Zum Abschied von Markus Krah

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Der Kolumnist Markus Krah verabschiedet sich von der Furche - mit einem Blick auf vergangene Texte.

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Der Kolumnist Markus Krah verabschiedet sich von der Furche - mit einem Blick auf vergangene Texte.

Mit dieser Kolumne verabschiede ich mich von Ihnen, den Leserinnen und Lesern der FURCHE. Ich übernehme im Herbst die Leitung des Leo-Baeck-Instituts in New York, ein Forschungsinstitut zur Geschichte der deutschsprachigen Juden, und will mich mit aller Kraft auf diese Aufgabe konzentrieren. Mit sechseinhalb Jahren komme ich zwar nicht auf den schon in der Bibel auftauchenden Zyklus von sieben Jahren, nach denen Mensch und Natur eine Zäsur brauchen, um frisch in eine neue Runde zu gehen. Aber der Rückblick auf rund 85 Kolumnen ist mir ein willkommener Anlass zu prüfen, welche Fragen (und Antwortversuche) ich Ihnen zugemutet habe.

Viele gingen von Jahrestagen und anderen historischen Wegmarken aus; andere nahmen den im Lesezyklus aktuellen Abschnitt aus der Hebräischen Bibel als Ausgangspunkt. Auch aktuelle Ereignisse und persönliche Erfahrungen warfen Glaubensfragen auf. Hatten meine Texte, in denen es um Tätowierungen ging und um Trump, James Joyce und das Johannes-Evangelium, die Mondlandung und messianische Juden, einen gemeinsamen Nenner?

Drei rote Fäden sind mir wichtig: Das Judentum kann persönlich wichtig sein und Geschichte und Kulturen prägen über den einzelnen Menschen hinaus – wie jede Religion. Aber – zweiter Faden – das Judentum ist mehr als eine „Religion“, wie sie die meisten im christlichen Westen geprägten Menschen verstehen. Es kann sich in säkularen Texten, ästhetischen Sensibilitäten, politischen Einstellungen, in Humor und einem diffusen Gefühl von Zugehörigkeit ebenso ausdrücken wie in Glauben, Gottesdienst und Gebet. Diese beiden roten Fäden laufen im dritten zusammen: Das Judentum stellte und stellt sich aktuellen Fragen und bleibt damit relevant – und interessant. Es war mir eine Ehre, mit Ihnen einige dieser Glaubensfragen zu teilen.

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