Der Ruf der Myna-Vögel

19451960198020002020

Über Huxley, den Fortschritt und das Wachstum, das es für jeden anzustreben gilt.

19451960198020002020

Über Huxley, den Fortschritt und das Wachstum, das es für jeden anzustreben gilt.

Ein Journalist überlebt ein Schiffsunglück und kann sich auf eine tropische Insel retten. Erschöpft liegt er am Strand, reibt sich die Augen und registriert eine üppige Tier- und Pflanzenwelt. Das Erste, was ihm auffällt, sind Papageien mit einer schnoddrigen Stimme.

Immer wieder krächzen sie Aufforderungen von den Bäumen herab: „Gib acht!“ oder „Hier und Jetzt!“ Wie sich später zeigen wird, erinnern diese seltsamen Myna-Vögel die Inselbewohner daran, achtsam zu sein und der gegenwärtigen Erfahrung mit voller Bewusstheit zu begegnen. Denn das Leben ist endlich, jeder Augenblick ist kostbar.

Das ist eine Szene aus Aldous Huxleys Roman „Eiland“ (1962). Darin beschreibt der englische Schriftsteller eine positive Utopie, in der Achtsamkeitsmeditation ein kulturelles Fundament geworden ist. Diese Form der Geistesschulung soll dazu dienen, destruktive Gewohnheiten zu durchbrechen und „klüger zu werden auf der Ebene konkreter Erfahrungen und persönlicher Beziehungen“.

Hat Huxley mit den Myna-Vögeln die Entwicklung von Meditationsapps vorhergesehen? Diese Produkte, die sich heute bequem am Smartphone installieren lassen, sollen ihre User regelmäßig daran erinnern, achtsam zu sein.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau