Jogging: Laufen ist wie Schlafen

Sind wir durch Corona zu Bewegungsmuffeln geworden? Für das Laufen scheint das nicht zuzutreffen. In pandemischen Zeiten konnte man schließlich einen bunten Reigen an urbanen Joggern beobachten. Wir laufen sogar mehr, wenn sich die Lebensumstände verschlechtern, bemerkt Christopher McDougall in seinem Buch „Born to Run“ (Heyne, 2010). So sei der Langstreckenlauf in den USA während großer Krisen immer beliebter geworden. Das zeigte sich schon während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren, infolge des Vietnamkriegs in den 1970er Jahren sowie nach den Terroranschlägen von 9/11. Fazit: In der Krise hat das Laufen einen „Run“. Vielleicht, so McDougall, gibt es angesichts von Bedrohungen einen „Auslöser in der menschlichen Psyche, eine einkodierte Reaktion, die unsere erste und bedeutendste Überlebensfähigkeit aktiviert“ – das Laufen.

Der amerikanische Autor ist durch seine Spurensuche bei indigenen Wunderläufern bekannt geworden, die ihn in entlegene Schluchten im nördlichen Mexiko geführt hat. Die dort lebenden Tarahumara sind bekannt für ihre Ausdauer, mit der sie ultralange Distanzen auf steilen Gebirgspfaden zurücklegen – mit Gummisandalen und oft auch mit einem Lächeln im Gesicht. Was man primär von ihnen lernen kann: Laufen muss nicht anstrengend sein. Es funktioniert sogar am besten, wenn man es spielerisch leicht nimmt. Und wenn man dann naturgemäß Freude hat, stehen die Chancen gut, dass das Laufen zur nachhaltigen Gewohnheit wird.

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