Licht wächst

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Zum Adventkranz: In harter Zeit ist es besonders notwendig, Lichtzeichen der Hoffnung wahrzunehmen.

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Zum Adventkranz: In harter Zeit ist es besonders notwendig, Lichtzeichen der Hoffnung wahrzunehmen.

Die Mystik der Armutsbewegung im 13.Jahrhundert bewundere ich wegen ihrer innovativen Stärke und poetischen Kraft. Am meisten aber wegen ihrer Fähigkeit, in einer Zeit heftiger Umbrüche, die Unsicherheiten aller Art hervorrief, die Hoffnung aufrechtzuhalten. Menschen wie Franziskus und Klara von Assisi, Mechthild von Magdeburg und Meister Eckhart lebten nicht im Siebten Himmel. Sie wurden mit harten Realitäten konfrontiert. Sie zogen sogar aus, um sich solchen Realitäten zu stellen, insbesondere der bitteren Armut in der neuen Stadtkultur. Wie haben sie das mit der Hoffnung geschafft?

Eine Grunderfahrung der Mystik besagt: Teilen macht reich. Wie paradox! Die Ökonomie behauptet, dass nur das Horten Reichtum erzeugt. Dass auch das Teilen reich machen kann, widerspricht diesem Grundsatz. Und das zu Recht. Jedes kreative Netzwerk lebt daraus, dass Wissen aufgrund von Teilen wächst. Und so verhält es sich auch mit der Hoffnung. Eine Gemeinschaft gewinnt Tatkraft und Mut, wenn Menschen mitten in den Dunkelheiten des Lebens Lichtzeichen der Hoffnung wahrnehmen und sie miteinander teilen. Das Lebensmotto Mechthilds von Magdeburg lautet: „Worauf Gott seine Hoffnung setzt, das wage ich.“

In harter Zeit ist es besonders notwendig, Lichtzeichen der Hoffnung wahrzunehmen, an sie zu glauben und handelnd darauf zu setzen, dass sie wachsen werden. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Advent in diesem Jahr an Bedeutung. Die erste Kerze am Adventskranz zeigt, wie hell auch ein kleines Licht in der Dunkelheit aufleuchtet. Um Zeichen der Hoffnung miteinander zu teilen, braucht es keine Ganzkörperbeleuchtung am Haus, im Garten, auf öffentlichen Plätzen. Als Zeichen für das wachsende Licht der Hoffnung reichen die Kerzen am Adventskranz, deren Licht Woche für Woche wächst.

Die Autorin ist katholische Vulnerabilitäts­forscherin an der Universität Würzburg.

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