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Jörn Kippur — Sühnetag

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Was der Sühnetag frommen Juden bedeutet, zeigte sich eindringlich 1973. Auf die Frage, was sie über den gerade ausgebrochenen Krieg wüßten, sagten fromme Juden im israelischen Fernsehen: Nichts, denn sie hätten den ganzen Tag, getreu der biblisehen Forderung im Buch Leviticus (16,29-34), mit Fasten und Gebet zugebracht.

Unmittelbar vor dem Jörn Kippur werden praktische Werke der Buße und Umkehr gesetzt. Man bemüht sich um Wiedergutmachung begangenen Unrechts.

Das Abendgebet, mit dem der Bußtag am Vorabend beginnt, trägt seinen Namen nach dem mit den Worten Kol Nidre (= alle Gelübde) beginnenden Gebet. Es wird in einer ergreifenden Melodie gesungen, die besser als Worte den Ernst dieses Bußtages auszudrücken vermag.

Wie am Schabbat brennen auch am Jörn Kippur zu Hause zwei Kerzen. Eine zusätzliche dritte brennt im Gedenken an die Toten. Auch der eigene Tod kommt an diesem Tag ins Bewußtsein. So tragen die Männer in der Synagoge unter dem Ta-lit (= Gebetsschal) ein weißes Gewand („Kittel“ genannt), das dem Totengewand gleicht.

Der Gedanke der Buße und Sühne ist am Jörn Kippur lebendig wie eh und je. Das Schlußgebet (Neila) des Tages ist die Summe dessen, was den frommen Juden am Jörn Kippur bewegt: „Ach Gott, vergib doch, verzeih doch, erlaß doch, hab doch Mitleid, hab doch Erbarmen, gewähre doch Versöhnung, tritt nieder Sünde und Schuld.“

Bisherige Beiträge zu jüdischen Festen erschienen in FURCHE 38/1987 und 39/1987.

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