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Digital In Arbeit

Gute Karten für den Binnenmarkt

Wenn man ein Erdbeben auf dem Papier sehen will, braucht man ein Gerät dazu. Ein Gerät, das die Schwingungen übersetzt und niederschreibt.

Die Firma, die diese Geräte herstellt, hat kosmopolitisches Blut in den Adern, ihren Sitz aber in Wien. Und das seit 1906. Heute produziert die ABB Goerz GmbH Laborschreiber, Meß-, Prüf- und Testgeräte sowie Plotter. Ein Plotter ist ein Zeichenautomat, der als Computerperipherie im Blitztempo mehrfarbige druckreife Grafiken, Pläne oder Charts fabriziert. Die anderen Geräte messen Schwingungen, zum Beispiel von Turbinen.

450 Mitarbeiter sorgen für einen Umsatz von 420 Millionen Schilling. 90 Prozent der erzeugten Produkte gehen in den Export.

Gut zehn Prozent des Umsatzes werden Jahr für Jahr für Produktentwicklungen ausgegeben. Ein Zehntel der Mitarbeiter ist in der zuständigen Abteilung beschäftigt. Dort wurde auch ein Laborschreiber entwickelt, der alle bisherigen Aufzeichnungsfrequenzen überbietet.

Durch intensive Forschungen auf dem Gebiet der digitalen Meßwerterfassung wurde für den Laborschreiber ein Einschub entwickelt, mit dem es möglich wurde, Signale bis zu 150 kHz zu erfassen, zu speichern und schnell auszuschreiben.“

Am Zahn der Zeit

Haben Sie Angst vorm Zähnarzt? Oder mehr vor dem Bohrer? Das nervtötende Geräusch des Bohrers geht vermutlich dem Mutigsten durch Mark und Bein.

Ein österreichisches Unternehmen im salzburgischen Bürmoos macht aus der Not (Karies) eine Tugend: Die Firma W & H Dentalwerk GmbH stellt zahnärztliche Bohrinstrumente, zahntechnische Apparate und Zulieferprodukte her.

Neben den 200 Angestellten beschäftigt das Werk sieben Techniker, die auf den Sektor Hochtechnologie angesetzt wurden und bis an die Schmerzgrenze forschen. Als Meisterleistung ist jenes Winkelstück zu bezeichnen, das auf mechanischem Weg 40.000 Umdrehungen/Minute um 90 Grade gedreht—auf 160.000 Touren übersetzt. Wieder übersetzt heißt das, mit diesem Turbo-Bohrer konnten die Techniker die Fachwelt begeistern und rund 25.000 Stück verkaufen.

Die Firma beliefert Zahnärzte und Zahntechniker in über 85 Ländern der Welt. Der zuverlässige Vertrag mit der lästigen Geisel Karies bringt ihr einen Jahresumsatz von etwa 165 Millionen Schilling - ein Betrag, der sich jährlich um zehn bis 15 Prozent erhöht. Mehr als 90 Prozent gehen in den Export.

Sogar der Schritt ins Reich der Mitte ist geplant. Ein Kooperationsvertrag mit China wurde schon geschlossen. Der Vertrag sieht vor, das Land des Lächelns mit Know-how für die Erzeugung von Bohrern zu versorgen. Gegenwärtig werden in China eine Milliarde Menschen von nur 7.000 Zahnärzten betreut. Laut Schätzungen der WHO werden es um das Jahr 2000 mindestens 100.000 sein. Das zahntechnische Equip-ment liefert die Firma aus Bürmoos.

Man denkt aber auch an die Zukunft - und setzt den Schwerpunkt auf Implantate (Befestigungen für den Zahnersatz, die in den Kiefer eingepflanzt werden), deren Grundstoff übrigens aus einem österreichischen Metallwerk kommt. Auf diesem Gebiet zählt das Unternehmen bereits zum Spitzenfeld und arbeitet mit international anerkannten Universitäten zusammen.

Natürlich setzt man in Bürmoos voll auf Innovation und ständige Verbesserung der bereits bestehenden Produkte. Die dazu erforderlichen Mitarbeiter werden entweder in jungen Jahren in die Firma geholt und dann dort zu Fachkräften ausgebildet, oder als Spitzenkräfte eingekauft.

Um den Vorsprung zu halten, bohrt sich die Firma mit hohen Forschungsinvestitionen weiter in den Weltmarkt vor.

Der Pisten-Jumbo

Tiefschneefahren ist nicht jedermanns Sache. Und ohne Walze oder Raupe gibt es keine Piste. Das hat ein österreichisches Unternehmen schon vor über 150 Jahren bemerkt.

Angefangen hat alles mit einer sensationellen werkseigenen Erfindung: dem Raupenantrieb mittels Sternrad. Auch die ersten Versuche der mechanischen Pi-stenpräparierung erfolgten mit Raupenfahrzeugen der Wiener Firma Bombardier-Rotax GmbH.

Heute ist sie mit ihrem größten Pistengerät Marktieader. Der „Jumbo“ unter den Pistenfahrzeugen wird als robuster, komfortabler und servicefreundlicher gepriesen als diejenigen aller Konkurrenten. Ein Speziallaufwerk ermöglicht die optimale Anpassung an verschiedene Pistenformen.

