6924641-1982_06_13.jpg
Digital In Arbeit

Kein Klassenkampf der Geschlechter

1945 1960 1980 2000 2020

Die Rolle der Frau - ein heikles Thema. Dieser Beitrag entwickelt eine differenzierte Sicht, plädiert für Partnerschaft und Toleranz aus einem lebendigen Glauben ...

1945 1960 1980 2000 2020

Die Rolle der Frau - ein heikles Thema. Dieser Beitrag entwickelt eine differenzierte Sicht, plädiert für Partnerschaft und Toleranz aus einem lebendigen Glauben ...

Jede Auseinandersetzung mit der Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft, die in dem Dilemma zwischen Familie und Beruf leben muß, ist wertvoll, wenn sie zur Lösung der komplizierten Problematik der Frau beizutragen versucht. Auch in Österreich begegnet man noch Vorurteilen in der Erziehung, der Bildung und im Berufsleben, denen eine Benachteiligung der Frau zu Grunde hegt.

Der Grundsatz: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" müßte für den unverdorbenen Gerechtigkeits-

sinn eine Selbstverständlichkeit sein. Doch seine Verwirklichung läßt auf sich warten.

Darüber hinaus gibt es auch noch gültige Gesetze, die im Sinne einer Suche nach dem konstruktiven Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern zu ändern wären.

Bekannte Politikerinnen, Anwältinnen, Ärztinnen oder Künstlerinnen, die sich mit Kraft und Konsequenz im Beruf zu verwirklichen verstehen, sollten nicht immer wieder behaupten, daß sie „trotz allem noch Frauen geblieben sind". Es müßte selbstverständlich sein, daß eine Vernachlässigung der eigenen biologischen Gegebenheiten nie eine konstruktive Tat für die Sache der Frauen oder der Gesellschaft überhaupt sein kann. Denn eine Frau soll nicht vergessen, daß auch sie auf den Weg der immer größeren Menschwerdung im Gottessinne gerufen ist.

Im Grunde sollen sich die heutigen Mädchen und Frauen nicht auf die Alternative „Familie oder Beruf" einlassen, sondern ein offenes konstruktives Verhältnis zu beiden Gebieten entwickeln, denn manche unter ihnen sind überzeugt, daß sie beides, die Familie und den Beruf für ihre volle menschliche Entfaltung nötig haben.

Berufstätig oder nicht, die heutige Frau sollte sich um genügend Bildung und Information kümmern. Nur so kann sie sich nämlich als Mutter und Erzieherin ihrer Kinder entsprechend bewähren. Vor allem in politischen und religiösen Fragen gilt es, sich zu orientieren. Auf diese Weise kann die Frau mit ihrer mütterlichen.

lebensbejahenden und humanen Art wesentlich zur Erhaltung des Lebens in jeder Form beitragen. Eine entsprechende Aufwertung der Frau als Mutter wäre in der heutigen Gesellschaft von grundlegender Bedeutung.

Wie die Historiker nachweisen, kannten schon die Urmenschen eine strenge Trennung zwischen Männer- und Frauenarbeit. Diese zeitweise heftig diskutierte Rollenverteilung zwischen Männer-und Frauenarbeit wird auch von der Medizin untermauert. In den USA wurde bei zwölf Wochen alten Babys festgestellt, daß es bereits in diesem frühen Alter Verhaltensunterschiede zwischen Buben und Mädchen gibt. Ihre Auswirkungen im täglichen Zusammenleben brauche ich hier gar nicht zu erwähnen.

Als Frau, die in einer Welt, die die „Männer für die Männer geschaffen haben", leben muß, frage ich ganz ernst - und ohne jede Illusion, die mir vielleicht die emanzipatorische Frauenbewegung einflüstern könnte —, ob es überhaupt möglich ist, jede Dis-

kriminierung der Frau aus dieser Welt zu schaffen? Wir Frauen waren zwar auch schon auf dem Himalaja, aber die Tatsache bleibt, daß wir dem Mann, der von Natur aus aggressiver programmiert ist als die Frau, meistens physisch unterlegen sind und wahrscheinlich bleiben werden.

Dabei bilden die Frauen ihrer Zahl nach die Mehrheit der Menschheit. Aber die Waffen aller Art, auch jene, die den Schwä-

cheren einzuschüchtern vermögen, besitzen die Männer...

Wir Frauen sind, wenn auch nicht ohne Möglichkeiten, so doch letzten Endes machtlos, wenn es auch uns nur um die Macht geht. Ich würde mich nur jenen Gruppen anschließen, dieweder für einen Rollentausch (ein Matriarchat statt eines Patriarchats) noch für eine' Geschlechterrevolution (die die Mißstände in Wirklichkeit nur verschiebt, aber nicht löst) plädieren.

Die Frau sollte nicht primär als Ergänzung des Mannes verstanden werden. Diese Sicht erlaubte es ja lange Zeit, bestehende Ungerechtigkeiten zu verschleiern. Es kann aber auch nicht darum gehen, die Frau einem männlichen Modell anzugleichen. So bleibt uns nur der Weg, für eine richtige, menschliche Befreiung der Frau einzutreten, für eine Frau als gleichwertige Partnerin des Mannes.

Dies ist besonders deswegen wichtig, weil das auch eine Befreiung des Mannes, dieses dominanten Sklaven seiner gesellschaftlichen Rolle, bedeutet. Es besteht Grund zur Vermutung, daß sich eine Partnerschaftsbeziehung zwischen Mann und Frau, die nicht mehr unter dem Konkurrenzkampf zwischen beiden zu leiden braucht, positiv auf den Weltfrieden auswirken würde.

Es erweist sich immer wieder als falsch, wenn die Emanzipation der Frau nur ein Spezialgebiet der Frau bleibt. Dabei entfernt man sich nämlich meilenweit von der jetzt angestrebten und menschlich wirklich progressiven Partnerschaft. Was nötig ist, ist eine Emanzipation der Gesellschaft, in welcher sich der Mann und die Frau partnerschaftlich konstruktive Aufgaben teilen, sich gegenseitig entlasten und zusammenwirken. In einer solchen Gesellschaft würde auch die Notwendigkeit eines „Jahres der Frau" entgültig entfallen.

Eine Toleranz zwischen den Geschlechtern, die nicht im Glauben, d.h. in einem überpersönlichen Geheimnis wurzelt, kann nicht von Dauer sein. Auch wenn diese Toleranz von den Vertretern der staatlichen Macht mit Gesetzen gesichert ist, wird sie immer wieder gebrochen, wenn ihr die innere Kraft des gegenseitigen Vertrauens fehlt...

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau