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Hindernisse für Fernwärme

Die energiewirtschaftliche Zweckmäßigkeit des Einsatzes und Ausbaus der Kraft-Wärme-Kopplung (kurz KWK genannt) steht auf breiter Basis außer Streit. Der Wirkungsgrad dieser Art der Energienutzung steigt gegenüber alternativen Kondensationskraftwerken von 40 bis 50 Prozent auf 80 bis 90

Von ANDREAS KURZ

Prozent, wodurch sich die Energieverluste halbieren.

Eingesetzt wird die KWK in der Industrie bei der Prozeßwärmeerzeugung mit entsprechend niedrigerer Stromkennzahl (das heißt geringerer Stromausbeute) und im kommunalen Bereich, wo Niedertemperaturwärme zur Fernwärmeversorgung ausgekuppelt wird.

Österreichs Städte weisen folgenden Grad der Fernwärmeversorgung auf:

Fernwärmeabgabe bezogen auf Gesamtwohnungen MWh/Wohnung/Jahr

Folgende Faktoren wirken hemmend für den weiteren Ausbau der Fernwärme im kommunalen Bereich: niedrige Einspeisetarife für Strom, langwierige Behördenverfahren für neue Erzeugungskapazitäten trotz der umfassenden Bekenntnisse zum Fernwärmeausbau in den Energiekonzepten und mangelnde Koordinierung bei leitungsgebundenen Energieträgern (Erdgas, Fernwärme).

Die niedrigen Einspeisetarife für Strom führen dazu, daß die Wirtschaftlichkeit von KWK-Anlagen nur aufgrund der vermiedenen Kosten für den Strombezug bei Selbstversorgung von Strom und Abwärme gegeben ist. Darüber hinausgehender Einsatz der KWK scheitert selbst bei entsprechendem Wärmebedarf, insbesondere im industriellen Bereich, am Fehlen eines kostendeckenden Tarifes der EVU für Stromeinspeisung.

Abhilfe könnte ein Einspeisetarif in Höhe des genehmigten Verbund-tarifes oder Kooperationsprojekte von KWK-Betreibern mit der Elektrizitätswirtschaf t schaffen. In solchen Kooperationsprojekten errichtet das EVU die Anlagen und liefert dem Unternehmen die Abwärme. Derartige Projekte gibt es in kleinem Umfang, wobei diese Form der Kooperationsmöglichkeiten in zunehmendem Maße von den innovativen städtischen EVU wahrgenommen wird.

Negativ auf den Fernwärmeausbau wirken sich die fallweise langen Entscheidungszeiträume der Behörden und Ämter aus. In den Energiekonzepten von Bund und Ländern wird auf die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit des Fernwärmeausbaues hingewiesen. Für die Entscheidungsfindung bei konkreten Projekten werden seitens der Behörden jedoch so lange Zeiträume benötigt, daß zwischenzeitlich mangels Erzeugungskapazitäten von KWK-Anlagen andere Energieträger zu Wärmeversorgung, wie beispielsweise Erdgas, ausgebaut werden müssen.

Kürzere Entscheidungszeiträume der Behörden wären in diesem Fall ein konkretes Energiesparbeispiel mit gleichzeitiger Verringerung der Schadstoffemissionen, das effizient ist und keine Mehrkosten verursacht.

Koordinierungsprobleme beim Ausbau leitungsgebender Energieträger erhöhen den gesamten Investitionsaufwand in die Infrastruktur der Verteilleitungen. Davon besonders betroffen sind Siedlungsgebiete mit hohen Wärmedichten. Diese sind im Regelfall für Fernwärme und Erdgas aus betriebswirtschaftlicher Sicht interessant. Beide Leitungssysteme einzurichten, erzeugt den negativen volkswirtschaftlichen Effekt mehrfacher Investitionen in die Verteilleitungen. Wünschenswert ist es daher, daß in den regionalen Energiekonzepten entsprechend der energiepolitischen Zielsetzungen Vorzugsgebiete für leitungsgebundene Energieträger festgelegt und durchgesetzt werden.

Im Bereich der Unternehmungen werden derzeit 32 Prozent der in Österreich kalorisch erzeugten Elektrizität aufgebracht, wobei fünf Prozent der kalorisch erzeugten Elektrizität im öffentlichen Netz aus Unternehmen mit Eigenanlagen stammen. Die elektrische Leistung aus industriellen KWK könnte um rund 500 bis 600 Megawatt gesteigert werden, wenn entsprechende Anreize gesetzt werden.

Derzeit wird von EVU an private Einspeiser etwa 60 bis 70 Prozent des Preises bezahlt, der im Handel zwischen den EVU üblich ist. Als Argument wird häufig vorgebracht, daß der Strom in jenen Perioden eingespeist wird, in denen keine Spitzenlasten auftreten. Widersprüchlich dabei ist, daß diese Preisregelung auch für Unternehmen angewendet wird, die in Perioden mit Versorgungsspitzen einspeisen.

Im Hinblick auf die Schwierigkeiten, neue Kraftwerksstandorte ohne Abwärmenutzung durchzusetzen, besteht die Hoffnung, daß es zu vermehrter Zusammenarbeit zwischen Betreibern von Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplungen und der Elektrizitätswirtschaft kommt und man so dem Ziele effizienter Ressourcennutzung näherkommen wird.

Der Autor ist Mitarbeiter der Energieverwertungsagentur in Wien.

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