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Garant einer optimalen Zuckermarktordnung

Für die Erzeugung und den Absatz von Zucker können aus österreichischer Sicht folgende Merkmale als charakteristisch angesehen werden:

Es handelt Sich um ein Grundnahrungsmittel, deswegen seiner praktisch unbegrenzten Lagerfähigkeit und vielseitigen Verwertbarkelt aus versorgungspolitischen und strategischen Gesichtspunkten beträchtliche Bedeutung besitzt.

Funktionell besteht ein natürliches und gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis zwischen Zuckerrübenproduzenten und Zuckerfabriken, da einerseits die Zuckerrübe wirtschaftlich vertretbar praktisch nur zu Zucker verarbeitet werden kann, andererseits aber die Zuckerfabriken auf den Rohstoff Rübe angewiesen sind.

Es besteht eine rohstoffbedingte kurze Verarbeitungsdauer des Typs einer Kampagneindustrie mit deren besonderen Problemen wie z..B. hohe Anlagen- und Fixkostenintensität, Lagerungs- und Finanzierungserfordernisse.

Zucker ist ein dem Welthandel unterliegender börsenfähiger Rohstoff, von dessen weltweiter Gesamtproduktion nur ein geringer Teil, etwa 15 Prozent, den sogenannten Weltmarkt, der ein Residualmarkt ist, überhaupt berührt.

International gesehen herrschen ausgebaute, dirigistische und häufig offensive Zuckermarktregelungen vor, man denke etwa an die Regetungen der EG-Zuckermarktordnung.

Vor diesem Hintergrund wurde hierzulande In Form der vorwiegend privatwirtschaftlichen österreichischen Zuckermarktordnung ein ökonomisch arbeitendes Lenkungsinstrumentarium entwickelt, das im Rahmen gewisser witterungsbedingter Toleranzen eine flexible und gezielte Anpassung der Erzeugung an den jeweiligen Gesamtbedarf bei optimaler Wirtschaftlichkeit und ohne Inanspruchnahme von Stützungen oder Subventionen ermöglicht.

Diese Marktregelung besteht im wesentlichen aus einer Verbindung von einerseits behördlichen Rah-menregelungerv und andererseits privatrechtlichen Vereinbarungen. Während sowohl das Außen- als auch das Preisregime zur erstgenannten Art gehören, fallen die eigentlichen Marktlenkungsmaßnahmen, das heißt sowohl die Rübenbeschaffung und -Verteilung als auch die Inlands- und Exportzuckerabsatzregelungen, in die zweite Kategorie und können unter den Sammelbegriff Zuckerkartell subsumiert werden.

Im folgenden eine kurze Rückblende auf die Entwicklung der heimischen Zuckerwirtschaft seit Ende des letzten Weltkrieges, wobei hier drei zeitliche Abschnitte unterschieden werden können:

Die erste Phase bis gegen Ende der fünfziger Jahre ist charakterisiert durch den Wiederaufbau und durch das Erreichen der vollen Inlandsversorgung.

Die zweite Phase während der sechziger Jahre beginnt mit dem Abschluß des Kartellvertrages und ist gekennzeichnet durch den Ausbau der Zuckermarktordnung mit dem Ziel, die Zuckerproduktion auf den Inlandsbedarf zu beschränken, da der Weltmarkt - besonders in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre -durch Überschüsse und extrem niedrige Weltmarktpreise charakterisiert war.

Die dritte Phase wurde etwa 1969 eingeleitet, als im Zuge der ersten Anzeichen der internationalen Tendenzwende und der beginnenden weltweiten Zuckerverknappung die österreichische Zuckerwirtschaft einen vorsichtigen Expansionskurs steuerte. Es konnte zunächst die behördliche Genehmigung zur Lieferung von sogenanntem Veredelungszucker, kaikullert zu variablen Kosten, für die inländische exportierende zuckerverarbeitende Industrie erreicht werden. Seit 1972 erfolgte aufgrund eines Parteienübereinkommens die Zustimmung zur Durchführung von Zuckerexporten in unverarbeiteter Form.

Die weltweite Zuckerkrise 1974/ 75 führte in Österreich Im Zuge eines auch von der Bundesregierung unterstützten Stabilisierungs- und Sozialpartnerabkommens zu einer gezielten Ausweitung der Rübenanbauflächen und zu vergrößerten Zuckerexporten. Anfangs 1979 erfolgte der Beitritt Österreichs zum Internationalen Zuckerübereinkommen, wobei Österreich den international anerkannten Status eines Zuckerexportlandes mit einer Ausfuhrquote von 80.000 Tonnen erreichen konnte.

