden. Dann übernimmt das Netz (mit garantierter maximaler Wartezeit von rund 0,1 Sekunde) die Übertragung. Sowohl die Sende- als auch die Empfangsgeräte übernehmen die Stückelung und setzen das .Puzzle“ wieder zusammen.

DS 64 sind neue (seit Herbst 1987) digitale Stromwege für Ubertragungsgeschwindigkeiten von etwa 6.400 Zeichen pro Sekunde.

Warum wird eigentlich dieser Aufwand mit den Leitungen betrieben?

Leitungen sind in der Herstellung (Verlegung, Wartung und so weiter) teuer. Sie nützen sich durch den Gebrauch nicht ab. Der Betreiber dieses Leitungsnetzes muß daher versuchen, sie möglichst hoch auszulasten. Die teuerste Verbindung ist daher eine fixe Leitung, weniger teuer ist die Wählleitung, da sich mehrere Teilnehmer diese Leitung (oder TeUe dieser Leitung) teüen. Noch günstiger ist die Paketvermittlung, denn der Netzbetreiber kann die Pakete nach seiner Wahl (je nach Auslastung) vom Sender zum Empfänger verschicken.

Die praktische Anwendung der Teledienste sieht folgendermaßen aus: Der Fernsprechdienst ist zur Übertragung von akustischen Signalen zwischen Menschen gedacht. Werden Daten (durch Modems) in Töne umgewandelt, können diese über das Telefonnetz übertragen werden. Damit ist es möglich, daß Computer Daten austauschen, wobei Geschwindigkeiten von einer halben bis zwei Zeüen pro Sekunde möglich sind. Daher eignet sich der Datenaustausch primär für Terminals (Menschen-Maschine-Schnittstelle). Größere Datenmengen wie eine ganze Diskette voll Daten (zirka 360.000 Zeichen) benötigen mehr als eine Stunde zur Datenübertragung über das Telefonnetz. Daher ist es sinnvoll, daß die Datenselektion bereits beim Senden der Daten erfolgt. Ein Anwendungsbeispiel sind Tele-Bo-xen. Sie können als Datenbanken, als Bestellsysteme und Kommunikationssysteme (Nachrichten werden für andere hinterlegt) verwendet werden.

Der Fernschreibdienst (Telex) ist ein altes und großes System zum Austausch von formlosen Schriftstücken. Sein Vorteü hegt in der großen Verbreitung, er ist aber technisch weitgehend überholt. Für den Austausch von kurzen schriftlichen Nachrichten wird ausschließlich dieses System verwendet.

Teletex ist ein Telematikdienst, ähnlich dem Fernschreibdienst, mit dem Vorteü der höheren Ubertragungsgeschwindigkeit (30mal schneller als Telex) und der Möglichkeit, Schriftstücke in der äußeren Form ähnlich einer elektrischen Schreibmaschine übertragen zu können. Damit bleibt die Form eines Geschäftsbriefes gewährleistet. Nachteilig wirkt sich die geringe Verbreitung dieses Dienstes aus (zirka 1.500 Teletex- gegenüber rund 26.000 Telexteilnehmern Ende 1986 in Österreich), der aber durch Umstiegsmöglichkeiten von Teletex zu Telex entschärft wurde. Als Teletex-Gerate können auch Personal Computer (PC) mit entsprechenden Zusatzgeräten verwendet werden.

Die Idee von Bildschirmtext (BTX) ist, ein einfaches Datenterminal (mit Fernsehgerät als Büdschirm) und das Telefonnetz als Datennetz dem Benutzer kostengünstig zur Verfügung zu stellen. Daten können vom Benutzer kostenlos beziehungsweise kostenpflichtig abgerufen oder nur bestimmten Personengruppen (mit Codes abgesichert) zugänglich gemacht werden. Rechenzentren können angeschlossen werden, wodurch auch Rechenleistungen über dieses System verteüt werden können (Überweisungsverkehr, Kontoabfragen, Bankdienste). BTX wurde 1981 in einem Püotversuch in Österreich eingeführt und hat heute etwa 8.300 Teilnehmer.

Teletex und BTX sind übrigens nicht mit Teletext zu verwechseln. Bei Teletext, einem Dienst von Ferhsehanstalten, werden neben dem Fernsehbüd Textseiten mitgesendet, die von dafür vorgesehenen TV-Geräten abgerufen werden können.

Mit Telefax (Fernkopierer) können Büder (Texte) in der Größe einer A-4-Seite in zirka 15 Sekunden fernkopiert werden. Telefax ist bei der Übermittlung von Zeichnungen zur Zeit konkurrenzlos, wird heute aber auch immer mehr bei der Übermittlung von Schriftstücken angewendet. (In Osterreich sind derzeit 3.500 Geräte im Einsatz.)

Alle diese angeführten Systeme haben die Tendenz, sich zu vereinigen. Das heißt, es werden Umstiege geschaffen. Auch hat es sich gezeigt, daß Systeme eher akzeptiert werden, wenn sie universell anwendbar sind (wie zum Beispiel BTX mit PC-Endgeräten).

Der Autor ist Assistent am Institut Industrie, Gewerbe und Fertigungswirtschaft, Abteilung Gewerbe, Klein- und Mittelbetriebe.

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