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Graz-Budapest wie anno dazumal

Das von Verkehrsminister Rudolf Streicher verkündete Ostkonzept für den Ausbau der Bahnlinien nach Osten und Norden sieht fürdie nächstenJahre eine Gesamtinvestitionssumme von rund 4,5 Milliarden Schilling vor. Diese Ergänzung zum Ausbauprogramm der „Neuen Bahn" beinhaltet jedoch keine einzige Maßnahme

in den südöstlich von Wien gelegenen Bundesländern Burgenland, Steiermark und Kärnten (siehe auch Beitrag Seite 1 1). Eine kürzlich von der Handelskammer Steiermark mit der Region .Friaul-Julisch-Venetien veranstaltete Verkehrsenquete hat .sehr eindrucksvoll auf die Kurzsichtigkeit einer solchen Verkehrspolitik hingewiesen. Das für Verkehr zuständige Regierungsmitglied der italienischen Regionalregierung, Di Benedetto, bekundete das intensive Interesse der Italiener, die Verkehrsverbindungen auf Schiene und Straße über das Kanaltal und über eine neue Südostspange durch Österreich nach Ungarn, Polen und die Sowjetunion auszubauen. Ne-

ben dem Ausbau des· SemmeringBasistunnels für den Güterverkehr erhoffen sich die Italiener auch eine Beschleunigung des Eisenbahnverkehrs von Klagenfurt durch den Osten Österreichs. Ansonsten, daran ließ man keinen Zweifel, müßten Eisenbahnverbindungen durch Jugoslawien und Westungarn errichtet werden.

Dazu erklärte Frau Landesrat Waltraud Klasnic, daß der großzügige Ausbau der Pontebbana mit Fertigstellung in den Jahren 1993/ 94 als Hochleistungsstrecke für das österreichische Eisenbahnwesen eine massive Herausforderung darstelle. Österreich müsse alles daran setzen, nicht' z4r Langsamfab'r-· strecke zwischen der italienischen Grenze und den osteuropäischen Ländern zu werden. Angesichts der Planungen in Polen und der CSFR schaffen werden. Besonders interessiert zeigten sich ie Vertyetr de R,egfun).Fri- . steirischen Vorhaben, die senbahnverbindung zwjschenG:ra und Budapest zu verbessern. sammen mit einem Koralmtunpel

würde dies die Erreichbarkeit des ungarischen Raumes über die Pontebbana weit_g????n????tige_r ????e????talten als über eföe Streckenführung über Jugoslawien.

Bekanntlich sind die Italiener bereit, den Ausbau der Eisenbahn. verbindung über Jugoslawien vorzufinanzieren. Die Handelskammer Steiermark sieht hier die Chance, ????talienis;hes' Kapital für die neue Eisenbahn-Südostspange zu mobilisieren. Da ein Koralpentunnel im Ausbauprogramm der ÖBB derzeit in weiter Feme rangiert, biete sich hier die Gelegenheit, im Sinne der künftigen organisatorischen Trennung von Schiene und Fahrbetrieb, ein neues Finanzierungsmodell zu realisieren. An der zu schaffenden Finanzierungsgesellschaft sollten neben dem Bund, der ÖBB und den rangierten Bundesländern auch Private und ausländische Interessenten beteiligt sein. Aus den Benutzungsgebühren durch in- und ausländische· Eisenbahn könnte, ähnlich dem Finanzierungsmodell der Pyhrnautobahn-Fortsetzung l!aci; .????a.????i'eb, die r Ka????????-taltilgung

krieg. Bei rund achteinhalb Fahrstunden sind über zweieinhalb Stunden an WPrtezeit inkludiert, sodaß eine Reduzierung der Halte- , stellen und damit der Wartezeiten bereits eine beträchtliche Beschleu. nigUhg bringen würde.

Hauptproblem im österreichischen Teil zwischen Graz und Mogersdorf ist die Beseitigung von 92 ungeregelten Eisenbahnkreuzungen, welche die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit der Eisenbahnzüge beträchtlich herabsetzen. Die Strecke als 'solche würde bei ' entsprechender Sicherung der Eisenbahnkreuzungen Höchstge- . schwindigkeiten bis zu 140 Stundenkilometer erlauben. Über Initiative der betroffenen oststeiri- , sehen Gemeinden und der Steiermärkischen Landesregierung wurde ein Bauprojekt konzipiert, welches die Auflassung von Eisenbahnkreuzungen, Unterführungen und sicherungstechnische Einrichtungen vorsieht, die rund 300 Millionen Schilling kosten würden. Für die Elektrifizierung des österreichischen Teils der Strecke rechnet man mit rurid 1,2 Milliarden Schilling, was sicherlich erst in weiterer Zukunft erfolgen kann.

Nicht einsehbar ist jedoch für die steirische Bevölkerung, daß im Wiener Raum 4,5 Milliarden Schilling für die Verbesserung der Eisenbahnverbindungen in die östlichen Nachbarstaaten ausgegeben werden sollen, für die Steiermark jedoch die 300 Millionen Schilling für da.s kreuzungsfreie Fahren auf der Ostbahnstrecke nicht drinnen sein sollen. Hier wurde die Steiermark mit dem geraqezu lächerlichen Betrag von 30 Millionen Schilling abgespeist. Da auch der ungarische Teil der Strecke im besten Zustand ist, könnte mit dem Eisenbahnkreuzungsprogramm und entsprechenden fahrplantechnischen Änderungen schon relativ rasch eine sehr attraktive Direktverbindung zwischen Graz und Budapest geschaffen werden.

Der Autor ist Leiter der verkehrspolitischen Abteilung der Handelskammer Steiermark.

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