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In Zukunft mehr radfahren

Im allgemeinen Bewußtsein hat das Fahrrad als Verkehrsmittel in den letzten Jahren ein besseres Image bekommen. Dies hat dazu geführt, daß auch die öffentlichen Budgets mehr Mittel für den Fahrradverkehr vorsehen.

Die Vorteile des Fahrrads sind offenkundig. Es ist energie- und flächensparend, umweltfreundlich und gesundheitsfördernd. In der Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln (“Bike and Ride“) bietet es im Nahverkehr ein hohes Maß an Mobilität.

In der Ebene ist es auf Distanzen bis zu acht Kilometer durchaus konkurrenzfähig. Man bedenke dabei, daß in der Stadt immerhin 7 0 bis 80 Prozent aller Autofahrten ohnedies kürzer als sechs Kilometer sind. Und, was die Platzerspamis anbelangt, liefern folgende Verglei-

che interessante Hinweise: Ein Auto braucht diesselbe Parkfläche wie 18 Fahrräder. Beim Fahren liegt die Relation sogar bei 1:30. Oder: Um

40.0 Menschen in einer Stunde über eine Brücke zu befördern, braucht man bei einer Fortbewegung mit PKW zwölf Fahrspuren, mit Bussen vier, mit Fahrrädern aber nur zwei.

Sicher hat das Fahrrad auch Nachteile und ist daher keineswegs ein Allheilmittel für städtische Verkehrsprobleme: Witterungsabhängigkeit und Verschmutzungsgefahr, wenig Möglichkeit, Gepäck zu befördern, beeinträchtigen seine Einsatzmöglichkeit. Geringe Verkehrssicherheit (j ährlich verunglücken in Österreich rund 5.000 Radfahrer, davon 100 tödlich) und körperliche Anstrengung (vor allem bei Steigungen) schrecken viele ab, auf das Rad umzusteigen.

Gerade die Verkehrssicherheit läßt sich aber stark durch gezielte Maßnahmen erhöhen. Daher investieren neuerdings auch die meisten Städte, um das Fahrrad zu einem ernstzunehmenden Verkehrsmittel zu machen. In Innsbruck, Salzburg und vor allem Graz, aber auch in Wien wird an der Anlage eigener Radwegenetze gearbeitet. Die Kosten für Wege im Ortsgebiet betragen je nach Ausgestaltung pro Kilometer zwischen ein und zwei Millio-

nen.

In einer Studie des Verkehrsclubs Österreich über die Fahrradfreundlichkeit der Stadtverwaltungen schneiden Graz und Wels besonders gut ab. Es werden auch Vergleiche des Radfahrverkehrs angestellt. Mit 22 Prozent aller zurückgelegten Wege weist Innsbruck den höchsten Fahrradanteil auf. Es folgen Wels (20 Prozent), sowie Klagenfurt, Graz und Salzburg (jeweils rund 12 Prozent). In Wien liegt der Anteil bei nur 3,5 Prozent.

Wien hat zwar mit 250 km das größte Radwegenetz, bezogen auf die Einwohnerzahl führt aber Salzburg mit 120 km.

Waren Radwege bisher (mit Ausnahme von Graz) vor allem für den Freizeitbedarf, also eher im Grünen, eingerichtet, so wird jetzt dem Nachholbedarf für Radwege im dicht verbauten Gebiet Rechnung getragen.

Kann der Fahrradverkehr wirklich jemals eine ins Gewicht fallende Rolle spielen? Eine Untersuchung in deutschen Städten läßt erkennen, daß rund 30 Prozent aller Wege im Nahverkehr (bis 15 km) mit dem Rad zurückgelegt werden könnten. Dazu bedarf es aber einer Imagewerbung und einer geeigneten Verkehrspolitik.

Folgendes bietet sich an Maßnahmen an:

- Straßenbegleitende Radwege, baulich getrennt von der Fahrbahn und beidseitig angelegt;

- Ra dfahrstreifen als Teil der Fahrbahn deutlich durch Bodenmarkierung gekennzeichnet;

- selbständig geführte Radwege.

In verkehrsberuhigten Straßen mit Geschwindigkeitsbeschränkungen bedarf es keiner besonderen Entflechtung.

Auch der Gesetzgeber hat mit der 15. Novelle zur Straßenverkehrsordnung der Aufwertung des Radfahrens Rechnung getragen. Seit 1.

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