Gegen politischen Islam

1945 1960 1980 2000 2020

Mouhanad Khorchide über die Aufgabe der "Dokumentationsstelle Politischer Islam".

1945 1960 1980 2000 2020

Mouhanad Khorchide über die Aufgabe der "Dokumentationsstelle Politischer Islam".

Wenn ich mich mit dem Thema „Politischer Islam“ auseinandersetze, dann ausschließlich in meiner Rolle als Wissenschaftler, der allerdings seinen Beruf zugleich als Berufung versteht. Letztere identifiziere ich mit einer innerislamischen Aufklärung, die das Ziel hat, Muslime von allen Formen der politischen, sozialen und vor allem geistigen Unterdrückung zu befreien. Diese Form der Aufklärung ist für mich ein Herzensanliegen. Dazu gehört auch meine beratende Arbeit für die neu errichtete „Dokumentationsstelle Politischer Islam“.

Sie beschäftigt sich mit einer Herrschaftsideologie, die die Menschen im Namen des Islams bevormunden und unterwerfen will, sie polarisiert und spaltet unsere Gesellschaft. Es müsste eigentlich das Anliegen jedes Muslims sein, der den Islam von allen Herrschaftsideologien befreien will, die Arbeit einer solchen Institution zu unterstützen. Dass aber die Kritik an der Dokustelle vor allem von den Muslimen kommt, denen die Zugehörigkeit bzw. die Nähe zum politischen Islam vorgeworfen wird, wie die Muslimbrüder oder Milli Görüs, war zu erwarten. Damit ist keineswegs gemeint, dass jeder, der die neue Stelle kritisiert, dem politischen Islam zuzuordnen ist.

Allerdings ist der Vorwurf, der Begriff des politischen Islams sei nicht eindeutig definiert, absurd, denn es gibt einen längst etablierten wissenschaftlichen Diskurs darüber. Es ist dennoch Aufgabe der Dokustelle, solche Kriterien der Zugehörigkeit von Personen und Institutionen zum politischen Islam sachlich und transparent zu erstellen, damit eben nicht alle Muslime unter Verdacht geraten, dazuzugehören. Die Dokustelle soll dies wissenschaftlich (also unabhängig und ergebnisoffen) analysieren. Der Versuch, die Debatte parteipolitisch zu erklären, kommt gerade den Islamisten zugute. Die Gefahr des politischen Islams betrifft aber die Gesellschaft als solche.

Der Autor leitet das Zentrum für Islamische Theologie an der Uni Münster.

Wenn ich mich mit dem Thema „Politischer Islam“ auseinandersetze, dann ausschließlich in meiner Rolle als Wissenschaftler, der allerdings seinen Beruf zugleich als Berufung versteht. Letztere identifiziere ich mit einer innerislamischen Aufklärung, die das Ziel hat, Muslime von allen Formen der politischen, sozialen und vor allem geistigen Unterdrückung zu befreien. Diese Form der Aufklärung ist für mich ein Herzensanliegen. Dazu gehört auch meine beratende Arbeit für die neu errichtete „Dokumentationsstelle Politischer Islam“.

Sie beschäftigt sich mit einer Herrschaftsideologie, die die Menschen im Namen des Islams bevormunden und unterwerfen will, sie polarisiert und spaltet unsere Gesellschaft. Es müsste eigentlich das Anliegen jedes Muslims sein, der den Islam von allen Herrschaftsideologien befreien will, die Arbeit einer solchen Institution zu unterstützen. Dass aber die Kritik an der Dokustelle vor allem von den Muslimen kommt, denen die Zugehörigkeit bzw. die Nähe zum politischen Islam vorgeworfen wird, wie die Muslimbrüder oder Milli Görüs, war zu erwarten. Damit ist keineswegs gemeint, dass jeder, der die neue Stelle kritisiert, dem politischen Islam zuzuordnen ist.

Allerdings ist der Vorwurf, der Begriff des politischen Islams sei nicht eindeutig definiert, absurd, denn es gibt einen längst etablierten wissenschaftlichen Diskurs darüber. Es ist dennoch Aufgabe der Dokustelle, solche Kriterien der Zugehörigkeit von Personen und Institutionen zum politischen Islam sachlich und transparent zu erstellen, damit eben nicht alle Muslime unter Verdacht geraten, dazuzugehören. Die Dokustelle soll dies wissenschaftlich (also unabhängig und ergebnisoffen) analysieren. Der Versuch, die Debatte parteipolitisch zu erklären, kommt gerade den Islamisten zugute. Die Gefahr des politischen Islams betrifft aber die Gesellschaft als solche.

Der Autor leitet das Zentrum für Islamische Theologie an der Uni Münster.

Navigator

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Mit einem Digital-Abo sichern Sie sich den Zugriff auf über 40.000 Artikel aus 20 Jahren Zeitgeschichte – und unterstützen gleichzeitig die FURCHE. Vielen Dank!

Mit einem Digital-Abo sichern Sie sich den Zugriff auf über 40.000 Artikel aus 20 Jahren Zeitgeschichte – und unterstützen gleichzeitig die FURCHE. Vielen Dank!

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau