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Gipfeltreff der Strdthähnc

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Die großen Hoffnungen, die an das zwölfte arabische Gipfeltreffen im marokkanischen Fes geknüpft worden sind, haben sich nichterfüllt: Fes wurde zum Fiasko!

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Die großen Hoffnungen, die an das zwölfte arabische Gipfeltreffen im marokkanischen Fes geknüpft worden sind, haben sich nichterfüllt: Fes wurde zum Fiasko!

Knapp fünf Stunden konferierten zwölf der insgesamt 21 eingeladenen arabischen Staatschefs hinter verschlossenen Türen. Dann war alles auch schon wieder vorbei, und der saudische Acht-

mit auch gesamt-arabisch abgewertet.

Das Zerfallen der Bagdader Allianz in Fes, wohin sich Saddam Hussein klugerweise auch schon gar nicht begeben hatte, macht den Irak im Nahen Osten auch politisch wieder zu dem, was er geographisch ohnedies ist: zu einem Außenseiter, der bei der Lösung des Palästinenser-Problems immer weniger mitzumischen hat!

Wenn der Gipfel von Fes trotz seiner Kürze und stürmischen Atmosphäre doch auch positive Früchte getragen hat, so betreffen diese vor allem die Lage im Maghreb. Dort hat sich der Guerillakrieg, den die Sahauris führen, zu einer Gefahr entwickelt, die fast schon mit der Nahostkrise verglichen werden kann. Dazu trägt vor allem bei, daß seit dem Führungsantritt von Präsident Benjeddid Chadli in Algier vorwiegend Libyer und zum Teil auch schon Sowjets die Unterstützung und Lenkung der Partisanen-Organisa- tion „Polisario“ übernommen haben.

Da die „Polisario“ weiter von südwest-algerischem Gebiet aus operiert, wird sie für Algier selbst zu einer wachsenden inneren Belastung. Vor diesem Hintergrund haben sich im Anschluß an den Fes-Gipfel König Hassan II. von Marokko und der neue algerische Außenminister Ben Yahia zusammengesetzt. Sie wollen jetzt gemeinsam eine Lösung anstreben, die dem Selbstbestimmungsrecht der Sahauris entspricht, hingegen eine direkte Steuerung durch den Ostblock und durch radikale Exil- und Terrorgruppen ausschließt.

Genau dasselbe hat Arabisch- Palästina bei den Autonomieverhandlungen zwischen Ägypten und Israel schon längst erreicht.

Kairo zeigt sich gerade unter seinem neuen Präsidenten Hosni Mubarak fest entschlossen, den Palästinensern nicht nur die von der Regierung Begin zugestandenen Gruppenrechte, sondern eine echte Regionalautonomie als Vorstufe späterer Eigenstaatlichkeit unter Einbeziehung von Ost-Jerusalem zu sichern. Mubaraks Botschaft an die Palästinenser vom 30. November war das letzte klare Wort in dieser Richtung.

Punkte-Friedensplan für Nahost, dessen Deklarierung zum gesamtarabischen Friedensplan eine gemeinsame neue Politik hätte einleiten sollen, auch schon wieder verworfen.

Auf absehbare Zeit hat damit der Saudi-Plan kaum Verwirklichungschancen, zumal er in Fes ja auch nur die Unterstützung der gemäßigten Ölstaaten und des Gastgeberlandes Marokko gefunden hat, während ihm mit den radikalen Schlüsselstaaten Libyen, Syrien und Irak eine mächtige Opposition erwachsen ist.

In Fes ist auch der erste ernsthafte Versuch eines Brückenschlages zu Ägypten gescheitert, das seit seinem Separatfrieden mit Israel praktisch ein Einzelgänger-Dasein in der Araber- Welt führt. Indes: Die Nachfolger Sadats stehen nach dem geplatzten Gipfel zwar weiter isoliert, aber schon fast wieder als ruhender Pol unter den sonst fast völlig zerstrittenen Arabern da.

Denn die im November 1978 auf dem Gipfeltreffen in Bagdad gegen die Vereinbarungen von Camp David erzielte Übereinkunft zwischen der sogenannten Ablehnungsfront der radikalen und mehr oder weniger von der Sowjetunion abhängigen Staaten

(Syrien, Libyen, Algerien, Südje- men und die palästinensische Befreiungsorganisation PLO) sowie den von Saudiarabien und Jordanien angeführten gemäßigteren und prowestlichen Monarchien und Fürstentümern, ist in Fes in Brüche gegangen.

Dies ist ein indirektes Ergebnis des sonst völlig ergebnislosen Gipfels, und betroffen davon ist vor allem auch der Irak.

Dessen Staatschef Saddam Hussein hatte seinerzeit die kurzlebige arabische Einheit gegen Ägypten zustande gebracht. Präsident Hussein präsentierte sich danach gleichsam als neuer Abdel Nasser, gebärdete sich als unbestrittener Führer des Panarabis- mus.

Nach dem Tod des algerischen Präsidenten Houari Boumedi- enne versuchten die regierenden irakischen Baathisten sogar, Bagdad zum Zentrum der afro-asiati- schen Solidarität, der blockfreien Bewegung und so gut wie der gesamten Dritten Welt zu machen. Nur aus diesem Stärkebewußtsein heraus haben sich die Iraker in das Abenteuer des Golfkrieges gegen Ayatollah Chomeini eingelassen.

Geführt wurde (und wird) der Feldzug in Khusistan denn auch unter ausgesprochen nationalen arabischen Vorzeichen. Die jüngsten militärischen Niederlagen gegen die Perser nach den Anfangserfolgen haben den Irak so-

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