Hoffnungsschimmer Ostern

1945 1960 1980 2000 2020

Der Auftritt Jesu zu Ostern ist vor allem eines: unscheinbar. Es sind die kleinen Zeichen, die intimen Begegnungen, die zum Hoffnungsschimmer werden.

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Der Auftritt Jesu zu Ostern ist vor allem eines: unscheinbar. Es sind die kleinen Zeichen, die intimen Begegnungen, die zum Hoffnungsschimmer werden.

In der frühen Kirche, von der das Neue Testament erzählt, finde ich die Zeit nach Ostern besonders inspirierend. Zunächst dominieren abgrundtiefe Verzweiflung und ein Grauen angesichts des unfassbaren Foltertodes am Kreuz. Die Jüngerinnen und Jünger bleiben trostlos zurück. Mit Jesus wurden ihre Hoffnungen gekreuzigt und alles, was ihr Leben zuvor zum Aufblühen brachte. Der Schmerz sitzt tief, er bohrt so sehr, dass er alles zu vernichten droht. Aber dann kommen unbegreifliche Geschichten in Umlauf. Der Stein am Grab ist weggewälzt. Wie kann das sein? Jener Rollstein, der dem Leben den Tod vom Leib halten sollte. Gibt es neues Leben im Tod? Schöpfung durch Verlust? „Doch als sie aufblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß.“ (Mk 16,4)

Der Auftritt Jesu zu Ostern ist vor allem eines: unscheinbar. Kein lautes Getöse. Kein prunkvolles Erscheinen. Kein überlegenes Triumphieren. Es sind die kleinen Zeichen, die intimen Begegnungen, die zum Hoffnungsschimmer werden. Das Erstaunliche: Die Jüngerinnen und Jünger setzen auf diese unscheinbaren Zeichen. Obwohl sie selbst verzweifelt sind, machen sie einander Mut. Obwohl sie davonlaufen wollen, bleiben sie zusammen. Obwohl ihnen die Sprache zerbricht, erzählen sie einander von dem, was sich Überraschendes zeigt. Kann eine Katastrophe belebend wirken, gerade weil sie vom Tod gezeichnet ist? Haben Menschen auch heute diese unbändige Kraft, die das Leben will und auf das Leben setzt? Im zweiten Frühling der Corona-Pandemie leuchtet das Osterfest in eine schwierige Zeit hinein. Unscheinbar. Aber dennoch nicht zu übersehen. Ostern – ein Hoffnungsschimmer.

Die Autorin ist katholische Vulnerabilitätsforscherin an der Universität Würzburg.

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