Toxische Konversionstherapien

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Dem Priester, Psychotherapeuten und Erfinder der "Konversionstherapie" bei "homosexuellen Tendenzen", Tony Anatrella, wurden wegen sexuellen Missbrauchs alle Tätigkeiten untersagt. Nun muss endlich auch seine "Therapie" verboten werden.

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Dem Priester, Psychotherapeuten und Erfinder der "Konversionstherapie" bei "homosexuellen Tendenzen", Tony Anatrella, wurden wegen sexuellen Missbrauchs alle Tätigkeiten untersagt. Nun muss endlich auch seine "Therapie" verboten werden.

Der Vatikan untersagte 2005 auf Weisung von Papst Benedikt XVI. die Priesterweihe von Personen „mit tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen“. Aber wie lassen sich solche „Tendenzen“ feststellen? Zur Denunziation aufrufen? Ein Spitzelsystem installieren? Peinliche Befragungen durchführen? Die Machtstrategie der Beschämung geht ans Werk.

Einer der Menschen, die sich vehement für das Verbot engagierten, war der berühmte Priester und Psychotherapeut Tony Anatrella, der auch Berater mehrerer Vatikanbehörden war. Er hielt homosexuelle Beziehungen für unreif. Aber er wusste im Notfall Rat: seine Konversionstherapie, die jene kleine Abweichung auf dem geraden Weg zölibatärer Heterosexualität korrigieren könne. Allerdings ging bereits 2001 eine Anzeige ein, dass Anatrella in diesen „Therapien“ sexuellen Missbrauch beging. Dem Opfer wurde nicht geglaubt.

Jetzt endlich, am 17. Jänner 2023, nach 22 Jahren, weiteren Anzeigen und einer kanonischen Untersuchung, wurden dem Täter alle priesterlichen, therapeutischen und publizistischen Tätigkeiten untersagt. Das schlägt dem Fass den Boden aus. Da sorgt ein Hauptvertreter katholischer Homophobie im Vatikan dafür, dass Homosexuellen die Priesterweihe verweigert wird. Dann stellt sich he­raus, dass er nicht nur selbst schwul ist, sondern in „Konversionstherapien“ junge Männer zum Sex nötigt mit der Begründung, dass sie nur so „geheilt“ und zum Priester geweiht werden könnten. Perfider und zynischer geht es nicht.

Auch in Österreich sollen Konversionstherapien verboten werden, weil sie internalisierte Homophobie nähren und sogar zur Suizidalität führen können. Statt die Priesterweihe Homosexueller zu verbieten, ist ein Verbot der Konversionstherapien vonnöten. Beides setzt Menschen der Beschämung aus und wirkt toxisch, was eigentlich das Gegenteil von christlich sein sollte.

Die Autorin ist katholische Vulnerabilitäts­forscherin an der Universität Würzburg.

Der Vatikan untersagte 2005 auf Weisung von Papst Benedikt XVI. die Priesterweihe von Personen „mit tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen“. Aber wie lassen sich solche „Tendenzen“ feststellen? Zur Denunziation aufrufen? Ein Spitzelsystem installieren? Peinliche Befragungen durchführen? Die Machtstrategie der Beschämung geht ans Werk.

Einer der Menschen, die sich vehement für das Verbot engagierten, war der berühmte Priester und Psychotherapeut Tony Anatrella, der auch Berater mehrerer Vatikanbehörden war. Er hielt homosexuelle Beziehungen für unreif. Aber er wusste im Notfall Rat: seine Konversionstherapie, die jene kleine Abweichung auf dem geraden Weg zölibatärer Heterosexualität korrigieren könne. Allerdings ging bereits 2001 eine Anzeige ein, dass Anatrella in diesen „Therapien“ sexuellen Missbrauch beging. Dem Opfer wurde nicht geglaubt.

Jetzt endlich, am 17. Jänner 2023, nach 22 Jahren, weiteren Anzeigen und einer kanonischen Untersuchung, wurden dem Täter alle priesterlichen, therapeutischen und publizistischen Tätigkeiten untersagt. Das schlägt dem Fass den Boden aus. Da sorgt ein Hauptvertreter katholischer Homophobie im Vatikan dafür, dass Homosexuellen die Priesterweihe verweigert wird. Dann stellt sich he­raus, dass er nicht nur selbst schwul ist, sondern in „Konversionstherapien“ junge Männer zum Sex nötigt mit der Begründung, dass sie nur so „geheilt“ und zum Priester geweiht werden könnten. Perfider und zynischer geht es nicht.

Auch in Österreich sollen Konversionstherapien verboten werden, weil sie internalisierte Homophobie nähren und sogar zur Suizidalität führen können. Statt die Priesterweihe Homosexueller zu verbieten, ist ein Verbot der Konversionstherapien vonnöten. Beides setzt Menschen der Beschämung aus und wirkt toxisch, was eigentlich das Gegenteil von christlich sein sollte.

Die Autorin ist katholische Vulnerabilitäts­forscherin an der Universität Würzburg.

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