Der Zuckerwirtschaft kommt auch unter gesamtwirtschaftlichen Gesichtspunkten besondere Bedeutung zu. Während allein in den sechs österreichischen Zuckerfabriken etwa 2300 Dauerarbeitsplätze vorhanden sind, steigt während der Kampagne die Beschäftigtenzahl auf ca. 3500 an. Der Umsatz der Zuckerindustrie liegt in einer Größenordnung über 3 Mrd. Schilling. Für rund 15.000 Rübenproduzenten ist die Zuckerrübe die wichtigste Einkommensquelle.

Vor dem Hintergrund eines wegen des bereits gegebenen hohen Pro-Kopf-Verbrauchs und der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung eher stagnierenden inländischen Absatzmarktes ist die Zuckerindustrie bemüht, eine positive Entwicklung durch Maßnahmen zu sichern, von denen unter anderem folgende hervorzuheben wären:

Intensivierte Bemühungen um die Exportmärkte.

Entwicklung neuer Rohstoffe für die Hefe-, Spiritus- und Futtermittelindustrie wie etwa in Form des Melasseersatzes Grünsirup.

Neue Verwertungsmöglichkeiten für die in Koppelprodukten anfallenden Nebenprodukte wie Rübenschnitzel und Melasse.

Einsparungen, wo diese möglich sind, vor allem aber auf dem Energiesektor.

Das Power-Alkoholprojekt, bei dessen Verwirklichung etwa 30.000 Hektar Zuckerrübe zusätzlich angebaut werden könnten.

Forschungen in Richtung grundlegender verfahrenstechnischer Neuerungen.

Forschungen auf dem Sektor des Einsatzes von Zucker als Rohstoff für die chemische Industrie.

Zur Bewältigung dieser zukunftsorientierten Aufgaben - denen nicht nur aus agrar-, Industrie- und beschäftigungspolitischen Perspektiven, sondern auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht große Bedeutung zukommt - ist sowohl die Aufrechterhaltung des bewährten Zuckerkartells, das heißt des gegebenen Marktregelungssystems, als auch eine kostenorientierte inländische Zuckerpreisfestsetzung erforderlich. Die Zuckerindustrie wird wie bisher bemüht sein, den Weg einer Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern fortzusetzen.

Die erfolgreiche Sommersaison 1980, die auch von dem teilweise nicht optimalen Wetter nicht gebremst werden konnte, ist'neben dem „Kapital" Landschaft und un-zerstörte Umwelt, vor allem den enormen Bemühungen der Fremdenverkehrswirtschaft zuzuschreiben. Die Milliarden Investitionen der letzten Jahre in die Erhöhung des Komforts In den traditionellen Bereichen Beherbergung und Gastronomie sowie in die sogenannten Schlechtwettereinrichtungen kamen heuer voll zum Tragen. Die durchschnittliche Jahresinvestitionsquote der rund 56.000 Tourismusbetriebe liegt bei rund 5 Milliarden Schilling. Der Erfolg rechtfertigt diese Bemühungen voll und ganz. Ein weiterer wichtiger Punkt, der positiv auf das Urlaubsverhalten durchschlägt, ist die strikte Preisdisziplin der heimischen Fremdenverkehrsbetriebe. Die Unternehmen haben die Preisentwicklung in den letzten Jahren stets unter der offiziellen Inflationsrate gehalten. Dies brachte Anerkennung durch die internationale Gästeklientel, ging aber, und dies muß betont werden, auf Kosten der Substanz vieler Betriebe.

Eine während der Sommersaison durchgeführte Urlauberbefragung untermauert die Bedeutung, die den Urlaubskomponenten Landschaft, Gemütlichkeit, Komfort und Preis zukommt. Die Gäste lieben die Berge, in Österreich ist es viel gemütlicher als anderswo, das Essen ist wesentlich billiger als in anderen Urlaubsländern und es wird höherer Komfort geboten - so die sich aus der Untersuchung ergebenden Motive für einen Österreichurlaub.

Weitere Anreize für ausländische

Gäste, den Urlaub in Österreich zu verbringen, sind (für Bundesdeutsche) der Wegfall der Sprachschwierigkeiten. Allgemein betonen die Österreichurlauber noch, daß die Relation zwischen Angebot und Preisen noch stimmt und daß es leicht möglich ist, Kontakte, ja sogar Freunde zu finden.

Die relativ geringen Anreisedistanzen aus den wichtigsten Herkunftsländern spielen unter Berücksichtigung der derzeitigen Treibstoffpreise ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die geringen Anreisedistanzen stellen also eine wichtige Überlegung für das Urlaubsbudget dar.

Immer mehr in den Vordergrund der Urlauber-Überlegungen tritt auch das Sicherheits-Moment. Das

Fremdenverkehrsland Österreich kennt de facto keine sozialen Konflikte, Unannehmlichkeiten, die sich für die Urlauber aus zahllosen Streiks ergeben, sind in Österreich undenkbar, die Sicherheit an sich in der Alpenrepubiik ist hoch.

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