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Für Meister und Dilettanten

Zu Unrecht wurde die technisch wie künstlerisch gleichermaßen herausfordernde Kunstpraxis der Hinterglasmalerei oft als „primitive Volkskunst“ angesehen. Erst zu Beginn unseres Jahrhunderts lernten die Vertreter des „Blauen Reiters“ wieder Ästhetik und Vielfalt der „Hinterglaskünste“ schätzen.

Leuchtkraft und Transparenz der Farben auf dem Bildträger Glas faszinierten nicht nur Franz Marc, Oscar Schlemmer, August Macke, auch Wassily Kandinsky entdeckte in den Hinterglasbildern bayrischer Bauernhöfe eine innige Verwandtschaft zur sakralen Kunst seiner Heimat.

Friedrich Knaipp, dem großen, aus Wien stammenden Forscher und Sammler der Hinterglasmalerei, war die Vollendung seines Lebenswerkes nicht mehr vergönnt. Er verstarb am Karfreitag des Jahres 1982 in Gmunden.

International anerkannten Fachleuten gelang es nun, das von Knaipp begonnene Werk in gebührender Weise zur Vollendung zu bringen. Herkunft, Verbreitung und Reichtum der Hinterglasmalerei finden sich in dem prächtigen Bildband ausführlich dokumentiert. Eine Zeittafel vom frühen 18. Jahrhundert bis zum Folklorismus der „Naiven“ von heute ergänzt den Band. Für alle Freunde dieser Kunstgattung ein unerläßliches Werk.

HINTERGLASKUNSTE. Eine Bilddokumentation. Von Friedrich Knaipp. Herausgegeben von Wolfgang Brückner. Landesver-lag, Linz 1988. Ln., öS 698,-.

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