Die Techniker haben modernste Mikroelektronik eingesetzt: Elektronische Geräte besorgen die Uberlastungssicherung des Antriebes ebenso automatisch wie die Steuerung. Gelenkt wird der Pisten-Jumbo mit elektronischer Einhebel- oder mechanischer Zweihebelsteuerung. Fällt die Elektronik einmal aus, kann auf manuelle Steuerung umgeschaltet werden.

Auch bei der Gestaltung des Fahrerhauses ging man neue Wege: Zur perfekten Rundumsicht wurden alle Scheiben und Außenspiegel mit Beheizung ausgestattet. Der Fahrer sitzt auf einem luftgefederten Schwingsitz lind hat daher guten Zugriff zu allen Instrumenten und Bedienungselementen. Damit sich der Fahrer auch auf die oft unberechenbaren Schifahrer konzentrieren kann, werden viele Funktionen elektronisch überwacht.

Ein Bordcomputer erfaßt alle relevanten Daten, speichert sie und macht sie abrufbar. Damit kann schneller die Wirtschaftlichkeit kalkuliert werden.

Die Firma war übrigens auch Ausstatter bei den Olympischen Spielen in Sarajevo und Calgary.

Pole-Position

Jeder zweite Schifahrer auf der Welt fährt einen österreichischen Schi. Eine beachtliche Bilanz. Denn seit Jahrzehnten versuchen Amerikaner, Deutsche und Franzosen, den Österreichern den Rang abzulaufen. Dennoch war die Alpenrepublik bis heute immer noch die paar entscheidenden Hundertstel-Sekunden früher im Ziel.

- Im Vorjahr wurden weltweit ungefähr 6,3 Millionen Paar Alpinschier hergestellt. Mehr als die Hälfte allein von österreichischen Herstellern. Exportiert werden rund 85 Prozent. Geschätzter Umsatz: vier Milliarden Schilling pro Jahr.

Ausdauer haben die Österreicher auch in den nordischen Disziplinen. Die Gesamtproduktion an Langlaufschiern betrug hn vergangenen Jahr ungefähr 2,7 Millionen Paar. Eine Million davon geht auf österreichische Konten. Das heißt, daß jeder dritte Langläufer österreichische Langlaufbretter an den Füßen hat.

Apropos Füße: mit einem Output von 85.000 Paar Schischuhen konnte im vergangenen Jahr ein Zuwachs von sechs Prozent verzeichnet werden. Davon gehen wieder 85 Prozent ins Ausland — interessiert sind vor allem die USA, Kanada und Japan.

Österreich steht mit rund 40 Prozent Marktanteil an Schibindungen ebenfalls an der absoluten Spitze. Was die nüchternen Zahlen wert sind, beweist die durch den beinharten Konkurrenzkampf schrumpfende Zahl an Herstellern - es gibt weltweit nur noch fünf Schibindungs-Hersteller.

Milliardenumsatz

Den Schlüssel zum Erfolg hat ein Herzogenburger Unternehmen bereits 1862 gefunden. Heute produziert die GEGE-Grund-mann GmbH Tür-, Safe- und Sicherheitsschlösser, gießt Leichtmetall und Eisen, baut Werkzeuge und Modelle.

Mit neuen computergesteuerten Maschinen, intensivster Forschung und einem sehr guten internationalen Kundenstock wird heute ein Jahresumsatz von einer Milliarde Schilling erwirtschaftet. 1.100 Mitarbeiter sorgen für eine Exportquote von 45 Prozent mit steigender Tendenz.

Der Großteil des Umsatzes fließt weiterhin in Forschung und Entwicklung sowie ständige Modernisierung.

Die Welt ist Bühne

Bretter, die die Welt bedeuten, werden in Wien gebaut. Zumindest exportiert ein Wiener Bühnenbaubetrieb die Hälfte seiner Leistungen ins Ausland.

Die Waagner Birö AG hat sich auf die Konstruktion und den Aufbau von Bühnenanlagen spezialisiert. Genauer gesagt: es wurde eine eigene Abteilung im Unternehmen gegründet.

Das Mutterunternehmen existiert schon seit 1854 — die Büh-nenbauabteilung wurde vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg forciert. Heute gibt es kaum eine große Theater- oder Opernbühne auf der Welt, bei der die Wiener Konstrukteure nicht ihre Finger im Spiel gehabt hätten.

In Australiens gigantischem Opernhaus in Sidney stammt die gesamte Bühnenanlage aus Osterreich.

Genauso wichtig für ein reibungsloses Funktionieren sind die hochkomplizierten elektrischen und elektronischen Steuerungseinrichtungen. Eine Drehbühne soll sich nicht nur exakt, sondern auch möglichst leise -und zum richtigen Zeitpunkt — in Bewegung setzen.

Die Referenzliste der Bühnen-baufirma liest sich auch wie eine Sammlung sämtlicher Theaterprogramme der Welt: Zylinderdrehbühne des Burgtheaters, des Josef stadttheaters, der Volksoper und der des Grazer Opernhauses. Die Bühnenkonstruktion in der Felsenreitschule in Salzburg, die Bregenzer Festspielbühne — zum Beispiel.

Im Ausland wurden neben dem Opernhaus von Sydney noch folgende Theater „ausgestattet“: die Genfer Oper, das Schauspielhaus Amsterdam, das Smetana Theater in Prag, das Teatro Amazonas in Brasilien (Manao), die Drehbühne im Kulturzentrum in Seoul, in dem die großen Feierlichkeiten zu den Olympischen Spielen 1988 stattfanden, das portugiesische Nationaltheater in Lissabon, das Teatro Communale in Bologna und so weiter...

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