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GEMÄSSIGTE FORDERUNGSPOLITIK

Der Slogan „Upper Austria at the top" war einer der ersten, mit dem sich die neugegründete „Technologie- und Marketinggesellschaft Oberösterreich" im Ausland präsentierte.

Natürlich, diese Aussage ist marktschreierisch und klingt möglicherweise etwas überheblich. Sie soll aber nur eines signalisieren: Oberösterreich verfolgt das Ziel, gerade für internationale Investoren attraktiv zu sein und/oder zu werden. Diese Attraktivität kann aber nur durch eine andere Art der Standortqualität erreicht werden. Diese Qualität ist Teil eines neuen wirtschaftspolitischen Konzeptes, das von Landesrat Christoph Leitl, gemeinsam mit verschiedenen Experten sowie der Landes- und den regionalen Betriebsansiedelungsgesellschaften erarbeitet wurde.

Kurz zur Ausgangssituation:

1988 betrugen die ausländischen Investitionen in Österreich zirka 5,5 Milliarden Schilling, dem gegenüber standen österreichische Investitionen im Ausland von 3,5 Milliarden Schilling. Dann setzte ein „gegenläufiger" Trend ein. 7,8 Milliarden Schilling an ausländischen Investitionen im Jahr 1989 standen 11,3 Milliarden Schilling an österreichischen Investitionen im Ausland gegenüber. Die Zahlen 1990: 7,4 Milliarden Schilling (ausländische Investitionen in Österreich) zu 18,5 Milliarden Schilling (österreichische Investionen im Ausland).

NacheinervorläufigenBilanz 1991, laut Auskunft der Österreichischen Nationalbank, ist ein weiterer Einbruch in diesem Jahr zu verzeichnen: Sowohl die ausländischen Investitionen in Österreich mit knapp über drei Milliarden Schilling als auch die österreichischen Investitionen im Ausland, mit zirka 15 Milliarden Schilling, gingen massiv zurück. Natürlich wirkt sich hier das Ost-Investment investi-tionshemmend in Österreich aus.

Das Investorenverhalten hat sich grundlegend geändert. Die Atttrakti-vität von Österreich als Markt ist, solange wir nicht Teil des EWR oder der EG sind, nicht mehr „so hoch". Was dabei noch fatal ist: Neben dem Rückgang des ausländischen Investments fließen umgekehrt, sofern man das negativ betrachtet, die nötigen finanziellen Mittel der österreichischen Wirtschaft ins Ausland. Das ist gerade beim angesagten Strukturwandel nicht unbedingt die beste Alternative. Sieht man es positiv, so machen die österreichischen Betriebe gerade den Schritt, den man in den letzten Jahren so oft von ihnen gefordert hat, die verstärkte Internationalisierung.

Unabhängig von der Sicht weise hat man sich jetzt endlich zu einer Strategie durchzuringen, die diesen Rückgang an Investitionen der Ausländer in Österreich beziehungsweise der Österreicher im Inland, aufhält. Wir können uns in Österreich natürlich auf die traditionell gute Infrastruktur und die sonstigen Stärken der Volkswirtschaft beschränken. Sie sind die Basis, daß etwas „weitergeht", daß wirtschaftliches Handeln „Sinn hat". Nur haben diese Grundstärken weiterentwickelt zu werden.

Unsere IA-Situation: Oberösterreich verfügt über eine zentrale Lage in Österreich. Weitere Faktoren sind die politische Stabilität, das gute soziale Klima, die günstige Marktsituation und gerade die große Industrietradition, die sich in der Mentalität der Menschen und in der Qualität der Arbeitskräfte und ihrer Ausbildung niederschlägt. Verschiedene Stabilitätsfaktoren in Politik, Währung und Wirtschaft runden diese günstige Infrastruktur ab.

In Anbetracht der Intenationalisie-rung von großen Konzernen auf den Wandel der Industrie- in eine Dienstleistungsgesellschaft, haben wir bei unseren traditionellen Stärken wie Ausbildung im universitären Bereich, insbesondere in den technischen Fächern und bei den qualifizierten Arbeitskräften anzusetzen und diese weiterzuentwickeln.

Ziel unserer Strategie sollen dienstleistungsorientierte Betriebsansiedelungen und Betriebsgründungen (auch von Inländern) sein. Das bedeutet am konkreten Beispiel von Oberösterreich in der Wirtschafts- und Bildungspolitik neben dem gemeinsamen Vorgehen, auch in der Praxis folgendes:

□ Verstärkte Investitionen im Know-how, sowohl in der Grundausbildung als auch in der Weiterbildung der künftigen Arbeitnehmer.

