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Digital In Arbeit

Ihr Computer!"

tragungsfähigkeiten wesentlich umfangreicher und leistungsstärkersind). Ein Modem bietet - gegenüber dem Faxgerät - sogar einen gewissen Vorteil: Während beim Faxgerät immer noch eine Vorlage auf Papier vorhanden sein muß - die zudem von iedem im Büro gelesen werden kann

- so erfolgt die Datenübertragung zwischen zwei Computern per Modem unmittelbar und mit Passwort-Eingabe: Der Benutzer erhält ein computerlesbares Dokument, das er mit seinem jeweiligen Textverarbeitungsprogramm gleich weiterverarbeiten kann.

Nun muß man zwischen verschiedenen Systemen unterscheiden: Im Fall einer Inhouse-Mail-Box (zum Beispiel Quick Mail), die im PC-Netzwerk integriert ist, muß der An wender nichts anderes tun, als Post

- per Tastendruck - zu versenden oder abzurufen. Er muß nichts „tun", um Post zu erhalten, denn er sieht, wenn er den Bildschirm einschaltet, ob er Post bekommen hat. Eine Re-ply- (Antwort) Taste gibt die Möglichkeit, sofort - in Echtzeit - zu antworten; die Sache ist erledigt.

Anders etwa beim sogenannten „Telebox-System": Bei diesem Postservice, der österreichweit realisiert wurde, muß sich der Benutzer die Information „holen": Er wählt per Computer ein Modem an, gibt ein Passwort ein, holt sich die Information vom System „herunter" und schickt eine Antwort zurück.

Der Sinn eines solchen elektronischen Briefsystems besteht (ob aktiv oder passiv) vor allem darin, das eigene Gedächtnis zu entlasten. Der Benutzer muß sich nicht um alles selber kümmern; gewisse Tätigkeiten kann er delegieren, Arbeitsvorgänge oder Konzepte, die ihm gerade einfallen, muß er nicht ständig im Kopf behalten; er schreibt sie auf und schickt sie weg - auch aus seinem Gedächtnis.

Miteinerderartigen Entwicklung geht natürlich auch eine Änderung der menschlichen Kommunikation einher: Man kommuniziert nicht mehr miteinander, sondern mit dem Computer. Das „Werkzeug" rückt vom Schreibmaschinentischchen plötzlich in die Mitte des Schreibtisches.

Interessanterweise wird die Möglichkeit eines elektronischen Briefsystems von vielen großen Firmen noch nicht genutzt. Aber nicht vielleicht deshalb, weil sie nicht über die nötige Hardware verfügten, oder sich derartige Anwendungen nicht leisten könnten - sondern vielmehr deshalb, weil diese Art der Kommunikation ein gewisses Umdenken erfordert.

Viele innovative Computerfirmen (etwa amerikanische Konzerne mit weltweiten Niederlassungen) haben allerdings eigene Kommunikationssysteme, mit denen sie weltweit elektronisch kommunizieren können. Eines der beliebtesten solcher Systeme - vor allem in den USA - ist Apple-Link.

Der General Electrics-Konzern stellt auf riesigen Rechnern weltweit Netze zur Verfügung. Der Anwender

- eingebunden in ein solches Netz -ruft nun eine Telefonnummer an (zum Beispiel die Apple-Link Zentrale in Wien). „You got mail!" sagt eine sympathische Stimme aus dem Computer. Eine Dimension kommt nämlich bei dieser Verbindung dazu: Die Sprache. Über ein kleines Mikrophon kann man an den elektronischen Brief kleine Nachrichten anhängen.

Die Zentrale schickt nun - zuallererst - die besonders wichtigen Informationen. Dann erscheint auf dem Bildschirm ein - Apple-Benutzern bekannter- Korb: Der In-Basket. Und der Out-Basket, in den man die Nachrichten hineinstellt, wenn man sie

verschicken will. Sobald der In-Basket geöffnet wird, erscheint also die Nachricht auf dem Schirm. Verschik-ken kann man über diesen Weg übrigens auch Software - in Form von Dateien.

Gerade bei kleinen Firmen, für die Botendienste und fünf Abteilungssekretärinnen keine Selbstverständlichkeit sind, könnte sich ein solches System durchaus rechnen.

Bürokommunikation von morgen ist eigentlich keine Frage der Technologie, sondern der Organisation: Was setze ich wie ein, um das Kommunizieren, Archivieren und Organisieren von Informationen zu vereinen. Eine Vision, die ansatzweise m den USA schon verwirklicht wird, ist das Infrarot-Netzwerk: Über ein kleines Gerät - ähnlich einer TV-Fernsteuerung -ist der Anwender mit der Großrechenanlage verbunden. Der interessante Ansatz dabei: Er ist nicht mehr abhängig von seinem Schreibtisch.

Wie lange es noch dauern wird und wie wünschenswert es sein kann, daß etwa ein Firmenboß vom Surfbrett aus Geschäfte machen kann (per Femsteuerung mit seinem Büro verbunden) - das ist eine andere Geschichte.

Marion Fuglewicz ist Computer-Journalistin in Wien.

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