Fragen zum Krieg: Meinen Frieden gebe ich euch

1945 1960 1980 2000 2020

Nie vergesse ich den Gedanken, dass unglückliche Menschen gefährlich seien. Einer hat Frieden, weil er glücklich ist, ganz.

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Nie vergesse ich den Gedanken, dass unglückliche Menschen gefährlich seien. Einer hat Frieden, weil er glücklich ist, ganz.

„All you need is war!“ Zu singen in allen Sprachen der Welt. „Alles, was du brauchst, ist Krieg!“ So lautet der Hauptsatz der Kriegssymphonie, in den die erhabenen Vernichtungsbetreiber viele „Gloria sei dir gesungen“ für ihren Kriegsgott hineinkomponiert haben. Hassbeseelt meinen sie sich selbst. Gloria sei mir gesungen. Die Welt ist nicht mehr als ein Schachbrett. Es ist ein ausgeklügeltes Herrengambit. Und es ist ein Weltkriegsrequiem, das sie anstimmen. Und die ihre Krieger entsenden zu Lande, zu Wasser, zu Luft und durchs Internet, bringen unvorstellbare Höllen zustande. Das wurde gewusst. Aber von wem? Und hatte er, hatte sie die Macht, die Spielregeln zu ändern? Wir überlassen diese Frage dem Deus absconditus, der sich uns ebenso im vermeintlichen Frieden immer wieder verbarg. Auch das haben wir gewusst. „Gefährlich sind Politiker, die von ihren eigenen oder angelernten Ideologien besessen sind“, schrieb der ­„Archivar der Abgründe“ – so ein schöner Titel der Süddeutschen Zeitung für den mitten im Zweiten Weltkrieg, am 24. Juni 1942 geborenen und am 9. Februar dieses Jahres verstorbenen Schriftsteller Gerhard Roth. Nie vergesse ich den Gedanken, dass unglückliche Menschen gefährlich seien.

„Ich habe mir fest vorgenommen, weiterzulesen, wenn die Bomben kommen“, schrieb Ingeborg Bachmann in ihr Kriegstagebuch. Einer hat Frieden, weil er glücklich ist, ganz. Ja, lesen über dem Abgrund hilft. Und ich sehe schon das Orchester die Instrumente stimmen für die neue Friedenssymphonie. Denn von Dorothee Sölle kommt ein Gottestrost. „Ich halte Jesus von Nazareth für den glücklichsten Menschen, der je gelebt hat.“ Er infiziert die Welt mit seinem Glück. Das ist ein Ort, an dem du bleiben und leben kannst mit allen Fragen: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“

Die Autorin ist evangelische Pfarrerin i. R.

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