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Hoffnung liegt in der eigenen Kraft

1945 1960 1980 2000 2020

Wirtschaften wird schwerer, Was müssen Unternehmens- und Wirtschaftsmanager tun, um die Probleme der Zukunft zu meistern? Die FURCHE wird in lockerer Folge Beiträge dazu veröffentlichen. Wir beginnen mit einem Aufsatz der Siemens.AG Österreich.

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Wirtschaften wird schwerer, Was müssen Unternehmens- und Wirtschaftsmanager tun, um die Probleme der Zukunft zu meistern? Die FURCHE wird in lockerer Folge Beiträge dazu veröffentlichen. Wir beginnen mit einem Aufsatz der Siemens.AG Österreich.

Das wirtschaftliche Umfeld sieht für die nächsten Jahre keineswegs ermutigend aus: Niedergeschlagenheit und Ratlosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland, wie es in nächster Zeit weitergehen wird; Unsicherheit über den neuen Kurs in Frankreich, verbunden mit einem wirtschaftlichen Stimmungstief; ein nun schon viel zu lange währender Kampf gegen hohe Arbeitslosigkeit und Inflation in Großbritannien neben einer langen Warteperiode auf eine Besserung in den USA, die durch rezessive Erscheinungen immer mehr in die Feme zu rücken droht; Devisenmangel, unterschiedlich hohe Verschuldung und eine Verflachung des Wachstums in den sozialistischen Ländern und politische Unsicherheit im Nahen Osten.

Dem gegenüber stehen eine weiterhin wachsende Weltbevölkerung, ein zunehmender Bedarf und eine noch immer nicht gebannte Ausdehnung des Hungers in der Welt. Obwohl wir unsere eigene wirtschaftliche Entwicklung heute nicht mehr nur aus dem engen Blickwinkel unseres Binnenmarktes sehen dürfen, möchte ich den Bogen der Zusammenhänge auch nicht zu weit spannen. Was wir aber unbedingt tun müssen, ist, uns dieser Umweltbedingungen bewußt zu werden und dafür in breitesten Kreisen unserer Bevölkerung Verständnis zu suchen.

Nur so wird es möglich sein, die Probleme der kommenden Jahre gemeinsam zu meistern und vielleicht auch weiterhin einen bescheidenen Beitrag zur Stabilisierung und zum Ausgleich in Europa zu leisten. Dies setzt aber auch voraus, daß wir uns unserer Grenzen bewußt werden und daß wir unsere Ansprüche den gegebenen wirtschaftlichen Möglichkeiten anpassen.

Wenn wir schon in der Vergangenheit über unsere Verhältnisse gelebt haben, so sollte man in Zukunft trachten, das Erreichte so weit wie möglich zu erhalten. Wir werden uns damit abfinden müssen, daß es der Wirtschaft in nächster Zeit nur noch möglich sein wird, bescheidene Zuwachsraten zu erreichen. Um aber unsere Exportchancen zu wahren.

muß alles getan werden, um auf dem neuesten Stand der technischen Entwicklung zu bleiben, was voraussetzt, daß auch die Mittel erwirtschaftet werden können, die notwendig sind, um die Investitionen in fertigungstechnische Einrichtungen, die Aufwendung für Weiterbildung und Umschulung sowie für Forschung und Entwicklung zu bestfeiten.

Wir sollten uns auch keiner Illusion hingeben, daß wir dies alles nur aus eigener Kraft bewältigen können. Die Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmungen auf dem Gebiete neuer Technologien, die Hereinnahme von Lizenzen wird neben der Rekrutierung aller eigenen Innovationskräfte die einzige unserem Lande angemessene Lösung sein.

Wer sich mit Forschung und Entwicklung beschäftigt, weiß, daß es auch Fehlentwicklungen geben kann, und daß man auf je-

den Fall Lehrgeld zahlt, bis man zu wirtschaftlich verwertbaren und dauerhaften Ergebnissen kommt. Erschwerend wirkt dabei noch der ständig kürzer werdende Innovationszyklus.

Ein weiterer wichtiger Umstand ist auch die laufende Verbesserung der industriellen Strukturen. Nicht der Arbeitsplatz um jeden Preis ist dafür die Lösung, sondern nur jener einigermaßen zukunftsträchtige und auf absehbare Zeit auch dauerhafte Arbeitsplatz, mit dessen Hilfe wir die notwendigen Mittel für die weitere Zukunftssicherung von Industrie und Gewerbe erwirtschaften können.

Man sollte den Mut haben, einem neuen Arbeitsplatz die Zustimmung zu verweigern, wenn dieser den Keim künftiger Verluste von vornherein in sich trägt. Dies gilt für die Privatwirtschaft genauso wie für die verstaatlichte Industrie, die sich im Interesse aller Staatsbürger in einer härteren wirtschaftlichen Zukunft subventionierte Arbeitsplätze noch weniger leisten wird können als in der Vergangenheit. Eingehende Marktanalysen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen sollten die Voraussetzung für die Genehmigung neuer Investitionsvorhaben sein.

Wenn wir einmal versuchen, dem Geheimnis des japanischen Erfolges auf den Grund zu gehen, werden wir feststellen, daß es in Teilbereichen gar nicht so schwierig sein wird, zumindest einige Komponenten dieses Erfolgsrezeptes auch bei uns zu verwirklichen. Dazu zähle ich vor allem die Harmonie in der Firma, nämlich das Zugehörigkeitsgefühl und die

damit verbundene erhöhte Leistungsbereitschaft, die schon einen sehr wesentlichen Teil des japanischen Erfolges ausmacht.

Daß dies ein Verhalten auf Gegenseitigkeit von Mitarbeitern und Unternehmensleitung voraussetzt, ist selbstverständlich. Daß es hiefür aber auch eines noch höheren Verantwortungsgefühls gegenüber der Gemeinschaft, sei es in der größeren Einheit des Staates oder auch in der kleineren Einheit der Firma, bedarf, ist nicht nur unbestritten, sondern sollte das Ziel der Aufklärung sein, dem sich alle Institutionen von der Schule bis zu den politischen Parteien verschreiben müßten.

Wenn es gelänge, eine neue Werteskala populär zu machen, bei der das größere und stärkere Auto nicht mehr an der Spitze steht, sondern eher das Gefühl deif Dankbarkeit, in einem schönen Land, in einem guten Klima und in einer hochentwickelten Zivilisation leben zu können, wird es auch möglich sein, zusätzliche Ansprüche zurückzustellen und diese bis zu einem gewissen Grad einer höheren Einsicht zu opfern.

Dies zu erreichen wird nur in gemeinsamen Anstrengungen aller staatstragenden Kräfte mög

lich sein, wobei man einige positive Anzeichen in dieser Richtung, wie die Suche nach der gemeinsamen Basis in den verschiedenen Wirtschaftsprogrammen, nicht unerwähnt lassen und auch weiter pflegen sollte. Nur so hat auch unsere österreichische Wirtschaft eine Uberlebenschance, als ein Gebilde, in dem hoher technischer Standard und ein gediegenes Bildungsniveau uns auch in Zukunft in die Reihe der hochindustrialisierten Länder dieser Welt ein- ordnen lassen.

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