So kommt es nicht von ungefähr, daß Oberösterreich einer der ersten Standorte einer technischen Fachhochschule im Bereich Automatisierung und Verfahrenstechnik ist, die in Wels beheimatet sein wird. Sie wird 1993 starten. Ein konkretes und schlüssiges Konzept liegt seitens der Kommune und des Landes vor. Nun liegt es beim Bund, die noch anstehenden finanziellen und Ausbildungsentscheidungen zu treffen.

□ Das Kepler-Internationalisierungs-programm, die Sommeruniversität, die Gödel-School für Computerwissenschaften, Studienrichtungen und Studienzweige an der Johannes Kepler Universität, wie internationales

Marketing, Handelswissenschaften und Umweltpolitik runden dieses hochwertige Angebot ab. Sie sind Teil der geistigen Infrastruktur, die in Zukunft im Bereich des betriebliches Investments für Wett-bewerbsvorteile sorgen wird (siehe Seite 15).

Es reicht auch nicht mehr aus, genügend Grund und Boden, infrastrukturell erschlossen, anzubieten. Investoren wollen ein Servicebündel bei der Ansiedelung, inklusive der günstigen Rahmenbedingungen und Förderungen.

Der Bundesgesetzgeber hat neben einer eigenkapital-fördernden Steuergesetzgebung auch die längst nötigen Verfahrenskonzentrationen bei Bau- und Betriebsanlagengenehmigungsverfahren, kürzere Verfahrenszeiten und dergleichen vorzugeben.

Was kann aber das Land Oberösterreich konkret tun?

□ Zügiges Projektmanagement bei Investitionsprojekten vor Ort durch die regionalen Betriebsansiedelungsgesellschaften mit qualifizierten Projektmanagern und mit einer höchstmöglichen Sicherheitsgarantie für die Projektdurchlaufzeiten.

□ Aufbereitung der gesamten Marktsituation für die verschiedensten Branchen, sofern seitens des Investors das Investment regional begrenzt werden soll.

□ Schaffung einer ergänzenden, zu den Betrieben passenden Dienstleistungsinfrastruktur (zum Beispiel in Zentren oder in breiten kooperativen Partnerschaften durch Dienstleister einer Region).

□ Angebot von, gerade von internationalen Unternehmen geforderten Produktions- und Dienstleistungsbetriebsstätten auf Miet- oder B aurechts-basis, die eine rasche Integration dieser Betriebe in Österreich sicherstellen und den Einsatz von Kapital, gerade in der Anfangsphase für ausländische Investoren und mit ihr Risiko reduzieren helfen.

□ Entwicklung eines Förderungsinstrumentariums für die Investoren. Hier wurde in Oberösterreich das Betriebsansiedelungs-Impulspro-gramm und ergänzende regionale EG-konforme Förderungen geschaffen.

Alle diese Maßnahmen zielen weg von der „großen industriellen" Betriebsansiedelung. Ihr hat eine gemäßigte Förderungspolitik zu folgen, die Unternehmen des tertiären Sektors in den Mittelpunkt der Überlegungen stellt. Qualität der betreuten Investoren ist das Ziel. Auch dann, wenn es nur um die Schaffung von fünf, zehn, 15 oder 20 Arbeitsplätzen geht.

Gerade diese Art von Klein- und mittelbetrieben, mit regionalen Out-lets beziehungsweise aus ihrem Entwicklungsprozeß der Unternehmensgründung, verfügen über ein bei weitem höheres Wachstumspotential als stark subventionierte Arbeitsplätze. Diese sind auch bei einer starken Internationalisierung des Betriebes bei weitem mehr gefährdet.

Alles in allem hat das aber nicht aus den Augen verloren zu werden: In Zukunft soll mit diesen kleinen leistungsfähigen Einheiten und mit einer leistungsfähigen klein- und mittelbetrieblichen Investoreninfrastruktur, nicht nur das nach Österreich transferierte Know-how bewahrt, sondern so weiterentwickelt zu werden, daß es nach einigen Jahren in einem zusammenwachsenden Europa unseren Exportartikel Nummer eins darstellt.

Der Autor ist Geschäftsführer der Wirtschafts-beratungs- und Ansiedelungsgesellschaft Wels GmbH (WBA-Wels) und Aufsichtsratsmitglied der Technologie- und Marketinggesellschaft Oberösterreich (TMG).

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